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Jemen – die stille Katastrophe

Von CARE-Helferin Isadora Quay
Small Talk mit jemandem, der im Jemen lebt, ist schwierig. Fragen über die Familie führen das Gespräch oft zu getöteten Verwandten, eine Plauderei über den schlechten Schlaf von letzter Nacht endet bei der Erzählung über nächtliche Bombenangriffe.

So ging es mir letzten Monat in Jordanien, als ich auf eine Freundin und Kollegin traf. Sie heißt Bushra Aldukhainah. Bushra koordiniert die Nothilfe von CARE im Jemen. Es dauerte nur kurz und unsere Unterhaltung drehte sich um das Trauma, das das tägliche Leben in einem Bürgerkriegsland mit sich bringt. Sie erzählte von Bombenangriffen und schlaflosen Nächten. Von Verwandten, die bei Kämpfen getötet wurden. Von 500.000 Kindern, die am Verhungern sind.

Fast alle haben zu wenig zu essen
Jemen ist eines der ärmsten Länder des Mittleren Ostens. Schon früher war das Land von Importen abhängig: 70 Prozent des Treibstoffes, 80 Prozent der Nahrungsmittel und alle Medikamente kamen aus dem Ausland. Aufgrund der Militärblockade ist für ZivilistInnen fast nichts mehr verfügbar. Vor dem Krieg hungerten mehr als 10 Millionen Jemeniten, jetzt haben fast alle zu wenig zu essen.

Diese Zahl sollte schockierend sein. Doch die traurige Realität ist, dass sie leicht zu ignorieren ist. Im Jemen leben 24 Millionen Menschen. 21 Millionen benötigen humanitäre Hilfe. Das sind mehr Menschen, die Hilfe brauchen, als in Syrien und dem Südsudan zusammen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich die Anzahl der Kinder unter fünf Jahren, die vom Hungertod bedroht sind, im Jemen im Jahr 2015 verdreifacht hat.

Gefangen im eigenen Land
Was die Sache noch schlimmer macht: Die Menschen im Jemen sind gefangen. Die Grenzen zu Saudi Arabien sind dicht; um in den Oman zu gelangen, muss eine Wüste durchquert werden. Die Alternative wäre eine waghalsige Reise über das Meer, nach Eritrea oder Somalia.

Ich war kürzlich in Jordanien. Dort konnte ich mich mit HelferInnen unterhalten, die trotz aller Risiken dazu entschlossen sind, den humanitären Hilfseinsatz vor Ort aufrecht zu erhalten. Das Team von Bushra verteilt Wasser und Essen, wenn Hilfslieferungen möglich sind. Es arbeitet daran, die Wasserversorgung wieder herzustellen.

Der Hilfsaufruf der UN für den Jemen ist nicht einmal zur Hälfte finanziert. Es braucht auch die Medien, um diese Krise sichtbarer zu machen, um Unterstützung durch die Öffentlichkeit und politischen Druck für eine Lösung des Konflikts zu generieren.

Es brauchte das Foto eines leblosen Jungen, der an einen Strand in der Türkei geschwemmt worden war, um die Welt in Bezug auf Syrien wachzurütteln. Wir sollten nicht auf eine weitere Tragödie warten.