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Rami, Flüchtling aus Syrien: „Ich will nur Sicherheit“

Von Ninja Taprogge, Referentin für Kommunikation CARE Deutschland

„Meine Familie möchte, dass ich eine Zukunft weit weg vom kriegsgebeutelten Syrien habe.“

„Mein Name ist Rami. In vier Monaten werde ich 18 Jahre alt. Vor 18 Tagen habe ich meinen Vater, meine Mutter, und meine Geschwister verlassen, um mich auf den Weg in ein anderes Leben zu machen. Sie haben meinen Rucksack gepackt und mich mit ihren gesamten Ersparnissen, umgerechnet fast 2.700 Euro, nach Europa losgeschickt.

Mein Vater arbeitet bei einer Bank, meine Mutter ist Schuldirektorin und mein Bruder ist in einem Hotel angestellt. Jahrelang hat meine Familie einen Teil ihres monatlichen Lohns für meine Reise zurückgelegt. Sie wünschen sich, dass ich eine Zukunft fern vom Bürgerkrieg in Syrien habe, der mittlerweile mehr als elf Millionen Menschen zur Flucht gezwungen hat.

Auf einer gefährlichen Reise

Noch vor ein paar Wochen ging ich zur Schule. Die meisten Stühle im Klassenzimmer waren schon lange nicht mehr besetzt. Viele meiner Schulfreunde sind von einem Tag auf den anderen einfach nicht mehr gekommen. Manche haben Syrien verlassen, andere sind innerhalb Syriens auf der Flucht.

Vor drei Wochen wurde auch mein Stuhl frei. Mit dem Auto bin ich zur syrisch-libanesischen Grenze gefahren. Es war sehr gefährlich und teuer, die Grenze zu überqueren. Über Beirut bin ich weiter in die Türkei gereist.

Ich konnte zum ersten Mal wieder aufatmen und hatte das Gefühl, dass ich es schaffen könnte. Dass mein Traum, eines Tages in Deutschland zu leben, wirklich wahr werden könnte. Freunde, die bereits nach Deutschland geflohen sind, erzählten mir, wie gut und sicher das Leben dort ist. Sie sind dankbar, dass die Deutschen gastfreundlich und hilfsbereit sind.

"Wir haben Schreckliches erlebt"

Von der Türkei aus bin ich mit dem Boot nach Kos, eine der griechischen Inseln, gefahren. Das Boot war zwei Meter lang und eigentlich nur für fünf Leute gedacht, aber wir waren mehr als 20 Menschen. Die meisten kamen aus Syrien, aber auch Iraker und Afghanen waren mit uns an Bord.

Die Fahrt dauerte mehr als zwei Stunden. Eine Frau und ein kleines Baby waren auch an Bord. Das Baby schrie während der Fahrt unaufhörlich. Das Meer war sehr unruhig und viele hatten schreckliche Angst. Ich nicht. Mein Geld, meinen Pass und mein Handy hatte ich sicherheitshalber in Plastik eingewickelt.

Doch wir hatten Glück und kamen trocken und sicher auf Kos an. Dort blieben wir vier Tage. Es waren viele Hilfsorganisationen vor Ort, die neu ankommenden Flüchtlingen Hilfe leisteten. Ich half ihnen dabei Wasser, Saft, Milch und Essen an meine Landsleute und andere Flüchtlinge auszuteilen.

An einem Tag saßen wir auf einem Hügel direkt an der Küste und beobachteten, wie ein Boot mit viel zu vielen Menschen an Bord zu kentern drohte. Wir riefen die griechische Küstenwache, die herbeieilte und alle Menschen retten konnte. Diese Bilder werde ich nie vergessen.

"Wir zitterten um unser Leben"

Bilder aus Mazedonien haben sich auch in meinem Kopf eingebrannt. Wir haben Schreckliches erlebt. Wir nahmen einen Zug zur serbischen Grenze und mussten stundenlang bewegungslos ausharren. Wir zitterten um unser Leben. Wie Tiere waren wir zusammengepfercht.

Als wir die Grenze schlussendlich erreichten, warteten da schon an die 2.000 Menschen, die nach Serbien wollten. Wir schlossen uns ihnen an und konnten glücklicherweise sofort die Grenze passieren. Aber nur wenige Minuten später erfasste einige die Panik und alle begannen zu rennen. Alle hatten Angst, dass sie zurückgelassen werden könnten.

"Ich wünsche mir nichts mehr, als in Sicherheit zu leben"

In Subotica, im Norden von Serbien, bin ich erst heute angekommen. Ich weiß noch nicht wann und wie es weiter geht. Ich wünsche mir nichts mehr, als endlich in Deutschland in Sicherheit zu leben. Wenn ich das geschafft habe, will ich meine Familie zu mir holen. Doch jetzt muss ich mich erst mal darauf konzentrieren, Ungarn zu erreichen. Dabei bin ich auf Hilfe angewiesen und über Unterstützung von Hilfsorganisationen wie CARE sehr dankbar.

Mein Handy ist das Kostbarste, das ich noch besitze. Ich darf es auf keinen Fall verlieren. Sonst könnte ich nicht mit meiner Mutter Kontakt halten. Ich muss ihr jeden Tag eine Textnachricht schicken, wo ich bin und wie es mir geht.
Fast jeden Tag wache ich in einer anderen Stadt auf. Ich schlafe am Straßenrand, unter Bäumen, auf Feldern und bin oft sehr erschöpft. Über vier Jahre Krieg in Syrien haben viele unsichtbare Wunden hinterlassen.

"Ich möchte Menschen helfen"

Auf meiner Flucht habe ich Situationen erlebt, die ich nie vergessen werde. Viele Menschen werden sich fragen, warum ich diese gefährliche Reise auf mich nehme. Doch für mich wäre es viel gefährlicher in Syrien zu bleiben. Für mich ist die Flucht der einzige Weg, nicht zum Militär gehen zu müssen. Denn seit in Syrien Krieg herrscht, ist niemand mehr sicher. Ich will Menschen nicht erschießen und Großeltern, Müttern und Vätern noch mehr Leid bereiten. Ich möchte Menschen helfen und das kann ich am besten, wenn ich selbst am Leben bleibe.

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