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Erst hatten wir Angst, doch dann kam die Vorbereitung

Taifun Hagupit fegte vergangenes Wochenende mit einer Geschwindigkeit von rund 200 Stundenkilometern über die Philippinen. CARE-Mitarbeiterin Rona Casil ist vor Ort und teilt ihre ersten Eindrücke.

„Bloß nicht noch ein Taifun, bitte!”, waren meine ersten Gedanken, als ich von einem möglichen Super-Taifun hörte, der erneut auf Tacloban und benachbarte Orte treffen sollte. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie es für meine Familie, die Menschen in Tacloban oder den Rest der Philippinen wäre, wenn sie einen solchen Albtraum, wie Haiyan ihn vor einem Jahr ausgelöst hatte, nochmal erleben müssten.

Allein der Name Hagupit – philippinisch für Peitschenhieb – weckt Angst in uns und drückt Gefahr aus. Dann machten wilde Gerüchte die Runde, Hagupit würde noch viel stärker sein als Haiyan.

Das machte die Sache nicht gerade besser. Schmerzhafte Erinnerungen an Taifun Haiyan wurden geweckt. Meine Mutter war ganz außer sich vor Sorge und nur noch darum bemüht, uns aus Tacloban zu evakuieren, bevor Hagupit die Stadt trifft. Zu meiner großen Erleichterung wurden die Informationen über Hagupit bald korrigiert. Durch verlässlichere Nachrichten erfuhren wir, dass die Stärke von Hagupit nicht vergleichbar zu Haiyan sei und es, zu unserer aller Beruhigung, keine Sturmflut in Tacloban geben würde.

Nachdem der erste Schreck vorbei war, beschlossen wir uns vorzubereiten. Zwei Tage, bevor der Taifun voraussichtlich die Küste erreichen sollte, arbeitete unsere vierköpfige Familie als Team eng zusammen. Meine Mutter packte unsere Habseligkeiten und Kleidung sorgfältig in Plastiktüten. Zwei Tage vor dem Sturm musste ich sie sogar lachend erinnern: „Mama, ich muss noch ins Büro! Was soll ich denn da anziehen?!“ Wir erwarteten, dass der Strom gekappt werden würde, also bereitete mein Bruder ein Notlicht vor, indem er eine Glühbirne bei Seite legte, die er im Notfall an eine Autobatterie anschließen würde.

Mein Neffe, den die Erfahrung mit Taifun Haiyan sehr traumatisiert hat, fragte nach dem Rosenkranz, den er während der Katastrophe im letzten Jahr festgehalten hatte und wünschte sich, diesen auch in der Zeit von Hagupit zu umklammern. Gebete sind für meine Familie sehr wichtig und deshalb war es herzerwärmend für uns zu sehen, wie unser Kleinster ebenfalls anfing, für Schutz vor der möglichen Gefahr zu beten.

Berichte über „Panik-Käufe“ verletzen mich

Und dann gab es noch die praktischen Dinge, an die man denken muss. Letztes Jahr wurde unser Reisvorrat von den Fluten weggeschwemmt. Damals hatten wir unsere Vorräte nur in Plastiktüten gepackt. Dieses Mal füllten wir den Reis in Flaschen, wo er besser geschützt ist. Gerade in Zeiten von möglichen Katastrophen kann unsere Familie – typisch Filipinos – nicht ohne Reis überleben, also haben wir die Versorgung sichergestellt.

Dann haben wir die Essensvorräte aufgestockt. Zwei Tage vor Hagupit, haben wir genügend Vorräte gekauft, genau wie fast alle anderen hier in Tacloban. Die Vorräte an Nudeln und Dosenessen gingen in den Tagen vor dem Taifun schnell zu Ende. In einigen Berichten war von „Panik-Käufen“ die Rede, was mich als Überlebende von Haiyan verletzt hat. Es war keine Panik, die uns dazu gebracht hat, genug zu essen zu kaufen. Es war gesunder Menschenverstand. Wir wollten uns vorbereiten.

