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Wie Georgiens Bauern um ihre Zukunft kämpfen

Von Katharina Katzer, Media Officer CARE Österreich, aus Georgien

Wir fahren auf einer abenteuerlichen Straße den Berg hinauf. Der Fahrer muss auf der steinigen Straße immer wieder halten, um "Anlauf" zu nehmen. Links von uns der Abgrund. Alles in allem nichts für schwache Nerven. Wir sind auf auf dem Weg zu einer Bauern-Kooperative im Westen Georgiens, nahe der Schwarzmeerküste. Als wir endlich ankommen, steigen wir erleichtert aus.

Die Kooperative, die wir besuchen, hat sich der Fischzucht verschrieben. Mehrere Züchter haben sich zusammengeschlossen und verkaufen die Fische in der Region. Es ist harte Arbeit, aber Otar Giordadze, der Leiter der Kooperative, ist sichtlich stolz über die Fischteiche, die er mit seinen Kollegen angelegt hat. Für die hohe Qualität, die seine Fische auszeichnen, erhält die Kooperative gute Preise am Markt.

Doch halt: Eine Kooperative - was ist das überhaupt?

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Kooperativen, erfahren wir, gab es bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Georgien. Sie erleben in den letzten Jahren eine Art Renaissance. Ihr Prinzip basiert darauf, dass sich Bäuerinnen und Bauern - in der Regel zwischen 5 und 15 - zusammenschließen, um auf dem gemeinsamen Grund und Boden Landwirtschaft zu betreiben: Mit Obst, Gemüse, Honig, Nüssen, Blumen, Fischen oder Tee. Sie machen das gemeinsam, weil sie durch die Zusammenarbeit und gemeinsame Bewirtschaftung die Produktionskosten senken können. Ein weiterer Vorteil ist die - buchstäbliche - Zusammenarbeit.

In Georgien besitzen die Bäuerinnen und Bauern im Durchschnitt 1 Hektar Land. Das ist gerade ausreichend, um für den eigenen Bedarf zu wirtschaften, für den Verkauf geht sich da nichts mehr aus. Um der Landbevölkerung in Georgien einen Ausweg auf der Armut zu ermöglichen, unterstützt CARE gemeinsam mit der ADA und ENPARD die Bäuerinnen und Bauern bei der Entwicklung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion. Mit einem Startbetrag, der den Kooperativen zur Verfügung gestellt wird (und der innnerhalb von vier Jahren zurückgezahlt werden muss), kann ein wirtschaftsorientierter, landwirtschaftlicher Betrieb gestartet werden. Es gibt vorher jedoch Hürden zu nehmen: Die Bäuerinnen und Bauern müssen Business-Pläne abliefern und Trainings in Finanz, Buchhaltung und Marketing absolvieren.

Wir treffen eine junge Farmerin, Nino Kvirkvelia, die Erdbeeren produziert. Sie ist gleichzeitig auch die Leiterin der Kooperative. Das ist allerdings eine Ausnahme, meistens werden diese von Männern geführt. Wir fragen nach: Wieso sie als Frau zum Zug gekommen ist? Sie lächelt schüchtern: "Ich bin von den Mitgliedern gewählt worden", lautet ihre simple - doch nachvollziehbare - Antwort. Die 31jährige hat in Tiflis studiert und im Bankensektor gearbeitet. Als sie Kinder bekam, beschloss sie, eine Kooperative zu gründen, um mehr Zeit für den Nachwuchs zu haben. Für jenen wünscht sie sich vor allem eines: eine fundierte Ausbildung und gute Jobs - jenseits harter körperlicher Arbeit.

 

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Von der EU erwartet sie einen "großen wirtschaftlichen Markt, mehr Unterstützung und Jobchancen". Abnehmer für die Bio-Erdbeeren findet die Kooperative, der insgesamt 28 Hektar Land gehören, genug. Überhaupt produzieren viele Kooperationen hochwertige Bio-Produkte, da diese Nischenprodukte einen besseren Preis erzielen und konstant nachgefragt werden.

"Die Landwirtschaft ist extrem wichtig in Georgien, das versteht auch die Regierung", erzählt uns Nino Zambakhidze, die umtriebige und bestens vernetzte Chefin der Georgischen Bauernvertretung. Sie bezeichnet sich als "Stimme der Bäuerinnen und Bauern" und besitzt selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb. "47% der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, sie erwirtschaftet aber nur 9 % des Bruttoinlandsprodukts. Es gibt noch viel zu wenig Bauern und Bäuerinnen, die wirtschaftlich orientiert arbeiten." Ihre Institution versucht auch, die Landwirtschaft für junge Leute attraktiver zu machen. Es ist ähnlich wie bei uns: Der Beruf des Bauern/der Bäuerin ist kein besonders prestigeträchtiger. "Ihnen zu vermitteln, dass sie mit diesem Beruf Arbeitgeber und nicht Arbeitnehmer sein können, ist ein Teil unserer Strategie."