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Aufschwung für die Ärmsten: 99 Blumen für den Kosovo

Von Katharina Katzer, Pressesprecherin CARE Österreich, aus dem Kosovo

Blend Rexha ist erst 22 Jahre alt. Dennoch ist er absolut sicher, was er aus seinem Leben machen will. „Wenn ich etwas säe und sehe, wie es wächst und gedeiht, das ist das Schönste für mich„, schwärmt er. Er ist sichtlich schüchtern und blüht auf, wenn es um seine Landwirtschaft geht. Als erster in seiner Familie hat er vor drei Jahren begonnen, Gemüse anzubauen. Seitdem ist er ständig auf der Suche nach ertragreichen und nachhaltigen Möglichkeiten, sein Land zu bewirtschaften.

CARE und die ADA haben nun genau das ermöglicht: Durch die Unterstützung des RESI-Projekts für ländliche Entwicklung konnte Blend Ende 2018 ein großes Gewächshaus errrichten. Hier kann er nun dreimal jährlich ernten. Das Gemüse verkauft er direkt an eine Restaurantkette. Das ist bitter notwendig, denn: Die Möglichkeiten, im ländlichen Kosovo eine Arbeit zu bekommen, sind minimal. Die Arbeitslosigkeit besonders in der jungen Bevölkerung ist mit 60 Prozent enorm hoch.

 

Kosovo - RESI Projekt Foto: CARE

Ähnlich erging es Havushe Bunjaku (oben). Die studierte Biologin ist sich sicher: „Wenn ich hier auf einen Job gewartet hätte, würde ich noch immer warten.“ So wie viele andere AkademikerInnen in der Region. Die dreifache Mutter hat deshalb entschieden, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Gemeinsam mit Weggefährtinnen begann sie vor zehn Jahren, Kräuter und Pflanzen im Wald zu sammeln und zu verkaufen. „Am Anfang wusste ich nicht, ob die Menschen aus Mitleid bei mir kaufen oder weil sie meine Produkte mochten„, lacht sie. Schnell erkannte sie eine Marktlücke. Denn Kräuter und Pflanzen – u.a. für Tees, ätherische Öle –  mussten meist in geringer Qualität importiert werden. Das hat sich mit „Lule 99“ – so der Name der Kooperative, übersetzt „99 Blumen“ – geändert. „Es ist allerdings eine Herausforderung, das Vertrauen in lokale Produkte aufzubauen„, berichtet die 47jährige Kosovarin.

Obwohl ihr Ehemann anfangs alles andere als begeistert war, dass Havushe Zeit und Energie in ihr damaliges Hobby investierte, „ist er heute mein großer Unterstützer und übernimmt die Transporte„. Für die Familie – auch die Töchter helfen mit – ist es das einzige Einkommen. Die Kooperative mit rund 25 Frauen, gefördert vom RESI-Projekt, beliefert mittlerweile Apotheken und Supermärkte mit selbst hergestellten medizinischen Tees, mit Samen und Essig, und verkauft auf lokalen Märkten. Marketing, ein eigenes Logo und entsprechende Verpackungen sind neben der Bio-Zertifizierung selbstverständlich.

Kosovo - RESI Projekt Foto: CARE
Kosovo - RESI Projekt Foto: CARE

Auch Fahrije Dragusha (oben) ist eine Unternehmerin, die klein begonnen hat. Sehr klein. In einem baufälligen Haus – mehr stand ihr nicht zur Verfügung – hat sie begonnen, traditionelle Gerichte und Speisen wie Baklava herzustellen und zu verkaufen. Durch die schlechte und ärmliche Ausstattung konnte sie allerdings ihr Einkommen nicht signifikant erhöhen. „Es war mehr eine Art Experiment„, berichtet sie. Heute stehen wir in einer modern ausgestatteten Küche, die Fahrjie uns stolz präsentiert. Das RESI-Projekt – sie hat sich um einen Investitionszuschuss beworben – hat es ihr ermöglicht, die Räumlichkeit im nötigen Hygiene-Standard und mit modernen Geräten einzurichten. Eine Investition, die sich bezahlt macht: Die Bestellungen haben seither deutlich zugenommen. Mittlerweile hat sie sogar MitarbeiterInnen. Der Ehemann und die vier Kindern unterstützen sie tatkräftig.

Fahrije als Frau im Kosovo hat den schweren Schritt geschafft, aus einem Hobby ein Unternehmen zu machen.

rpt

Seit mehr als 140 Jahren ist Familie Ivanovic im Besitz einer alten Steinmühle. Sie wurde einst gebaut, um es den Menschen in der Umgebung zu ermöglichen, ihr Korn zu mahlen. Die Mühle war zwar noch in Betrieb, allerdings benötigte sie dringend eine Sanierung. Gesagt, getan. Mithilfe des RESI-Projekts ist die Mühle heute wieder voll ausgelastet – die Kapazität beläuft sich auf 8,000 Kilogramm pro Jahr. Als nächster Schritt entstand neben der Mühle ein Verkaufsraum: Hier werden demnächst Getreide und andere landwirtschaftliche Produkte verkauft.

Über das RESI-Projekt: Die oben beschriebenen Landwirte und UnternehmerInnen im landwirtschaftlichen Bereich konnten sich beim Projekt um einen Finanzierungszuschuss bewerben. Einen Teil der Investitionskosten – rund 20 Prozent – müssen sie selbst aufstellen. Ziel der „Rural Economic Sustainability Initiative“ (RESI) ist eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit von lokalen landwirtschaftlichen und produzierenden Betrieben, um zu ländlicher Entwicklung und der Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommensmöglichkeiten beizutragen.

  • Weitere Informationen zum Kosovo hier.

Alle Fotos: Katharina Katzer/CARE