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„Nicht anfassen!“ Der Kampf gegen Ebola in Sierra Leone

Von Barbara Jackson, CARE-Direktorin für humanitäre Hilfe

Ich bin mit lokalen CARE-KollegInnen aus Sierra Leone und KollegInnen von unserem Regionalbüro Westafrika unterwegs. Wir treffen MitarbeiterInnen von Partnern, die zusammen mit CARE die nun seit sieben Monaten in Westafrika wütende, häufig tödlich verlaufende Krankheit, bekämpfen. „Nicht anfassen!“ – wies uns der Sicherheitsbeauftragte des CARE Regionalbüros an, genauso wie das Militär von Sierra Leone, der Leiter des DERC (bola Response Center), das traditionelle Dorfoberhaupt und all unsere MitarbeiterInnen. Es ist eine, einfache, aber wichtige Anweisung. Wir müssen sie alle befolgen, damit es bald keine Ebola-Fälle in der Region mehr gibt.

Es gibt Hoffnung

Meine KollegInnen erzählen mir, dass einige Behandlungszentren für Ebola-Erkrankte schließen, da weniger Menschen behandelt werden müssen. Es gibt Hoffnung, dass die Krankheit, die das ganze Land betroffen hat, endlich besiegt werden kann.

In Mekene, wo besonders viele Menschen an dem Virus erkrankt sind, sind die Märkte jedoch weiterhin menschenleer. Ich sehe vereinzelt einige Busse auf den Straßen, aber nur wenige Menschen. Ich kann deutlich sehen, dass die Ebola-Krise definitiv noch nicht vorbei ist. Während meiner kurzen Zeit in Sierra Leone ist die Zahl der Ebola-Fälle sogar wieder gestiegen. Manche Menschen haben immer noch Angst davor Verdachtsfälle zu melden, erzählen mir die lokalen Mitarbeiter. Sie fürchten, dass sie ihre geliebten Angehörigen nicht wiedersehen werden.

Der Versuchung widerstehen

Ich muss ganz bewusst daran denken, meine Arme unten, eng an meinem Körper zu lassen. Ich muss der Versuchung widerstehen, meine Hand zur Begrüßung auszustrecken und KollegInnen, die ich seit vielen Jahren kenne, nicht zu umarmen. Einen unserer Mitarbeiter, der mir erzählt, dass er acht seiner FreundInnen und Verwandte an Ebola verloren hat, kann ich nicht aus Mitgefühl in den Arm nehmen. Wir dürfen einander „nicht anfassen“. Wir müssen weitere Krankheitsfälle vermeiden. Es ist besonders wichtig, dass an Ebola gestorbene Menschen angemessene und würdevoll beerdigt werden und Erkrankte schnellen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Wir dürfen nicht unser wichtigstes Ziel aus den Augen verlieren: Niemand soll mehr an Ebola erkranken. Um dies erfolgreich zu erreichen, müssen wir gesundbleiben und sicherstellen, dass unsere Programme fortgeführt werden können.

Jeder hier erzählt mir von seiner Wertschätzung für CARE. CARE konzentriert sich nicht auf die Behandlung von Ebola-PatientInnen, sondern auf die logistische Unterstützung der Behandlungszentren. Wir schulen MitarbeiterInnen in Themen wie angemessene Beerdigungen und kulturelle Sensibilität. Wir bilden lokale Freiwillige aus und binden lokale AnführerInnen ein, die von der Bevölkerung sehr geachtet werden. Ihre Führung war und wird entscheidend für das Ende der Ebola-Epidemie sein. Ein Vertreter der Geber erzählte mir: „Wir hätten früher auf sie hören sollen. Wir hätten auf die Bedürfnisse der Gemeinden eingehen sollen, anstatt nur Anweisungen von oben zu erteilen und sie ihnen aufzudrängen.“ Wir werden vielleicht keine Schlagzeilen mit unserem Ansatz machen, wir haben keine Kliniken und keine bescheidenen und heldenhaften Ärzte in weißen Kitteln vorzuweisen. Aber wir sind das Rückgrat des Systems, das sicherstellt, dass der Kampf gegen Ebola weitergeht, er von den Gemeinden akzeptiert wird, und dass ihre Stimmen gehört und respektiert werden.

Langfristige Hilfe für Sierra Leone

Das ist es, was die humanitäre Hilfe von CARE ausmacht: Wir bauen auf unsere tiefe Verwurzelung in den Gemeinden und auf ihr Vertrauen. Wir überprüfen, wie wir das Problem am besten nachhaltig bekämpfen können. Hier in Sierra Leone wissen wir, dass insbesondere die Frauen von der Epidemie betroffen sind. Sie sind diejenigen, die sich um die Kranken innerhalb der Familien kümmern und sie versorgen. Unsere Arbeit zur Bekämpfung von Ebola muss auf Jahre, nicht auf Monate, ausgelegt sein. Sie sollte auf lokalem Wissen und Vertrauen aufbauen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass Geber und Regierungen Gelder nicht nur für unmittelbare Nothilfe bereitstellen. Die Bekämpfung von Ebola muss langfristig sein und sollte mit den lokalen Praktiken und Traditionen der Bevölkerung verbunden werden und dabei die Menschen vor Ort mit dem nötigen Wissen aufklären.

Wenn ich Sierra Leone nach meinem kurzen Besuch wieder verlasse, kann ich das Engagement und die Anstrengungen der MitarbeiterInnen hier gar nicht genug würdigen. Dabei sind so viele von ihnen persönlich von der Krise betroffen. Trotz allem lächelten mich alle Kollegen an und hießen mich herzlich willkommen. Wir sollten diejenigen sein, die Anerkennung gegenüber ihrer Arbeit zeigen. Wir sollten auch in Zukunft unsere Anstrengungen innerhalb und außerhalb von CARE verstärken, um mehr Unterstützung für den Kampf gegen Ebola zu erhalten. Nicht nur für die aktuelle Situation, sondern auch für die kommenden Monate und Jahre, um sicherzustellen, dass die Menschen sich von der schweren Krise wieder erholen können.

„Nicht anfassen“ – natürlich folge ich der Anweisung. Aber ich wünschte, dass ich meine Arme um das ganze Team in Sierra Leone schließen könnte, um zu sagen: Danke! Bleibt gesund. Ihr seid in unseren Herzen und in unseren Gedanken. Ihr seid es, die der Welt zeigen, dass wir diese Epidemie besiegen können.

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