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Im Schatten der Pandemie: Zehn Krisen, die 2021 keine Schlagzeilen machten

Klimawandel und COVID-19 als Krisenverstärker / Frauen und Mädchen am meisten betroffen

Wien, 13. Jänner 2022. Im vergangenen Jahr berichteten internationale Online-Medien mehr als 240.000-mal über die Weltallflüge von Jeff Bezos und Elon Musk. Die humanitäre Krise in Sambia, die für über 1,2 Millionen Menschen Hunger bedeutet, fand hingegen nur ganze 512 Erwähnungen. Die Abenteuer der beiden Milliardäre wurden also fast 500-mal so häufig thematisiert wie das südafrikanische Land und seine Hungerkrise.

Doch Sambia ist nur eines von vielen Ländern, wo Menschen jeden Tag ums Überleben kämpfen – und die Weltöffentlichkeit kaum etwas mitbekommt, mahnt die Hilfsorganisation CARE Österreich. Der heute vorgestellte CARE-Bericht „Suffering in Silence“ zeigt deshalb erneut eindrücklich auf, welche zehn humanitären Krisen im Jahr 2021 am wenigsten mediale Aufmerksamkeit erhielten.

„Viele der Krisen in unserem Ranking sind langwierig und die meisten werden von der Klimakrise verschärft. Die Lage ist besonders für Frauen und Mädchen prekär. Doch Armut, Hunger und Flucht machen noch zu selten Schlagzeilen, das zeigt der Report sehr deutlich“, so Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Vergessene Krisen sind auch für Hilfsorganisationen eine besondere Herausforderung. Mit der mangelnden Bekanntheit geht nicht selten auch eine geringe finanzielle Unterstützung einher. Dadurch fehlt es jedoch am wichtigsten – nämlich an konkreter Hilfe für die betroffenen Menschen vor Ort.“

Armut und Hunger in Sambia am wenigsten beachtet
Die Auswirkungen langanhaltender Dürreperioden, des Klimawandels und von COVID-19 fanden nur selten Eingang in die Berichterstattung. Damit liegt Sambia auf dem ersten Platz, der 2021 am wenigsten beachteten Krisen. Direkt dahinter liegt auf Platz zwei die humanitäre Krise in der Ukraine. Im Osten des Landes herrscht seit mehr als sieben Jahren ein bewaffneter Konflikt. 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. An dritter Stelle der vergessenen Krisen befindet sich Malawi. Dort kämpfen die Menschen mit den schweren Folgen der Klimakrise. Extreme Naturereignisse wie Wirbelstürme, Fluten oder Dürren treten häufiger auf als in den Jahren zuvor.

Concessa verkauft Nüsse und Obst um ihre Kinder ernähren zu können.

Betroffene wie Concessa Nizigiyimana bestätigen dies. Ihr Heimatland Burundi befindet sich in diesem Jahr auf Platz sieben der vergessenen Krisen. „Überschwemmungen nach starken Regenfällen haben uns gezwungen, unsere zerstörten Häuser zu verlassen. Wir mussten in Camps Zuflucht suchen, wo wir unter Kälte und Hunger gelitten haben.“

Was muss getan werden?
Aus Sicht von CARE ist es wichtig, als Hilfsorganisation noch enger mit AuslandskorrespondentInnen vor Ort zusammenzuarbeiten, qualitativ hochwertige Inhalte sowie Informationen über strukturelle Ursachen von Not bereitzustellen und digitale Medien verstärkt zu nutzen. Wichtig sei laut Barschdorf-Hager auch der Fokus der medialen Berichterstattung: „Betroffene zu Wort kommen lassen, damit sie die Lage aus ihrer Sicht schildern können, ist unerlässlich.“

Zehn humanitäre Krisen, die 2021 keine Schlagzeilen machten:
1. Sambia – 1,2 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen
2. Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
3. Malawi – 17 % der Bevölkerung sind stark unterernährt
4. Zentralafrikanische Republik – 2,8 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
5. Guatemala – 2/3 der Bevölkerung leben von weniger als 2 US-Dollar pro Tag
6. Kolumbien – 4,9 Millionen Menschen leben unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen
7. Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
8. Niger – 1,8 Millionen Kinder benötigen Nahrungsmittelhilfe
9. Simbabwe – 5,7 Millionen Menschen fehlt es an genügend Nahrung
10. Honduras – 2,8 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe

Fotomaterial zu den zehn vergessenen Krisen (Fotocredit: © CARE)
Link zum Report „Suffering in Silence“ und mehr Informationen über die Krisenländer

Methodik des Reports: Im sechsten Jahr in Folge analysierte der internationale Medienbeobachtungsdienst Meltwater für CARE mehr als 1,8 Millionen Online-Artikel im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. September 2021. Die Analyse stützte sich dabei auf Artikel in den Sprachen Arabisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Spanisch. Aus einer Liste von 41 humanitären Krisen wurden jene zehn Krisen ermittelt, die die geringste mediale Aufmerksamkeit erhielten.

Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in 102 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2021 mehr als 100 Millionen Menschen erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at