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Burundi: Vom Dieb zum Musterschüler

Marius verkauft seine Tomaten, um zur Schule gehen zu können. Foto: CARE

„Als ich eines Abends nach Hause kam, wollte mir meine Mutter die Hand abhacken“, erinnert sich Marius. „Sie war so wütend und angewidert von dem Dieb, der aus mir geworden war.“

Der heute 18-Jährige hatte keine einfache Kindheit: Sein Vater starb als er sechs Jahre alt war, der Großvater diskreditierte seine Mutter und vertrieb die Familie von ihrem Land. Um Marius und seine zwei Schwestern versorgen zu können, suchte sich die Mutter Arbeit und mit ihrem Lohn pachtete sie kleine Felder, die sie bestellte. Ihre große Hoffnung war ihr Sohn.

„Meinetwegen wurden wir arm“
„Ich sollte studieren und die Familie retten. Stattdessen wurde ich zu einem riesen Problem“, erzählt Marius. „Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass ich zur Schule gehen kann. Aber ich habe begonnen zu schwänzen und bin lieber mit anderen Jugendlichen herumgelungert. Wir haben Alkohol getrunken und geraucht. Ich begann zu stehlen.

Nachbarn stellten immer wieder seine Mutter zur Rede und verlangten, dass sie für den Schaden, den ihr Junge angerichtet hatte, geradesteht. „Meinetwegen wurden wir arm“, sagt Marius heute. „Ich habe nicht nur nichts im Haushalt beigetragen, sondern das Wenige, das wir hatten, auch noch gestohlen. Einmal eskalierte die Situation dermaßen, dass ich eine Axt nahm und meine Mutter verfolgte. Damals hätte ich sie fast getötet.“ Der Großvater ging dazwischen.

Ein Nachbar erzählte Marius schließlich vom INTORE-Projekt. Schon früher hatte er versucht, Marius auf den rechten Weg zu bringen, jedoch ohne Erfolg.

„Ich weiß nicht wieso, aber nach und nach haben mich die Trainings verändert“, erzählt Marius. „Ich will in der Schule bleiben und lernen – meine Noten sind gut und in zwei Jahren werde ich meinen Abschluss machen. Ich habe gespart und mir eine Ziege gekauft. Als sie Nachwuchs bekam, konnte ich ein Zicklein verkaufen und das Geld in Tomaten investieren. Die ziehe ich während der Ferien, damit ich das Schulgeld bezahlen kann. Ich unterstütze meine Mutter und meine Schwestern bei der Hausarbeit, wir helfen alle zusammen. Ich habe meine Familie um Verzeihung gebeten.“

Marius ist heute Vorsitzender des INTORE-Jugendclubs an seiner Schule und Vorbild für viele andere Jugendliche. Verzweifelte Eltern oder der Schuldirektor schicken schwierige Fälle zu ihm. Er versucht mit gutem Beispiel voranzugehen, schließlich ist seine Geschichte der beste Beweis dafür, dass Veränderung möglich ist.

„Ein burundisches Sprichwort besagt ‚Wenn der Baum zurückgeschnitten ist, bedeutet das nicht immer das Ende, er kann wieder wachsen und stark werden.‘”, sagt Marius. „Wenn ich zurückblicke, kann ich es manchmal selbst kaum glauben.“

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.