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Südsudan: Ein Staat so alt wie ein fünfjähriges Mädchen

Nyawich (5) ist so alt wie ihre Heimat Südsudan, der jüngste Staat der Welt. Foto: CARE

Nyawich wurde im Juli 2011 geboren, nur vier Tage nach dem Unabhängigkeitstag des Südsudan (9. Juli). Heute lebt sie in einer UN-Schutzzone, die der Bevölkerung Zuflucht vor Kämpfen bietet. Sie kam im April 2014 mit ihrer Mutter Nyasigin, ihrem Vater, zwei Geschwistern und der Großmutter. Sie stammen aus der Stadt Bentiu, in der heftig gekämpft wurde. Ihr Haus wurde niedergebrannt. Die Familie floh zunächst in den Ort Guit, aber dann brachen auch dort bewaffnete Konflikte aus.

Nyawichs Mutter ließ die Kleine für vier Monate mit der Großmutter in Guit. Dann schickte sie jemanden, um die beiden zu holen. Die Mutter konnte nur ihren jüngsten Sohn tragen. Nachdem sie auf der UN-Basis in Sicherheit war, hatte sie Angst, wieder alleine hinauszugehen. Überall lauerten Angreifer.

In der Regenzeit von 2014 bekam Nyawich schweren Husten und das führte zu einer Augenentzündung. Bis heute sieht sie auf einem Auge nur schlecht und kann manchmal das Gleichgewicht nicht halten. Beim Laufen oder Spielen fällt die Kleine dann hin. 2014 wurde die UN-Basis komplett überflutet, überall standen die notdürftigen Unterkünfte im Schlamm.

Nyawichs jüngste Bruder ist 9 Monate alt und wurde auf der UN-Basis geboren. Er kennt sein Zuhause nicht. Vor dem Ausbruch der Gewalt hatten die Eltern ein kleines Geschäft in Bentiu, verkauften Zucker, Öl und Kohle. Als die Stadt angegriffen wurde, haben sie alles verloren. Ihr Haus und das Geschäft wurden abgebrannt.

Die Familie konnte auf der Flucht keine Habseligkeiten mitnehmen. Nyawich hat keine Spielsachen mehr. Manchmal nimmt sie Sachen aus dem Müll und spielt damit. Oder sie baut Figuren aus Schlamm. Ihr wertvollster Besitz ist ein Kleid, das sie sonntags in der Kirche trägt. Auf der UN-Basis wurden Kirchen unter Plastikplanen errichtet.

Nyawich zeigt uns ihr Sonntagskleid, das sie zur Kirche anzieht. Es gibt auf der UN-Basis einige Kirchen, die aus Plastikplanen errichtet wurden. Trotz der unfassbar harten Lebensumstände versuchen die Menschen hier, ihre Lebensgewohnheiten beizubehalten.

„Das Schwierigste ist, dass wir kein Geld verdienen können und keine Arbeit haben“, sagt Nyawichs Mutter. Derzeit leben 95.000 Menschen in der UN-Basis bei Bentiu. Fast 40 Prozent von ihnen sind Kinder, die jünger sind als fünf Jahre.

CARE und weitere Hilfsorganisationen und UN-Organisationen arbeiten in der Schutzzone, damit die Menschen Wasser, Nahrung und Toiletten zur Verfügung haben. Es gibt auch Schulen und eine Krankenstation. Das reicht zum Überleben. Zu mehr aber nicht.