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Vergessene Krisen: Länder mit hohem Gewaltrisiko für Frauen

Honduras gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt für Frauen. Statistiken aus dem Jahr 2021 verzeichnen alle 29 Stunden einen Femizid. Die Zahl der ermordeten Frauen ist um 50 Prozent höher als jene für ganz Lateinamerika. Kriminalität, Angst und Gewalt sind Teil des Alltags. Berichtet wird darüber jedoch wenig. Das Land findet sich deshalb im CARE-Bericht „Suffering in Silence“ – 10 humanitäre Krisen, die 2021 keine Schlagzeilen machten. Dazu fehlen vor allem den jungen Menschen Chancen und Perspektiven. Es gibt kaum Jobs. Die Migration aus Honduras hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Wer kann, verlässt das Land und versucht in den USA neu anzufangen.

Zurück bleiben oft die Frauen und die Kinder. Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 leben rund 70 Prozent der Menschen in Honduras in Armut. Die Verbreitung von COVID-19 dürfte dies noch einmal verschärft haben. Die Zahl der Menschen, die von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, stieg wegen der Pandemie und wegen der Folge von Wetterextremen auf mehr als drei Millionen. Das Land ist stark vom Klimawandel betroffen. Besonders Wirbelstürme, Überschwemmungen und Trockenheit führen zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebensgrundlagen und erheblichen Ernteeinbrüchen.

CARE-Report „Suffering in Silence“ hier zum Download.

Gewalt gegen Frauen ist auch in Guatemala weit verbreitet. Das bedeutet jeden Tag ein Risiko – im Alltag oder bei Erledigungen. 3,3 Millionen Menschen im Land sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Doch die Unsicherheit im öffentlichen Raum und das häufige Auftreten von Gewalt schaffen Hürden für den Zugang zu dringend benötigten Hilfsleistungen. Dazu kommt, dass die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der Region nirgendwo größer ist als in Guatemala.

Maria (Foto oben) gehört zu einer Gruppe von Frauen, die sich untereinander organisieren, um Gewalt und Misshandlungen zu verhindern. Die Frauen setzen sich dafür ein, dass Guatemala die Konvention 189 der Internationalen Arbeitsorganisationen (ILO) ratifiziert. Diese legt weltweit die Grundrechte für Hausangestellte fest.

In Kolumbien brauchen mehr als 6,7 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Unter ihnen sind 2,3 Millionen Kinder. Die Pandemie hat eine landesweite Rezession ausgelöst. Das Land hat in den vergangenen Jahren mehr als 1,8 Millionen Geflüchtete aus dem benachbarten Venezuela aufgenommen. Es sind Menschen wie Mariangles (Foto) und ihr Sohn Aaron. Die 19-Jährige will mit ihrem Kind bald von Kolumbien nach Ecuador weiterziehen. Ihr Freund ist vor ein paar Monaten dorthin aufgebrochen, weil er wegen der tiefen Wirtschaftskrise und den fehlenden Arbeitsmöglichkeiten in Venezuela keine Zukunftschancen mehr sah.

Das einzige europäische Land unter den „Zehn vergessenen Krisen“ ist die Ukraine. In den vergangenen Wochen war das Land wieder in den Schlagzeilen, doch zuvor wurde über das Leid der Menschen in dem Konflikt nur wenig berichtet. Seit Februar 2014 dauert der bewaffnete Konflikt im Osten des Landes nun schon an. An der 420 Kilometer langen „Kontaktlinie“, die das von der ukrainischen Regierung kontrollierte Gebiet von dem der pro-russischen Separatisten trennt, sind die Menschen jeden Tag in Gefahr, unter Beschuss zu geraten.

Gewalt gegen Frauen, Ausbeutung und Diskriminierung treten im Konflikt noch stärker auf. Auch das Risiko für Menschenhandel ist gestiegen. 68 Prozent der vom Konflikt Betroffenen sind Frauen und Kinder.

Was können wir tun? Zum sechsten Mal in Folge veröffentlicht CARE den Bericht „Suffering in Silence“. Dabei wurden einige Länder schon mehrmals auf der Liste der Krisen genannt, die weltweit am wenigsten Aufmerksamkeit bekommen. Fehlt es an Geld? Interesse? Wissen? Wir haben eine Reihe von Personen um ihre Ideen und Empfehlungen gebeten. Es sind Stimmen aus der Politik, dem Journalismus, von betroffenen Menschen in Krisenregionen sowie Einschätzungen lokaler Partnerorganisationen von CARE. Ihre Antworten finden Sie hier im Bericht zu den vergessenen Krisen.