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Neun Jahre nach Kriegsbeginn: „Wir wollen einfach nur leben“

Eine neue Studie bietet Einblick in die Situation syrischer Flüchtlinge. Für die meisten von ihnen ist eine sichere Rückkehr neun Jahre nach Kriegsausbruch unmöglich.

Über 12 Millionen syrischer Frauen, Männer und Kinder wurden seit 2011 gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. Mehr als sechs Millionen sind Binnenvertriebene innerhalb Syriens, fünf Millionen sind in den Nachbarländern als Flüchtlinge registriert und über eine Million weitere Syrerinnen und Syrer sind nach Europa oder anderswo geflohen. Allein im vergangenen Jahr haben sich über zwei Millionen auf die Flucht gemacht.

Eine gemeinsame Studie von CARE und anderen humanitären Organisationen gibt den syrischen Flüchtlingen eine Stimme. 32 Frauen und 31 Männer wurden dafür ausführlich interviewt. Die Studie „Into the Unknown“ hilft, die Perspektive der vertriebenen syrischen Bevölkerung zu verstehen, und ihre Sorgen nachzuvollziehen.

Der Großteil der befragten Flüchtlinge hat in naher Zukunft keine realistische Aussicht auf eine dauerhafte Lösung des Konflikts und der persönlichen Situation. Viele unter den Geflohenen haben das Gefühl, in der Schwebe zu verharren. „Eine Rückkehr nach Syrien ist unmöglich“, erklärt ein Syrer, „aber auch ein langfristiger Aufenthalt in Jordanien ist unmöglich. Das frustriert uns sehr – wir wollen einfach nur leben.“

Zuletzt haben sich die Lebensbedingungen vieler syrischer Flüchtlinge verschlechtert, nicht nur durch die Auswirkungen von COVID-19, sondern auch durch den zunehmenden wirtschaftlichen Niedergang im Land selbst sowie in mehreren Nachbarländern.

Es bleibt vor allem die Sicherheitslage, die eine Rückkehr für die meisten Flüchtlinge unmöglich macht. Ein männlicher Befragter, dessen Familie innerhalb Syriens auf der Flucht ist und nun im Nordwesten des Landes lebt, erzählt: „Vor einigen Wochen ist eine Frau in unser Heimatdorf zurückgegangen, nur um sich an den Ort zu erinnern und um Fotos zu machen. Sie wurde von einem Scharfschützen sofort erschossen. Es ist für uns unmöglich, zurückzukehren“

Doch es gibt auch Flüchtlinge, die sich zur Rückkehr in die syrische Heimat entschließen. „Es war die Ermutigung unserer Nachbarn, die uns überzeugte, zurückzukehren“, berichtet eine Rückkehrerin in Raqqa. „Sie sagten uns, dass es hier sicher ist, und dass humanitäre Organisationen den Bewohnern helfen.“

Die meisten syrischen Flüchtlinge sind davon nicht überzeugt. „Die Rückkehr nach Syrien ist nicht sicher,“ stellt ein Flüchtling in Deutschland klar. „Rückkehrer werden dort diskriminiert und sind Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Die syrischen Gesetze geben der Regierung die absolute, unangefochtene und ununterbrochene Autorität und volle Straffreiheit.“

So bleibt es für die meisten Vertriebenen noch ein weiter Weg, bis die Rückkehr für sie eine wirkliche Perspektive darstellt. Eine Binnenvertriebe im Norden des Landes wendet sich eindringlich an die kriegführenden Parteien in ihrem Heimatland: „Meine Botschaft an alle, die in Syrien an der Macht sind, ist, den Krieg zu beenden, damit alle in ihre Heimat zurückkehren können. Generationen von syrischen Kindern sind zerstört und haben jahrelang keine Schule besucht. Zehn Jahre Krieg sind genug, die Menschen sind erschöpft.“

CARE unterstützt Binnenvertriebene in Syrien mit sauberem Wasser, Grundnahrungsmitteln und Hygienesets.

Unterstützen Sie die wichtige Arbeit von CARE für syrische Flüchtlinge mit Ihrer Spende an IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000 oder online!