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CARE hilft syrischen Flüchtlingen in Serbien

CARE-Helferin Ninja Taprogge berichtet aus Serbien:

CARE hat an der serbisch-ungarischen Grenze in den vergangenen Tagen rund 1.000 Menschen versorgt. Die Flüchtlinge sind erschöpft und haben oft tagelange Fußmärsche hinter sich. Sie brauchen dringend Wasser und Lebensmittel. "Es geht um das Überleben der Menschen", sagt CARE-Helferin Taprogge.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk beschreibt sie ihre Eindrücke.

Den Menschen fehlen Wasser und Lebensmittel

Tobias Armbrüster (

<,em>Viele Flüchtlinge, die in diesen Tagen in Deutschland ankommen, die haben eine strapaziöse Reise hinter sich: mit Nachtwanderungen, mit Hitze, Kälte, lebensgefährlichen Passagen durchs Mittelmeer, häufig mit Kleinkindern im Schlepptau. Viele von ihnen sind mit ihren Kräften schon am Ende, lange bevor sie das westliche Europa erreichen.

Eines der Nadelöhre auf der sogenannten Balkan-Route ist nach wie vor die serbisch-ungarische Grenze. Dort auf serbischem Gebiet im Ort Subotica beginnt nun heute die Hilfsorganisation CARE mit der Versorgung von Flüchtlingen. Wir sind am Telefon verbunden mit Ninja Taprogge von CARE, die sich dort ein Bild macht von der Lage. Schönen guten Morgen, Frau Taprogge.

Ninja Taprogge: Guten Morgen.

Armbrüster: Frau Taprogge, wie sieht denn die Situation dort an der serbisch-ungarischen Grenze heute Morgen aus?

Taprogge: Sie haben das kurz schon geschildert. Die Menschen kommen wirklich vollkommen erschöpft hier in Serbien an. Frauen, Kinder und Männer haben teilweise wirklich tagelange Fußmärsche hinter sich. Sie sind total entkräftet und benötigen einfach dringend Hilfe. Den Leuten fehlen vor allem Wasser und Lebensmittel

Die Flüchtlinge haben nur die Kleider, die sie am Leib tragen

Armbrüster: Wie viele Menschen sind das, die dort jeden Tag ankommen?

Taprogge: CARE hat jetzt in den letzten Tagen rund tausend Menschen versorgt. Laut den Vereinten Nationen reisen ungefähr 3.000 Flüchtlinge pro Tag in Serbien an, um von dort aus dann weiter in die EU zu gelangen.

Armbrüster: Und was fehlt diesen Leuten vor allem?

Taprogge: Den Leuten fehlt natürlich als erstes Wasser und Nahrungsmittel. Sie haben einfach nichts mehr zu essen. Sie haben kein Dach über dem Kopf. Sie haben nur die Kleider, die sie am Leib tragen. Das sind sehr viele Syrer, die seit Jahren Bürgerkrieg erlebt haben, und die brauchen einfach das Nötigste.

Die Menschen schlafen auf der Straße

Armbrüster: Und wie helfen Sie denen dann?

Taprogge: Wir helfen mit Nahrungsmitteln und Wasser. Wir verteilen zum Beispiel Kekse, aber auch Hygienepakete an Frauen, oder an Familien mit Kindern verteilen wir Windeln und Hygienetücher. Das ist wirklich das Wichtigste, was die Menschen brauchen. Sie laufen an den Straßen entlang, sie schlafen teilweise auf der Straße und da herrschen natürlich auch unhygienische Bedingungen.

Armbrüster: Unhygienisch, sagen Sie. Was sind denn die gesundheitlichen Herausforderungen hier?

Taprogge: Die gesundheitlichen Herausforderungen sind, dass medizinische Unterstützung noch weitestgehend fehlt. Das ist etwas, was perspektivisch gesehen in den nächsten Wochen auf jeden Fall noch aufgestockt werden kann. Was zum Beispiel auch noch fehlt ist: Die Flüchtlinge wollen innerhalb von 72 Stunden weiterreisen. Sie brauchen wirklich das Dringendste an Versorgung wie zum Beispiel Energie für ihre Telefone, damit sie weiterhin beobachten können, was an den Grenzen passiert.

Armbrüster: Und auch die liefern Sie? Sie haben dort Stromanschlüsse parat?

Taprogge: Das ist noch nicht so. Aber wir sind dabei, Planungen zu machen für die nächsten Wochen, dass wir auch da weiterhin unterstützen können.

Die serbische Bevölkerung zeigt Solidarität

Armbrüster: Das ist ja nun eine sehr diffuse Bewegung, wenn Tausende von Menschen in Serbien jeden Tag durch dieses Land durchströmen auf der Weiterreise. Wie kommen die denn eigentlich mit Ihnen in Kontakt? Sprechen Sie die an auf der Straße, wenn Sie die sehen, oder gibt es da Anlaufstellen, Zelte, die Sie aufgebaut haben, woran sich die Leute wenden können?

Taprogge: Nein. Es ist wirklich so, gerade in Subotica, dass die Flüchtlinge auf der Straße angesprochen werden. Es gibt in Subotica selbst noch keine großen Anlaufstellen. In Kanica - das ist ein paar Kilometer von Subotica entfernt - ist es so, dass es eine erste Aufnahmestelle gibt, die aber vor allem von ehrenamtlichen Helfern betreut wird. Das heißt, man muss auch wirklich sagen, es gibt sehr viele Menschen in der serbischen Bevölkerung, die ihnen Solidarität zeigen und versuchen, die Flüchtlinge zu unterstützen.

