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Türkei: CARE schützt syrische Flüchtlingskinder und Jugendliche vor Kinderehen, Kinderarbeit und Bettelei

Wien, 22. Dezember 2021. In keinem anderen Land der Welt leben so viele Flüchtlinge wie in der Türkei. Von den insgesamt rund vier Millionen geflüchteten Menschen sind 3,7 Millionen aus dem benachbarten Syrien – geflohen vor den verheerenden Auswirkungen des seit zehn Jahren andauernden Krieges. Fast die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. In der Türkei sind sie oft mit Sprachbarrieren konfrontiert und wissen nicht, wo und wie sie Hilfe in Anspruch nehmen können. Dank der Unterstützung durch die Europäische Union, setzt CARE in einem Projekt genau da an – mit dem Ziel, junge Flüchtlinge in den türkischen Regionen Gaziantep, Sanliurfa und Adana zu stärken und zu schützen.

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind einem hohen Risiko von Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt. Limitierter Zugang zu Bildung, kulturelle Praktiken, Geschlechterungleichheit und ein Mangel an verlässlichen Informationen über ihre eigenen Rechte sind nur einige der Ursachen. Hinzu kommt die finanzielle Not, die Familien oft zu harten Entscheidungen zwingt. Kinder werden statt in die Schule, zum Arbeiten oder zum Betteln geschickt. Töchter werden früh verheiratet, um eine Person weniger ernähren zu müssen.

Viel zu viele syrische Kinder haben Gewalt, Vertreibung und Verlust erlebt. Sie stehen unter enormem Druck, ihre Familien zu unterstützen. Das gefährdet oft ihr Recht auf eine normale Kindheit und auf Bildung. In Partnerschaft mit der Europäischen Union bietet CARE sichere Räume für Frauen und Mädchen, um sie zu stärken und zu schützen. Darüber hinaus unterstützen wir Jugendliche und Kinder mit Sport und verschiedenen Programmen, die Führungsqualitäten und Selbstbewusstsein fördern sollen. Das kommt auch dem sozialen Zusammenhalt in den Gebieten, in denen Flüchtlinge leben, zugute. Die Programme sind entscheidend für den Schutz von Flüchtlingskindern und stellen sicher, dass sie den richtigen Weg in eine sinnvolle Zukunft einschlagen“, sagt Sherine Ibrahim, Länderdirektorin CARE Türkei.

CARE stellt dafür geschlechts- und altersgerechte Informationen zur Verfügung, welche Gefahren Kinderehen, Kinderarbeit und Kinderbettelei mit sich bringen können und wohin sich betroffene Familien, Kinder und Jugendliche um Hilfe wenden können. Um auch effektiv Unterstützung leisten zu können, wurde im Vorfeld eine eigene Studie über Kinderarbeit und Kinderbettelei durchgeführt.

Die EU setzt sich weiterhin für die Förderung und den Schutz des Rechts eines jeden Kindes ein, in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen, Zugang zu guter Bildung zu haben und sich selbst eine bessere und friedlichere Zukunft aufzubauen. Die COVID-19-Pandemie hat die Gefährdung von Flüchtlingskindern weiter verschlimmert. Gemeinsam mit Partnern wie CARE arbeiten wir daran, die Unterbrechungen im Bildungswesen so gering wie möglich zu halten und dafür zu sorgen, dass die Kinder sicher und geschützt sind“, sagt Claudia Amaral, Leiterin des EU-Büros für humanitäre Hilfe in der Türkei.

Selbstbewusstsein durch gemeinsamen Austausch und Sport

Neben speziellen Schutzeinrichtungen, einer eigenen Telefonhotline und dem Angebot einer Rechtsberatung unterstützt CARE zusätzlich mit den zwei Initiativen „Young Women´s Empowerment Clubs“ und „Sports-for-Development“.

Innerhalb der „Young Women´s Empowerment Clubs“ wird Mädchen und Frauen ein sicherer Ort geboten, wo sie sich untereinander austauschen können. Bei gemeinsamen Workshops erhalten sie Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und lernen, wie sie für ihre Rechte und Wünsche einstehen können – in der Familie, aber auch in der Partnerschaft.

Die Stärkung des Zusammenhalts in den Gemeinden und der Austausch mit Gleichaltrigen unterschiedlicher Herkunft soll mit „Sports-for-Development“ gefördert werden. Dabei lernen Kinder und Jugendliche spielerisch wichtige Fähigkeiten wie Teamwork, Einfühlungsvermögen, Führungskompetenzen und wie man an unterschiedliche Probleme herangeht. Dadurch, dass Jungen und Mädchen gleichermaßen teilnehmen, soll auch gezielt Bewusstsein für Themen wie Geschlechtergleichheit geschaffen werden.

Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert und läuft bis Ende September 2022. Insgesamt profitieren 16.500 Flüchtlinge davon.

Europäischer Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe:
Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sind der weltweit größte Geber humanitärer Hilfe. Die Soforthilfe ist Ausdruck der europäischen Solidarität mit Menschen in Not auf der ganzen Welt. Sie zielt darauf ab, Leben zu retten, menschliches Leid zu verhindern und zu lindern sowie die Integrität und Menschenwürde der von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Krisen betroffenen Bevölkerung zu schützen.

Über die Abteilung Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission hilft die Europäische Union jedes Jahr Millionen von Opfern von Konflikten und Katastrophen. Mit ihrem Hauptsitz in Brüssel und einem weltweiten Netz von Außenstellen unterstützt die EU die am stärksten gefährdeten Menschen auf der Grundlage der humanitären Bedürfnisse.

Über CARE
Gegründet 1945, ist CARE International heute eine der größten privaten Hilfsorganisationen im weltweiten Kampf gegen die Armut. In Österreich ist die Organisation durch die in der Nachkriegszeit versandten CARE-Pakete bekannt. Im Jahr 2020 kam die Arbeit von CARE mehr als 92 Millionen Menschen in 104 Ländern zugute, wobei ein Schwerpunkt auf der Stärkung von Frauen und Mädchen liegt. CARE Österreich wurde 1986 als achtes Mitglied von CARE International gegründet. https://www.care.at/