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Nordwest-Syrien: Gesundheitssystem droht in zweiter COVID19-Welle der Zusammenbruch

Familie in Syrien.

Die medizinische Versorgung im Nordwesten Syriens steht angesichts einer schweren COVID19-Welle vor dem Zusammenbruch, warnt die Hilfsorganisation CARE. Nur 2,5 Prozent der vier Millionen Einwohner in Nordwest-Syrien haben eine erste Dosis Impfstoff gegen Corona erhalten. Mittlerweile sind alle Intensivbetten besetzt und die Krankenhäuser zu 95 Prozent belegt.

„COVID-19 breitet sich im Nordwesten Syriens rasend schnell aus: Täglich werden über eintausend Fälle bestätigt, so viele wie nie zuvor. Etwa elf Prozent dieser neu registrierten Fälle befinden sich in überfüllten Vertriebenenlagern. Wir sind extrem besorgt, dass die Kombination aus der niedrigen Impfrate und der sehr begrenzten Gesundheitsversorgung zu noch viel mehr Leid für die Menschen in der Region führen wird“, erklärt Sherine Ibrahim, CARE-Länderdirektorin in der Türkei.

Der sprunghafte Anstieg der COVID19-Fälle behindert besonders den Zugang von Frauen, werdenden Müttern und heranwachsenden Mädchen zur Gesundheitsversorgung. Viele Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung und Krankenhäuser mussten den Betrieb einstellen, da auch die Zahl der Infektionen beim Gesundheitspersonal zunahm. Es mangelt an medizinischen Hilfsmitteln und Medikamenten.

„Leider sind wir nicht in der Lage, mit dem Anstieg der Erkrankungen Schritt zu halten. Wir verfügen über nur ein Kranken-Transportfahrzeug. Wir, die Freiwilligen im Gesundheitswesen, arbeiten Tag und Nacht, ohne Unterbrechung, um den Erkrankten zu helfen“, sagt Sharif, der in einem von CARE unterstützten Ambulanznetz im Nordwesten Syriens im Einsatz ist.

Anfang des Monats wurden über 350.000 Dosen des Impfstoffs gegen COVID-19 aus der Türkei über die Grenze geliefert. Dies war die bisher größte Lieferung von Impfstoffen in den Nordwesten Syriens. Dennoch bleibt die Zahl der verfügbaren Impfstoffe nach wie vor gering. Es besteht zudem weiterhin Zurückhaltung bei der Akzeptanz der Impfung innerhalb der Bevölkerung. Da sich das Virus in Flüchtlingslagern schnell ausbreitet, ist zu befürchten, dass die Zahl der Fälle dort weiter steigen wird und die Delta-Variante zu schweren Verläufen führen könnte.

CARE fordert Investitionen in eine rasche Bereitstellung von COVID-19-Impfstoffen und in die Aufklärung der Bevölkerung, um die Impfbereitschaft in Syrien zu erhöhen. Dies alles ist notwendig, um nach zehn Jahren Krieg eine weitere Krise zu verhindern.

CARE hilft in Nordwest-Syrien mit sauberem Wasser, Nahrungsmittel-Paketen, Hygiene-Paketen, Winterkleidung, dem Bau von Sanitäreinrichtungen, Aufklärung über Hygienemaßnahmen und psychosozialer Unterstützung. Die Hilfe von CARE hat in Syrien seit 2014 mehr als sechs Millionen Menschen erreicht.

Spendenkonto CARE Österreich – Syrienhilfe: IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000 oder online