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Nordirak: „Ohne Blumen können wir nicht leben“

Bericht aus dem Nordirak von Katharina Katzer, Kommunikation CARE Österreich

Geschäftiges Treiben, als wir in Chamisku ankommen. Autos fahren kreuz und quer, dazwischen überall Kinder. Jungs, die Fussball spielen. Kleine Geschäfte, Cafes, am Boden ausgebreitete kunterbunte Waren: Spielzeug, Kleidung, allerlei Nützliches für den Haushalt. Im Hintergrund eine beeindruckende Bergkulisse, rundherum satte, grüne Wiesen.

[caption id="attachment_15129" align="alignnone" width="502"] Hand in Hand: Eine Gruppe von Kindern im Chamisku Camp für Vertriebene im Nordirak. (Foto: Emily Kinskey)[/caption]

Aber er ist kein bezauberndes Städtchen, in dem wir angekommen sind, sondern das größte Camp für intern vetriebene Menschen (Internally Displaced People, kurz: IDPs), in dem CARE im Nordirak arbeitet. Unzählige Zeltunterkünfte stehen hier. Familien, die seit beinahe drei Jahren in diesen Zelten leben. Hier in Chamisku leben mehr als 26.700 Menschen, die meisten davon sind Jesiden. Sie wurden im Jahr 2014 brutal vertrieben und ermordet. Manche konnten damals über das Sinjar Gebirge flüchten.

Das Leben in Chamisku unterscheidet sich durchaus von dem in anderen Camps: Die Menschen hier, vor allem die Männer, gehen großteils einer Arbeit nach. „Kürzlich wurden 100 unserer Bewohner von einer Firma in Zakho angeheuert“, erzählt der Camp-Manager von Chamisku nicht ohne Stolz. Dennoch gibt es auch viele Familien, in denen der Vater und Ehemann fehlt: Diese sind öfters von extremer Armut betroffen und benötigen mehr Unterstützung, um überleben zu können und ihre Familien zu ernähren. Nur sehr wenige Frauen betreiben hier ein eigenes kleines Geschäft.

26.736 Menschen: Das sind exakt 4.865 Familien und ebenso viele Zelte

Das Zelt von Amina fällt sofort ins Auge: Es ist umgeben von herrlich gelb blühenden Blumen und duftender Minze. Im „Innenhof“ zwischen ihren Zelten ist alles sauber und hübsch hergerichtet. Die Mutter von neun Kindern im Alter zwischen 17 und 30 Jahren musste 2014 mit ihrer Familie aus der Sinjar Region flüchten, um dem sicheren Tod zu entgehen.

[caption id="attachment_15128" align="alignnone" width="496"] Fatima, 45, in ihrem Zelt im  Chamishku Vertriebenen-Camp im Nordirak. Sie floh vor dem Genozid an den Jesiden in der Sinjar-Region. Ohne ihre geliebten Blumen könnte sie nicht überleben, sagt sie.” (Foto: Emily Kinskey)[/caption]

Unser Haus steht immer noch dort, es wurde jedoch vollkommen geplündert“, berichtet sie. Immer wieder kehrt die Familie für einen kurzen Besuch in die alte Heimat zurück. Ein längerer Aufenhalt ist nicht möglich, zu unsicher ist die Situation für die Jesiden nach wie vor. „Das Leben im Camp ist gut“, erzählt uns die 45jährige. „Mein Mann verdient ein Einkommen als Lehrer, er unterrichtet Kinder hier im Camp“. Einige ihrer Kinder studieren sogar oder gehen noch zur Schule. 

Zuhause in ihrer Heimat hatten sie Land, einen blühenden Garten und ein großes Haus. „Ohne Blumen könnten wir nicht leben“, bekennt sie. Ihre Hoffnung, wie auch die vieler anderer Bewohner des Camps, ist die, eines Tages nicht mehr hier leben zu müssen. Fürs erste – und vielleicht auch für länger – wird es jedoch keine Alternative für die Familie geben, soviel ist Amina klar. Dennoch: „Wir wollen einfach nur nachhause zurück gehen“, sagt sie.

CARE im Chamisku-Camp / Nordirak:

CARE arbeitet seit 2015 hier und ist mit der lokalen Partnerorganisation Harikar für Wasser, Sanitär und Hygiene zuständig. Dazu gehört u.a. der Zugang zu Wasser, die Müllentsorgung und Bewusstseinbildung über die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen.

[caption id="attachment_15130" align="alignnone" width="485"] Auch das gehört zu den Aufgaben von CARE im Camp: Die Reparatur kaputter Wasserleitungen (Foto: Emily Kinskey)[/caption]