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Vergessene Krisen: Wo der Klimawandel schon heute Existenzen vernichtet

Wann haben Sie zuletzt einen Bericht über Sambia gelesen? Oder über Malawi? Was kommt in den Medien über Burundi oder Niger vor? Die meisten von uns werden 2021 kaum etwas über diese Länder gehört haben. Hier setzt der CARE-Report „Suffering in Silence“ an, der in diesem Jahr zum sechsten Mal erscheint. Wir beleuchten darin die zehn humanitären Krisen, die im Vorjahr keine Schlagzeilen machten.

Auf Platz Eins der Liste steht Sambia. Wie viele andere Länder im südlichen Afrika hat der Binnenstaat mit langanhaltenden Dürreperioden zu kämpfen. Die Folge ist, dass es nicht genug Nahrung gibt. Armut und Hunger betreffen vor allem Frauen – und viele Kinder. Das kleine Mädchen auf dem Foto wird auf Anzeichen von Unterernährung untersucht. Noch leuchtet das Maßband grün und gibt damit Entwarnung. Doch viele Familien können sich Lebensmittel kaum mehr leisten. So ist zum Beispiel der Preis für Mais stark angestiegen, nachdem ein Großteil der Ernte vernichtet wurde. In Sambia sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits stark spürbar. Wetterextreme wie Dürren oder Überschwemmungen werden seit Jahren immer häufiger.

CARE-Bericht „Suffering in Silence“ zum Download

Drückende Hitze und durch starke Regenfälle ausgelöste Erdrutsche verzeichnet auch Malawi, das östliche Nachbarland von Sambia. Nach Ausfällen bei den Ernten sind Nahrungsmittel knapp. Etwa 17 Prozent der Bevölkerung sind unterernährt. Bei Kindern unter fünf Jahren sind 39 Prozent aufgrund von Mangelernährung unterentwickelt. Beim Index der Menschlichen Entwicklung (HDI) liegt Malawi unter 189 Ländern auf Rang 174. Es fehlt zum Beispiel an Chancen für Bildung. Knapp die Hälfte aller Kinder geht nicht einmal vier Jahre lang zur Schule. 

Auch die Eltern von Litness (Foto) konnten ihre Tochter lange nicht in den Unterricht schicken. „Wir konnten früher das Schulgeld nicht bezahlen“, sagt die 16-Jährige. „Ich musste zu Hause bleiben.“ Seit die Eltern von Litness einer Kleinspargruppe von CARE beigetreten sind, haben sie finanziell mehr Spielraum und können die Kosten für Bildung aufbringen.

Hitze und Sand: Das Land Niger im Sahel ist von Trockenheit geprägt. Über Jahrhunderte reichte das, was der Boden hergab, gerade noch. Doch nun bedroht die Klimakrise die Existenz der Menschen. „Es ist ein schweres Leben. Das Essen ist jeden Tag knapp“, sagt Marariya Miko (Foto). „Die Regenzeit ist ausgefallen, die Ernte war deshalb sehr schlecht.“ Um ihre Familie zu ernähren, geht Marariya kleineren Arbeiten nach wie Kräuter sammeln oder Viehhüten. Sie isst nur eine Mahlzeit pro Tag, damit von der wenigen Nahrung mehr für die Kinder bleibt.

In Simbabwe hungert ein Drittel der Bevölkerung. 5,7 Millionen Menschen fehlt es an genügend Nahrung. 6,8 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Dennoch wird über diese Krise kaum berichtet. Menschen wie die 61-jährige Großmutter Esther (Foto), die für vier Enkelkinder sorgen muss, bekommen keine Aufmerksamkeit. Alles, was sie in ihrer Küche übrig hat, ist ein Glas mit Kürbiskernen, ein paar Bohnen, Speiseöl und ein wenig Mais. „Zu den gerösteten Kernen essen wir Termiten und Okra. Wir haben nur eine Mahlzeit pro Tag“, berichtet Esther. „Ich mache mir große Sorgen um das Essen für morgen.“

Die 13 Jahre alte Enkelin Rudo fängt Termiten und bringt sie in einer Tasse nach Hause. Sie kennt das nagende Gefühl, wenn es nicht genug zu essen gibt. „Es ist schwer, sich in der Schule zu konzentrieren, wenn man hungrig ist“, sagt sie. Rudo sehnt sich danach, Huhn mit Reis zu essen. Sie wünscht sich Bücher, Stifte und Hefte. „Ich möchte Lehrerin werden, aber ich fürchte, dass ich das nicht schaffe.“

CARE lässt Menschen wie Esther und Rudo nicht im Stich. Bitte helfen Sie mit einer Spende!