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Nepal: Wie junge Männer lernen, ein Leben ohne Gewalt zu führen

Aus Bibeks früher Kindheit ist ihm diese Erinnerung geblieben: Sein Vater kommt betrunken nach Hause und schlägt seine Mutter. Bibek zittert vor Angst und hört seine Mutter weinen und um Hilfe schreien. „Aber niemand ist gekommen und hat geholfen“, sagt er.

Über die Jahre erlebt er die Gewalt zu Hause so häufig, dass sie für ihn alltäglich wird. Nur einmal fragt er seinen Vater, warum er seine Mutter so schlecht behandelt. Er sagt zu ihm: „So wirst du ein „Marda“ (richtiger Mann).“

Bibek (jetzt 15) wächst heran im Glauben, dass es normal ist, Frauen zu schlagen. Auch seine Freunde in der Schule kennen es nicht anders. Die Buben tun sich zusammen und belästigen Mitschülerinnen. Sie erzählen derbe Witze, beschmieren Wände mit sexuellen Anspielungen und schüchtern Mädchen durch ungewollte Annäherungen ein. „Das war ein Spaß für uns“, sagt er.

Erst ein Training von CARE Nepal bringt Bibek zum Umdenken. Das Programm unterstützt Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren dabei, soziale Normen zu hinterfragen und aus traditionellen Rollen auszubrechen.

Bibeks Klasse wird gefragt, warum Gewalt so weit verbreitet ist. Bibek antwortet damals: „Weil Frauen ungeschickt sind, weil sie keine Entscheidungen treffen, weil sie ihre Pflichten im Haushalt vernachlässigen und weil sie das Essen oft anbrennen lassen. Deshalb muss ein echter Mann sie mit Gewalt diziplinieren.“

Heute denkt er mit Entsetzen an seine frühere Überzeugung zurück. Denn im CARE-Training hat er begriffen, dass Frauen und Mädchen genauso Rechte haben und auch Träume und Ziele. „Mir ist klar geworden, dass ich als Bub so viel Macht und so viele Möglichkeiten habe, die sie nicht haben. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich mich früher in meiner Familie und in meiner Klasse verhalten habe. Ich habe mich schlecht gefühlt und beschlossen, mich zu ändern“, sagt Bibek.

Heute setzt sich Bibek (links im Bild) für die Rechte von Frauen und Mädchen ein. Auch seine Mutter unterstützt er. Bibek spricht mit ihr über ihr Recht auf ein Leben ohne Gewalt und übernimmt nun auch Arbeiten zu Hause. „Ich rede viel mit meinen Eltern darüber, wie man sich richtig verhält“, sagt Bibek.

Seit dem CARE-Training hat sich der Umgang in der Familie deutlich verbessert. Mutter und Sohn stehen sich wieder nahe. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber wenn sich Buben mehr um die Anliegen von Frauen und Mädchen kümmern, können wir eine gerechte Welt schaffen“, sagt Bibek.