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CARE-Report „Suffering in Silence“: Die vergessenen humanitären Krisen der Welt

Wo leiden Millionen Menschen weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit unter Hunger, Krieg und Verfolgung? Ein neuer Report der Hilfsorganisation CARE liefert die Antworten und listet die zehn humanitären Krisen mit der geringsten Berichterstattung weltweit.

Krise in Burundi erhält weltweit die geringste Aufmerksamkeit
Armut, extreme Wetterbedingungen und politische Instabilität: Nirgendwo auf der Welt ist die Rate an chronischer Unterernährung höher als in Burundi. Im heute veröffentlichten Bericht „Suffering in Silence“ der Hilfsorganisation CARE belegt das ostafrikanische Land Platz eins der vergessenen humanitären Krisen. Der jährlich erscheinende Report von CARE hat zum Ziel, die Aufmerksamkeit auf Krisen in jenen Ländern und Regionen zu richten, die weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit stattfinden.

Auf Burundi folgt auf Platz zwei Guatemala. Schon zuvor lebten die Menschen in Armut, aber nach Jahren der Dürre gibt es nicht genug Nahrung. An dritter Stelle der vergessenen Krisen steht die Zentralafrikanische Republik, wo mehr als 71 Prozent der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze leben und einer von vier Menschen inner- oder außerhalb des Landes vertrieben wurde.

„Historisches Ausmaß menschlichen Leids“
„Wir sehen uns mit einer zunehmenden Anzahl von Krisen und Katastrophen konfrontiert“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr rund 235 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. Die Auswirkungen von COVID19 in Verbindung mit dem fortschreitenden Klimawandel haben diese Zahl um fast vierzig Prozent gesteigert. Das ist der höchste Anstieg, der jemals stattgefunden hast. Es ist ein historisches Ausmaß menschlichen Leids.“

„Wenn wir nicht an COVID-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt“
„Humanitäre Krisen kennen keine Grenzen, kein Geschlecht, keine Religion und keine globalen Pandemien. Für Frauen und Mädchen sowie schutzbedürftige Personen, die in diesen bestehenden Krisen leben, ist COVID-19 lediglich eine zusätzliche Bedrohung“, berichtet Claudine Awute, die mit Sitz in Nigeria für CAREs Internationale Programme zuständig ist. „‚Wenn wir nicht an COVID-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt‘, berichten uns viele Frauen und Mädchen. Der fast vollständige Mangel an medialer Aufmerksamkeit für einige der anhaltenden Krisen der Welt ist äußerst besorgniserregend“.

Was können wir tun? CARE fordert folgende Maßnahmen:
1. Regierungen müssen Journalisten sicheren Zugang zu Krisenregionen garantieren, um Berichterstattung zu ermöglichen.
2. Die Geberländer müssen die Lücke zwischen Finanzierung und humanitärem Bedarf schließen.
3. Die Geber sollten anerkennen, dass humanitärer Journalismus Geld kostet. Die Projektfinanzierung sollte dies berücksichtigen, während die Geber auch die von Frauen geführte lokale Hilfsorganisation sowie Mediengruppen direkter unterstützen sollten.
4. Lokale Organisationen müssen ins Rampenlicht gerückt werden. Ihre Stimmen müssen international gehört werden, um Krisen wirksam zu bekämpfen.
5. Die Zivilgesellschaft sowie eine freie, unabhängige Medienlandschaft müssen konsequent unterstützt und geschützt werden.
6. Bürgerjournalismus erfordert mehr Investitionen, insbesondere in den Regionen, in denen der Zugang begrenzt und schwierig ist.

 

Die zehn vergessenen Krisen der Welt
1. Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
2. Guatemala – 10 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze
3. Zentralafrikanische Republik – 1/4 der Bevölkerung ist vertrieben
4. Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
5. Madagaskar – 50% der Kinder leiden unter Mangelernährung
6. Malawi – 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe
7. Pakistan – 49 Millionen Menschen fehlt es an ausreichend Nahrung
8. Mali – 1,3 Millionen Menschen leiden Hunger
9. Papua-Neuguinea – 4,6 Mio Menschen benötigen humanitäre Hilfe
10. Sambia – 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe

Fotolink „Die zehn vergessenen Krisen der Welt“
Link zum Report „Suffering in Silence“ 

Hinweis zur Methodik: Das internationale Medienbeobachtungs-Unternehmen Meltwater hat für CARE mehr als 1,2 Millionen Online-Artikel im Zeitraum 1. Januar bis 30. September 2020 (in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Arabisch und Spanisch) für über 45 humanitäre Krisen ausgewertet, die mehr als eine Million Menschen betreffen. Daraus wurden jene zehn Krisen mit der geringsten medialen Präsenz ermittelt. Der Report erscheint heuer zum fünften Mal.

Über CARE: CARE wurde 1945 gegründet und ist heute eine der weltweit größten Hilfsorganisationen, die in 104 Ländern tätig ist. Die Hilfe von CARE hat 2020 mehr als 92 Millionen Menschen erreicht. Weitere Informationen unter www.care.at