• Home
  • News
  • Jordanien: Sie verliert alles, außer die Hoffnung

Jordanien: Sie verliert alles, außer die Hoffnung

„Wir haben alles verloren. Wir mussten sogar um Essen betteln“, antwortet die Shereen Mohammed (43) auf die Frage, wie schwer sie und ihre Familie die Corona-Pandemie in Jordanien getroffen hat. Vor der Pandemie war sie Köchin in einem Restaurant, dann verlor sie ihren Job und ihren Mann – er zog in den Irak. Von nun an, war sie allein mit ihren drei Kindern. „Es war sehr hart“, sagt Shereen. Aus der Not heraus, fing sie an zu Hause ihr berühmtes Hühnchen und Reisgericht zu kochen und eigenständig zu verkaufen.

Dann zerstörte ein Feuer ihr gesamtes Haus. Doch anstatt aufzugeben, kochte sie aus ihrem Keller weiter und baute parallel ihr Haus wieder auf. „Ich habe all meine Ausstattung und Geräte verloren. Mein ganzes Geld habe ich für den Wiederaufbau meines Hauses ausgegeben. Ich war allein und niemand hat mir Geräte ausgeliehen“, erzählt Shereen von der schwierigen Zeit. Sie hatte alles verloren, außer ihre Hoffnung. Vor einem Jahr erhielt sie dann einen Zuschuss von CARE. Mit dem Geld konnte sie neue Geräte und Werkzeuge kaufen und nahm an Schulungen zum Aufbau von Kleinunternehmen teil. Sie lernte, wie sie sich selbst und ihre Gerichte vermarkten kann. „Die Schulungen haben mir geholfen meine Ideen zu entwickeln und mein Selbstvertrauen aufzubauen. Ich habe jetzt sogar Visitenkarten und eine Facebookseite für mein Unternehmen“, berichtet Shereen.

Mittlerweile ist ihr ursprünglich kleines Unternehmen größer denn je. Sie kocht nun Großbestellungen für Feiern und Geschäftstreffen. Teilweise bereitet sie für eine Bestellung bis zu 80 kg Reis und 200 Hühnchen vor, und das alles in ihrer kleinen Küche zu Hause. Ihr Geschäft lief gut, doch dann eskalierte die Situation in der Ukraine. Die Bestellungen nahmen deutlich ab. Zudem stiegen die Lebensmittelpreise stark an.

„Sollte die Situation noch länger anhalten, dann kann ich es mir nicht mehr leisten in Jordanien zu leben. Wenn ich keine Bestellungen bekomme, dann werde ich mit meinen Kindern das Land verlassen müssen. Vielleicht ziehe ich dann auch in den Irak“, sagt Shereen. Trotz der schwierigen Lage gibt sie nicht auf und träumt von einer eigenen Großküche. „Vielleicht sogar ein eigenes Restaurant. Momentan ist das aber in weiter Ferne. Ich kämpfe wieder gegen die Armut und habe Angst, dass ich meine Kinder nicht versorgen kann. Aber wenn man nicht stark genug ist, dann verliert man. Ich werde nicht kapitulieren“, so Shereen abschließend. Shereen scheint wieder alles zu verlieren, außer die Hoffnung. 

Das Projekt wird durch die Austrian Development Agency (ADA) gefördert.

Alle Fotos © Nadia Bseiso / CARE