Armbrüster: Das heißt, es ist dort ein ähnliches Bild wie hier bei uns in Deutschland, dass man da eine große Welle der Hilfsbereitschaft erkennt?

Große Welle der Hilfsbereitschaft

Taprogge: Genau. Das ist hier auch zu sehen.

Armbrüster: Wie groß ist denn die Unterstützung durch die serbische Regierung?

Taprogge: Die serbische Regierung zeigt erst mal, dass sie positiv eingestellt sind gegenüber Flüchtlingen und sie willkommen heißen. Das heißt, das ist schon mal ein großes Stück Erleichterung für sie. Es ist sehr gut, dass sie so reagieren. Sie sind gerade dabei, mit den Vereinten Nationen einen Plan auszuarbeiten, wie sie die Flüchtlinge in den nächsten Wochen unterstützen können. Wir warten quasi täglich darauf, dass dieser Plan gezeigt wird, damit auch Hilfsorganisationen sich dort anschließen können und die internationale Hilfe besser koordiniert werden kann.

Armbrüster: Das heißt, das läuft zurzeit noch nicht optimal in Serbien?

Taprogge: Was heißt, es läuft nicht optimal? Gut ist, dass erst mal überhaupt Nothilfe geleistet wird. Es geht ums Überleben der Menschen und wir wollen natürlich noch besser werden. Deshalb ist es wichtig, diesen Plan dann auch zu haben, damit sich alle besser koordinieren können.

Frauen und Kinder sind besonders betroffen

Armbrüster: Wenn Ihre Mitarbeiter dort mit den Leuten sprechen, in was für einer Stimmung finden sie die? Sind die euphorisch, langsam sich Richtung Westeuropa zu nähern, oder überwiegen da eher die Strapazen der Reise?

Taprogge: Erst mal überwiegen ehrlicherweise die Strapazen der Reise. Als wir die CARE-Pakete verteilt haben mit dem Wasser und den Nahrungsmitteln, waren sehr viele Frauen und Kinder, die sofort begannen, zu trinken und zu essen. Das ist wirklich das Nötigste, was sie brauchen. Es gibt einige, die verängstigt sind, die auf der Reise sicherlich sehr eindrucksvolle und schlimme Erlebnisse hatten, aber es ist so, dass sie auch darauf warten, beispielsweise Elektrizität für ihre Telefone zu bekommen, um weiterreisen zu können und wissen zu können, wann sie an die Grenze treten können, um in die Europäische Union zu gelangen.

Armbrüster: Wir sehen ja jetzt auf diesen Bildern auch immer viele Kinder, die da mitreisen, durchaus auch sehr viele Kleinkinder. Wie kommen die eigentlich mit dieser Reise zurecht, vor allen Dingen mit den langen Fußmärschen?

Viele Kinder auf der Flucht

Taprogge: Die werden ja dann getragen stückweise. Für die ist es natürlich am schlimmsten. Frauen und Kinder sind immer diejenigen, die am meisten betroffen sind, weil Frauen sich natürlich auch um Ältere und Kleinkinder kümmern müssen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass Hilfsorganisationen wie CARE auch Pakete verteilen, in denen Hilfsgüter auf Kinder und insbesondere Kleinkinder und Babys abgestimmt sind.

Armbrüster: Helfen Sie den Leuten dann auch weiter, wenn es darum geht, die Grenze nach Ungarn zu überschreiten, diese Grenze mit dem Stacheldrahtzaun, den wir immer wieder gesehen haben in den Nachrichtenbildern?

Taprogge: CARE ist eine nichtstaatliche und politisch unparteiische Hilfsorganisation und konzentriert sich vollkommen auf die humanitäre Lage der Menschen. Uns ist es wichtig, dass wir erst mal das Überleben der Menschen sichern und ihnen mit Wasser und mit Nahrungsmitteln helfen.

EU muss umdenken

Armbrüster: Das heißt, nicht so sehr weitere Hilfeleistung bei der Routenplanung?

Taprogge: Bei der Routenplanung nicht. Aber CARE fordert natürlich generell, dass auch was getan wird, was die humanitäre Unterstützung in den Herkunftsländern der Menschen bedeutet. CARE appelliert noch mal an alle europäischen Politiker, auch schnellstmöglich die Gespräche im Syrien-Konflikt wieder aufzunehmen und Möglichkeiten für Asyl zu schaffen.

Bislang haben sich die EU-Mitglieder natürlich vor allem auf die Abwehr von Flüchtlingen und Migranten konzentriert und die Europäische Union macht es eigentlich fast unmöglich für Flüchtlinge, sich hier Asyl zu suchen, und da fordert CARE noch mal ein politisches Umdenken im Umgang mit Flüchtlingen, dass sie besser integriert werden können oder dass Unterstützung geleistet wird, damit sie zurück in ihre Heimat kehren.

Was soll die EU tun?

Armbrüster: Und kurzfristig, was erwarten Sie von der Europäischen Union, dass diese humanitären Bedingungen auf dieser Flüchtlingsroute, dass die verbessert werden?

Taprogge: Dass da noch zusätzliche Gelder investiert werden. CARE konnte bislang 50.000 Euro Soforthilfe bereitstellen, aber das reicht natürlich nicht, um den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu bieten und medizinische Versorgung zu leisten.

Armbrüster: Ninja Taprogge war das von der Hilfsorganisation CARE, die zurzeit Tausenden von Flüchtlingen an der serbisch-ungarischen Grenze hilft. Vielen Dank, Frau Taprogge, für diese Einschätzungen und Informationen heute Morgen.

Taprogge: Danke schön!

 

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CARE-Pakete für erschöpfte und hungrige Flüchtlingskinder in Serbien