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Ukraine: „Ich mache keine Pläne mehr für die Zukunft“

Weil sie ihre Eltern nicht zurücklassen wollte, lebte Yulia (32) mit ihren zwei Töchtern über fünf Monate in einem von den ukrainischen Behörden nicht kontrollierten Gebiet. Die Familie stammt aus Skadovsk, einer kleinen Stadt im Süden der Ukraine.

Lange Zeit haben sie kaum das Haus verlassen und sich von Lebensmitteln aus dem eigenen Garten ernährt. Sie hatten Angst, mit jemanden zu sprechen. Die Situation war ohne Arbeit, ohne die Möglichkeit Bargeld abzuheben und ohne Zugang zu aktuellen Nachrichten sehr schwierig.

Wir haben uns mit der Zeit an das Leben im Kriegsgebiet gewöhnt. Die Kinder haben draußen auf der Straße gespielt, während über uns die Raketen geflogen sind. Es hat kein Luftangriffswarnsystem gegeben. Nur das Geräusch von Explosionen und das Pfeifen von Raketen hat uns auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht“, erinnert sich Yulia.

Im August musste Yulia dann eine Entscheidung treffen. „Ich hatte drei Möglichkeiten. Ich hätte in meiner Heimat bleiben und meine Kinder auf eine Schule schicken können, in der nur auf Russisch unterrichtet wird. Wenn ich damit nicht einverstanden gewesen wäre, hätte ich meine elterlichen Rechte verloren und meine Kinder wären auf ein Internat auf der Krim geschickt worden. Ich habe mich für die dritte Option entschieden: Das Risiko einzugehen und in den Westen zu fliehen.

Geplante Evakuierungen mussten drei Monate im Voraus gebucht werden. Yulia und ihre Töchter packten alles Lebensnotwendige und etwas zu essen ein. Mit dem wenigen Geld, das ihr noch geblieben ist, bezahlte Yulia einen Fahrer.

Auf ihrer Route lag der berüchtigte Kontrollpunkt in der Stadt Wassyliwka. Weil man nie sicher sein kann, ob man den Kontrollpunkt passieren kann, wird er von vielen auch „Wassyliwkas Roulette“ genannt. Als Yulia mit ihren Kindern dort ankam, mussten sie vier Tage lang warten: „Wir hatten Angst, dass jederzeit auf uns geschossen werden könnte. Oder, dass eine Bombe explodieren würde. Aber wir hatten Glück. Wir haben es geschafft.“

Yulia und ihre Töchter leben jetzt in Lviv in einer halb unterkellerten Unterkunft, die von CARE-Partnern eingerichtet und für die junge Familie bewohnbar gemacht wurde. „Ich fühle mich endlich sicher“, erzählt Yulia.

Wegen des Krieges kann Yulia ihre Arbeit als Beamtin am Gericht nicht mehr fortsetzen. Sie hat ihre gesamten Ersparnisse ausgegeben und lebt momentan von einem Tag auf den anderen: „Ich mache keine Pläne für die Zukunft. Ich tue das, was meinen Kindern in diesem Moment Freude bereitet. Wenn sie die Berge sehen wollen, gehe ich mit ihnen in die Berge. Wenn sie in den Zoo gehen oder Zuckerwatte essen wollen, gebe ich ihnen das.“

CARE stellt gemeinsam mit Partnerorganisation Unterkünfte und sichere Räume für Frauen und Familien in der Ukraine bereit, verteilt Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und leistet psychosoziale Unterstützung und Bargeldhilfe.

Bitte helfen Sie den Menschen in der Ukraine mit einer Spende!