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Zum „Langen Tag der Flucht“: Aishas Geschichte

Zum Langen Tag der Flucht am 30. September:

Aisha berichtet über ihre Flucht aus Syrien und den schwierigen Neubeginn in Jordanien

Mein Name ist Um Aisha. Ich bin 32 Jahre alt und komme aus Qusair in Syrien. Ich bin nach Jordanien gekommen, weil ich hier Familie habe. Ich habe auch einen Bruder, der jetzt in einem syrischen Gefängnis ist. Er hat geheiratet und wurde Vater eines wunderbaren kleinen Jungen. Er hat ihn immer gehalten und war so glücklich. Wir haben wirklich gedacht, dass dir nichts passiert, solange du nichts mit dem Krieg zu schaffen hast. Aber wir haben falsch gedacht. Mein Bruder wurde gefangen genommen und in ein Gefängnis gebracht, als sein Sohn gerade einmal drei Monate alt war.

Wir mussten alles zurücklassen

Mein Mann und ich hatten ein Haus und ein wenig Geld, aber wir mussten alles zurücklassen. Wir beschlossen, in meine Heimatstadt zu ziehen und neu anzufangen. Wir haben ein Haus gebaut und Land gekauft, weil wir Bauern sind und das unsere Lebensgrundlage ist. Zwei Jahre später kam der Krieg auch dort hin und wir mussten in ein anderes Dorf fliehen. Ein paar Monate später hat man uns gesagt, dass es sicher wäre, nach Qusair zurückzukehren. Obwohl unser Haus niedergebrannt war und all unser Hab und Gut gestohlen, dankten wir Gott dafür, in Sicherheit zu sein. Nachdem unser Land noch da war, glaubten wir daran, dass alles andere ersetzt werden könnte.

Mein Mann und ich haben alles wieder aufgebaut und bei Null angefangen. Ein paar Monate später hörten wir, dass bewaffnete Gruppen in unsere Stadt kommen. Alles war ein riesiges Chaos; Verwirrung über diese Situation war das einzig Offensichtliche. Keiner wusste mehr, welche Gruppierung für welche Sache kämpfte. Wir kannten uns nicht mehr aus, wussten nicht mehr, wer Recht hatte und wer nicht.

Ich habe vier Kinder verloren

Ich habe eine Tochter, Fatima. Ich hatte vier Fehlgeburten, alle im letzten Drittel meiner Schwangerschaft. Einmal, als ich im neunten Monat war, hörte ich Flugzeuglärm und Fassbomben. Ich erlitt einen solchen Schock, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Einmal brachte ich einen Jungen zur Welt, aber er überlebte nur eine Woche lang. Er hätte einen Brutkasten gebraucht, aber Krankenhäuser in Kriegsgebieten haben sowas einfach nicht. Was kann ich über die Leiden, die wir durchlebt haben, noch erzählen? Sie sind unbeschreiblich.

Eines Tages habe ich Verwandte besucht, die zehn Meter von uns entfernt lebten. Die Kämpfe wurden so schlimm, dass ich mich nicht mehr traute, nach Hause zu gehen. Es herrschte Panik und Verwirrung und während ich mit meiner Tochter flüchtete, wurde ich von meinem Mann getrennt, der in die andere Richtung rannte.

Wir waren fünf Stunden lang unterwegs bis wir die Wüste erreichten. Dort blieben wir fünf Monate lang in der Hoffnung, in unser Dorf zurückkehren zu können. Aber irgendwann haben wir die Hoffnung aufgegeben und uns mit den anderen Richtung jordanische Grenze aufgemacht. Ich habe die Tatsache akzeptiert, dass ich unter lauter Fremden bin, und was auch immer mit den anderen passiert, auch mit meiner Tochter und mir passieren würde. Ich musste vor Landminen und Luftangriffen fliehen. Und ich kann dir sagen, dass diese Luftangriffe Zivilisten galten. In diesem Krieg sind die Zivilisten am schlimmsten getroffen.

Luftangriff beim Anstellen um Brot

An einem Tag unserer Reise haben wir in einem Dorf gerastet. Die Leute standen Schlange, um Brot zu kaufen. Plötzlich, aus dem Nirgendwo, kam plötzlich ein Luftangriff, der die Bäckerei traf. Vor meinen Augen starben 25 Menschen, die meisten von ihnen Kinder. Eine Frau verlor zwei ihrer Kinder. Sie war nur wenige Meter entfernt und sah ihnen beim Sterben zu, komplett erstarrt vor Schock. Diese Mutter wird nie wieder sie selbst sein. Die traurige Wahrheit ist: Fast jeder, den ich kenne, hat ein Kind oder einen Verwandten im Krieg verloren.

Ich habe so viel Schreckliches durchlebt. Ich bin 32 Jahre alt, aber mein Haar ist weiß. Kannst du dir vorstellen, nach einem Luftangriff herumzugehen und lauter Gliedmaßen liegen am Boden? Junge Männer, die eigentlich studieren, heiraten und Kinder haben sollten, werden rekrutiert. Andernfalls werden sie geköpft und wie Tiere abgeschlachtet. Und manche dieser jungen Männer sind deine Nachbarn, Söhne von Freunden, Verwandte. Du kennst sie und du weißt, dass sie das nicht verdient haben.

Mein Leben in Syrien war wunderbar. Ich habe in einem schönen grünen Dorf gelebt, in Freiheit. Wir haben abends unsere Verwandten und Freunde besucht und hatten viel Spaß. Aber diese Freiheit und Sicherheit wurden uns genommen, auf grausame Weise.

Mein Mann ist tot

Ich werde niemals den Tag vergessen, an dem mein Mann krank wurde. Ich dachte, er würde sterben. Wir waren noch in Syrien, es passierte, als die Kämpfe schlimmer wurden. Eines Tages konnte er nicht mehr richtig atmen. Seine Augen bewegten sich panisch. Es gab keine Krankenwägen mehr, die ihn in ein Krankenhaus hätten bringen können, und der Arzt war entführt worden. Mein Mann war am Ersticken und ich konnte nichts tun. Gott sei Dank hat sich nach ein paar Stunden alles wieder normalisiert.

Zwei Monate, nachdem ich in Jordanien angekommen war, zeigte mir jemand ein Foto meines Mannes auf Facebook. Daneben stand, dass er tot ist.

Ich habe nicht genug Geld, um meiner Tochter einen Keks zu kaufen

Ich habe nie darüber nachgedacht, einen Job anzunehmen, bevor ich hierher kam. Zuhause in Syrien hat mich mein Mann mit allem versorgt. Sogar im Haushalt oder bei einfachen Strickprojekten sagte er, ich solle aufhören, zu arbeiten. Als Scherz bezahlte er mir das Dreifache von dem, was ich verdient hätte, hätte ich die Stricksachen verkauft. Er hat mich geliebt und mit größtem Respekt behandelt. Er wollte nie, dass ich Strapazen durchmachen muss. Wenn er mich nur jetzt sehen könnte.

Ich kann nicht arbeiten und ich habe nicht einmal genug Geld, um meiner Tochter einen Keks zu kaufen. Ich fühle mich so hilflos. Mir bricht jedes Mal das Herz, wenn ich sehe, wie sie andere Kindern ansieht, die Süßigkeiten essen und ich nicht eine einzige Lira habe, um ihr irgendwas zu kaufen. Alles, was ich mir jetzt wünsche, ist Arbeit zu finden und für meine Tochter sorgen zu können.