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Sei ein Mann! Wie lässt sich Machismo überwinden?

Wie ist es, als junger Mann am Balkan aufzuwachsen? Welche Vorbilder gibt es? Welche Vorurteile und Rollenklischees müssen erst überwunden werden?

Der wirtschaftliche Aufschwung in der Region ist langsam. Die sozio-ökonomische Lage ist schwierig, denn Arbeitslosigkeit ist weit verbreitet. Vor allem junge Menschen haben mit einer hohen Arbeitslosenrate zu kämpfen.

Bei der Suche nach der eigenen Identität erleben die Heranwachsenden wiedererstarkenden Nationalismus entlang von ethnischen und politischen Grenzen. Russland, die Türkei oder Saudi-Arabien verfolgen eigene Interessen in den zersplitterten Staaten und nehmen von außen Einfluss.

Dazu kommt das schwierige Nachkriegserbe. Die Männer, die in den 90er Jahren als Soldaten im Einsatz waren, sind heute Familienväter und tragen ihre Erlebnisse in die Gesellschaften hinein.

CARE-Helfer John Crownover arbeitet seit bald zwanzig Jahren am Balkan. Er hat die „Young Men Initiative“ mitentwickelt, die jungen Menschen neue Perspektiven und einen Ausweg aus dem Machismo bietet.

Zwischen Osten und Westen

„Die Balkanregion war immer schon eine Schnittstelle zwischen dem Osten und dem Westen: In Bosnien und Herzegowina beispielsweise, wo die einzelnen Entitäten eine starke Autonomie besitzen, steht die Republika Srpska unter starkem russischen, während die Föderation unter türkischem Einfluss steht“, sagt Crownover.

Den politischen Einfluss der Europäischen Union in der Region sah Crownover über die letzten Jahre schwinden, nicht zuletzt durch das Versagen, sich in der Außenpolitik auf eine konsistente europäische Linie zu einigen. „Die Menschen in dieser Region haben durchaus Interesse, sich in Richtung europäischer Integration zu bewegen. Die ethnisch basierte Politik steht dem jedoch oftmals im Wege“, sagt Crownover.

Kriegstrauma und Depression

Die Kriegserfahrungen der 90er Jahre sind noch spürbar: „Wenn wir uns die heutige Generation der Eltern, speziell die Väter, ansehen, waren die meisten von ihnen vermutlich Soldaten, die das Kriegstrauma noch nicht aufgearbeitet haben. Wir sprechen hier von Posttraumatischen Belastungsstörungen, erhöhtem Alkoholismus, Depressionen usw. Dazu kommen noch Arbeitslosenraten von 20 bis 40 Prozent“, erklärt Crownover.

Es sind sichtbare wie unsichtbare Probleme, die viele Familien ihren jüngeren Generationen vererben. Nicht zuletzt in Rollenbildern und im Umgang zwischen den Geschlechtern zeigen sich mit Gewalt verbundene soziale Normen.

Was ändert die „Young Men Initiative“?

In der Arbeit an Schulen und Freizeitzentren werden mit den jungen Männern und Frauen soziale Normen herausgefordert und hinterfragt.

„Mit verschiedenen Techniken versuchen wir all diese Problematiken anzusprechen. Das Fördern kritischen Denkens ist dabei besonders wichtig. Die Schulsysteme am Balkan basieren meist auf alten Modellen, die auf das Auswendiglernen abzielen“, sagt Crownover.

„Das Fördern analytischer Fähigkeiten und des kritischen Denkens bleibt oftmals auf der Strecke. Dazu gehört das Erlernen der Fähigkeit sich in die verschiedenen Rollen, wie etwa von Täter und Opfer, versetzen zu können.“

Mit Workshops und Theatergruppen trägt CARE wirksam dazu bei, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen. Im Dokumentarfilm „Post War Machismo: Be a Man“ sprechen Jugendliche über ihre Erfahrungen mit dem Projekt.

Der Film hat 2016 den „Ron Kovic Peace Prize“ beim Filmfestival „MY HERO“ gewonnen. Ansehen lohnt sich! (Dauer: 8min34)

Die „Young Men Initiative“ ist ein Erfolgsidee von CARE, die den oftmals schwierigen Schritt von einer zivilgesellschaftlichen Initiative in die politische Arena bereits geschafft hat. Mit dem Programm hat CARE auf Basis langjähriger Erfahrung einen Lehrplan erstellt, der von den Bildungsministerien in Bosnien–Herzegowina, Kosovo und Serbien genehmigt wurde.

Die „Young Men Initiative“ hat damit in den Weg in staatliche Bildungseinrichtungen gefunden. Wir von CARE wünschen uns, dass das Programm weiter Schule macht!

Mehr zum Projekt, das von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und CARE finanziert wurde, finden Sie hier.