Während Taifun Haiyan wurde Essen zu einem Problem, sauberes und sicheres Wasser knapp. Wir wollten diesmal nicht wieder Hunger leiden und füllten auch Wasser ab, sodass im Falle einer Flut unser Trinkwasser sicher wäre.

Wir zurrten unser Dach fest. Wir sicherten unsere wichtigsten Dokumente. Wir stellten sicher, dass wir während des Sturmes im Haus bleiben. Wir machten diesmal sowohl kleine als auch große Anpassungen, um besser vorbereitet zu sein für Hagupit.

„Stolz auf meine Heimatstadt“

Dann kam Hagupit. Wir spürten es von Samstagnacht bis in den frühen Sonntagmorgen. Die Winde waren stark, aber nicht zu vergleichen mit der Heftigkeit von Haiyan. Es gab Regenfälle, aber nicht annähernd so stark wie letztes Jahr. Es gab ein paar kleine Fluten in Tacloban, aber zu unserer großen Erleichterung, gab es, wie von den betroffenen Regierungsbehörden vorhergesagt, keine Sturmflut.

Wie vermutet gab es keinen Strom mehr, aber unser Notlicht funktionierte. Während Hagupit packte ich das traditionelle Essen aus, das ich für meine Familie vorbereitet hatte: Die lokale Spezialität und Lieblingsspeise der Filipinos, das Brot Hopia, und viel Schokolade. Und während das Essen uns beruhigte warteten wir auf das Ende des Taifuns.

Tacloban erschien in der Zeit um Hagupit wie eine Geisterstadt. Auf der Straße waren kaum Leute zu sehen. Die meisten Geschäfte hatten geschlossen. Die Familien blieben lieber zuhause oder in Evakuierungszentren. Tacloban war vorbereitet. Ich bin so glücklich und stolz auf meine Heimatstadt. Eigentlich wollte ich in der ersten Arbeitswoche nach Hagupit Urlaub nehmen, aber ich entschied mich, meine Arbeit anzutreten, um meinen Teil dazu beizutragen, am stärksten betroffenen Gebieten in unserer Nachbarregion Samar zu helfen.

Als Überlebende von Haiyan und Empfängerin der Großzügigkeit vieler Menschen auf den Philippinen und in der ganzen Welt, ist es für mich höchste Zeit, dass ich etwas zurückzahle und dieselbe Zuwendung und Solidarität zurückgebe, die letztes Jahr für uns gezeigt wurde. Tatsächlich hatte ich eine Freundin in Tacloban, deren Familie in Dolores, Ost Samar, lebt, wo Hagupit erstmals auf die Küste getroffen ist. Nach dem Sturm konnte sie keinen Kontakt mit ihrer Familie aufnehmen, da die Mobilverbindung beschädigt war. Ich konnte ihre Ängste sehr gut nachvollziehen, da viele meiner Verwandten und Freunde letztes Jahr das gleiche durchgemacht haben, als durch Taifun Haiyan die Kommunikationswege zerstört wurden. Ich suchte nach hilfreichen Telefonnummern von Behörden, wo sie um Unterstützung bitten konnte. Dank dieser kleinen Hilfe erreichte sie ihre Familie und musste sich keine Sorgen mehr machen. Wir haben viel unter Haiyan gelitten. Aber wir haben auch viel davon gelernt, vor allem den Wert von Vorbereitung und Zusammenarbeit.

CARE arbeitet mit der Regierung und lokalen Partnern zusammen, um Nothilfe-Teams in betroffenen Regionen einzusetzen, Informationen zu sammeln und bereit zu sein, Hilfsgüter wie etwa Nahrung an hilfsbedürftige Gemeinden zu verteilen. CARE und seine Partner haben etwa 150 Mitarbeiter und sind aktiv in Manila, Leyte, Samar, Panay und Bicol.

Bitte unterstützen Sie CAREs Nothilfe für Menschen auf den Philippinen mit Ihrer Online-Spende!

 

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