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Balkan-Staaten: Junge Männer gegen Gewalt

"Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass ich eines Tages einer Gruppe junger Leute vorstehen würde, über Themen spreche, bei denen ich sonst stiller Beobachter war, und Theater spiele“ sagt Bekim*, Leiter der Theatergruppe, die Teil des CARE-Projektes Young Men Initiative ist.

Das Ziel des Projekts ist, dass sich Jungen und junge Männer gegen Geschlechterrollen und Gewalt gegen Frauen einsetzen. Bekim selbst kommt aus schwierigen Verhältnissen und lehnte es zuerst ab, überhaupt an dem Projekt teilzunehmen. Nur sehr widerwillig engagierte er sich schließlich in den Workshops.

Aber jetzt ist der junge Mann in der Lage,  offen über sich selbst zu reflektieren und Gleichaltrige für die Aktivitäten zu begeistern, die Geschlechterrollen aufbrechen und Gewalt verhindern sollen.

Schulen und Ministerien helfen dabei, geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen

Geschlechtsspezifische Gewalt ist, wie auch in anderen Regionen, ein Problem in den westlichen Balkan-Staaten. Die Gründe dafür liegen in den diskriminierenden Normen und Werten der Gesellschaft, aber auch darin, dass sich die Region in einer post-Konflikt-Situation befindet. Die Auffassung darüber, was „männlich“ ist, ist oft noch mit militarisierten Ansichten und Einstellungen verbunden.

CARE arbeitet mit der Austrian Development Agency (a>) und Organisationen vor Ort zusammen, um mithilfe von Jungen, und jungen Männern Geschlechterrollen aufzulösen und geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern. Lokale Organisationen in Albanien, Bosnien und Herzegowina, im Kosovo und in Serbien werden in Kooperation mit Schulen und Ministerien tätig, um Jungen und junge Männer direkt als Gewalttäter, oft aber auch als Opfer von Gewalt, anzusprechen.

Das Projekt erreicht über 150.000 Jugendliche sowie auch über 700 LehrerInnen. In Trainings, die mit dem jeweiligen Ministerium durchgeführt werden, lernen die LehrerInnen, wie Gewaltprävention und Sensibilisierung für Gender-Fragen in den Lehrplan aufgenommen werden können.

Geschlechterrollen als Hindernis

Bekim stellt fest: „Ich habe meine Einstellungen, die sehr stereotypisch waren, geändert und viele junge Leute kennengelernt. Davon kann ich in der Zukunft profitieren.“ Teilnehmer des Projekts berichten häufig von solchen nachhaltigen Einstellungsänderungen, aber auch davon, dass es nicht immer einfach war, sich in dem Projekt zu engagieren.

Der Druck von Gleichaltrigen und die Geschlechternormen der Gesellschaft führen dazu, dass selbst das Engagement in einem solchen Projekt zur Stigmatisierung der Teilnehmer führt. Wie im Falle von Bekim ist es aber nicht selten, dass jene, die zuerst gegen das Projekt waren, sich am Ende sehr sinnvoll einbringen.

“Wir wollen Bewusstsein dafür schaffen, wie groß die Gewaltprobleme sind”

Die offenen Workshops, die von den Partnerorganisationen des Projektes durchgeführt werden, erlauben es den Teilnehmern, die Themen zu reflektieren und Schritt für Schritt ihre Ansichten und ihr Verhalten zu überdenken und verändern. Oft berichten sie danach, dass sie nicht nur ihre Denkweise geändert haben, sondern jetzt auch die Relevanz der Themen erkennen und dadurch Freunde dazu bringen, sich auch zu engagieren.

Bekim berichtet: „Wir wollen neue Denkweisen entwickeln und Bewusstsein dafür schaffen, wie groß die Gewaltprobleme sind und was wir tun müssen, um diese Gewalt zu verhindern.“

Viele Teilnehmer berichten, dass das Projekt ihnen nicht nur geholfen hat, sie für das Thema Geschlechterrollen und –normen sowie geschlechtsspezifische Gewalt zu sensibilisieren, sondern sie auch motiviert hat, dieses und weitere Themen in Zukunft offen in der Gesellschaft zu diskutieren. „Am wichtigsten ist mir, dass ich mein eigenes kleines Projekt innerhalb des Projektes gestartet habe“ sagt Bekim und meint damit seine Theatergruppe, die die Idee des Projektes weiterträgt und andere junge Männer motivieren soll, sich ebenfalls gegen geschlechtsspezifische Gewalt und tradierte Geschlechterrollen einzusetzen.

 

* Name zum Schutz der Identität geändert