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Südsudan: „Inmitten des Leidens sind die Menschen“

Als ich in den 1990ern Entwicklungshelfer im südlichen Sudan war, hatte der Kampf um die Unabhängigkeit schon lange begonnen. Es war Afrikas längster Bürgerkrieg – dennoch gab es Hoffnung: Hoffnung, dass die Kämpfe eines Tages zu Ende sein würden und dass Südsudan ein eigenes Land mit eigenen Führern werden würde, und dass Sicherheit, Stabilität und Entwicklung folgen würden.

Ein Teil dieser Hoffnung wurde Wirklichkeit. 2011 wurde der Südsudan ein eigenständiges Land. Aber Sicherheit, Stabilität und Entwicklung hat das nicht mit sich gebracht. Im Dezember 2013 begannen erneut Kämpfe. Anzeichen für ein baldiges Ende gibt es nicht. Im Gegenteil: Upper Nile und Unity State erfuhren im Mai dieses Jahres die bisher schlimmste Gewalt überhaupt, die zehntausende Menschen zur Flucht zwang. In Unity State wurde die Zivilbevölkerung gezielt angegriffen. Die UN berichteten von Dutzenden getöteter Kinder, mindestens 12 wurden vergewaltigt, andere entführt und zu Soldaten gemacht.

Inmitten all dieses Leidens sind die Menschen

Die UN schätzen, dass mehr als vier Millionen – über ein Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Zwei Millionen Menschen wurden vertrieben: mehr als 500.000 leben als Flüchtlinge in Nachbarländern und ca. 135.000 suchten Zuflucht in Schutzzonen auf UN-Basen im ganzen Land. Der Rest lebt in Dörfern, viele von ihnen von jeder Hilfe abgeschnitten: entweder durch Kämpfe, schlechte oder nicht existente Straßen, jahreszeitbedingte Regenfälle – oder alles zusammen.

 

Südsudan steht auf der Kippe

Es sind diese Menschen, denen CARE hilft. Im nördlichen Unity State unterstützen wir das Gesundheitsamt bei der medizinischen Versorgung für entlegene Gemeinden. Gibt es diese nicht, findet man die nächstmögliche Unterstützung in der UN-Schutzzone in Bentiu. Theoretisch nur 15 Minuten Fahrzeit entfernt, in Wahrheit aber eine dreitägige Wanderung durch Flüsse und Sümpfe und durch zahlreiche Frontlinien. So sollte Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung unter keinen Umständen sein.

Diese Kliniken versorgen auch mit Nahrung. Unterernährung im nördlichen Unity State hat kritische Werte erreicht. Im April verzeichnete CARE Unterernährungsraten von 30, 26 und 23,4 Prozent in den drei Bundesstaaten im nördlichen Unity State – deutlich über den 15 Prozent, die als Grenzwert für unmittelbare humanitäre Hilfseinsätze herangezogen werden.

Heute steht der Südsudan an der Kippe. Die Wirtschaft bricht zusammen, wegen den Kämpfen, der schlechten Regierungsführung und einbrechenden Ölpreisen. Die Kosten explodieren, vor allem für Grundnahrungsmittel wie Mehl. Für normale Südsudanesen, die rund 80 Prozent ihres Einkommens für Essen aufwenden, ist das lebensbedrohlich.

Die finanzielle Unterstützung für den Südsudan geht zurück – weltweit sind schwierige Zeiten angebrochen. Aber die internationale Gemeinschaft kann und darf nicht aufgeben. Selbst wenn die Kämpfe heute aufhören würden – die Auswirkungen von 18 Monate andauernden Kämpfen wären noch Jahre spürbar.

Menschen mit Würde und Widerstandskraft

Die Hilfe muss langfristige Perspektiven mitdenken. Das lokale Gesundheitssystem sollte humanitäre HelferInnen mit lokalen Fachkräften zusammenbringen, um Leben zu retten und jene Kapazitäten zu stärken, die den Bedürfnissen der Menschen im Südsudan am besten entsprechen.

Und: Wir müssen für Frieden sorgen. Eine politische Lösung muss gefunden werden. Während dieser Krise haben die Menschen des Südsudan außergewöhnliche Würde und Widerstandskraft bewiesen. Sie haben weiterhin Hoffnung auf eine bessere Zukunft, und wir dürfen diese Hoffnungen nicht enttäuschen.