» Arbeit ohne Gewalt und Belästigung? Gibt es nicht überall! - CARE Österreich – Hilfsorganisation – Spenden helfen – CARE Österreich

Diese Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen.
Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Alle Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

  • Home
  • News
  • Arbeit ohne Gewalt und Belästigung? Gibt es nicht überall!

Arbeit ohne Gewalt und Belästigung? Gibt es nicht überall!

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein: Das Recht auf einen Arbeitsplatz, an dem man nicht in irgendeiner Art und Weise Belästigung oder Gewalt ausgesetzt ist. Doch für viel zu viele Menschen war das unerreichbar – bis jetzt.

Mit der #MeToo-Bewegung und Initiativen wie 16 Tage Aktivismus gegen Gewalt an Frauen hat das Thema Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz auch in den Medien viel Aufmerksamkeit erhalten. Im Mai 2018 erklärte sich die Internationale Arbeitsorganisation ILO schließlich bereit, eine globale Konvention zu erarbeiten, die sich genau diesem Thema widmet. Jetzt geht es darum, sicherzustellen, dass diese Konvention bei der Internationalen Arbeitskonferenz im Jubiläumsjahr #ILO100 auch tatsächlich verabschiedet wird.

Mehr erfahren: ILO-Konvention gegen Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (Texte in englischer Sprache)

Alles, was man über die ILO-Konvention wissen muss

Policy Brief zur ILO-Konvention: Wofür CARE sich einsetzt

CARE-Studie zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Die Vorzeichen für eine Konvention stehen gut, aber noch können wir uns nicht ausruhen. Sexuelle Belästigung oder Gewalt am Arbeitsplatz betrifft Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Sie hat viele Ausprägungen, auch psychischer Missbrauch und Einschüchterung gehören dazu.

Eine Studie des World Policy Analysis Center ergab, dass mehr als ein Drittel aller Länder keine Gesetze gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz hat, also z.B. 235 Millionen Frauen ohne Schutz sind. Und selbst wenn es Gesetze gibt, sind diese oft zahnlos. Eine Globale Konvention zu sexueller Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz ist ein wichtiges Werkzeug zur Prävention von Gewalt und Unterstützung von Opfern.

Während noch viel über die Definitionen von „ArbeiterIn“, „Gewalt“ und „Arbeitswelt“ diskutiert wird, ist CAREs Standpunkt eindeutig: Der Schutz vor Gewalt und Belästigung muss sich über alle Sektoren, Gehaltsstufen und Beschäftigungsformen erstrecken – egal ob Bürokraft, Textilarbeiterin oder schwarz bezahlte Haushaltshilfe.

Die jahrelangen Konsultationen zwischen Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden müssen jetzt in eine Konvention münden. Auch die am 18. und 19. Juni in Brüssel stattfindenden European Development Days nimmt CARE zum Anlass, um für faire und gerechte Arbeitsbedingungen einzutreten.

Dass auch Unternehmen diese Konvention unterstützen, ist enorm wichtig. Abgesehen vom ethischen erkennen sie vor allem auch den wirtschaftlichen Aspekt: Denn Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz kosten Geld. Viel Geld. Im Jahr 2016 beliefen sich die direkten Folgekosten für Gewalt bzw. Belästigung am Arbeitsplatz auf weltweit 1,5 Billionen US-Dollar. Das entspricht immerhin zwei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Natürlich ist es eine Illusion zu glauben, dass Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz sofort nach Verabschieden der Konvention enden. Doch sie ist der nötige Anstoß, damit nationale Gesetze und Regulierungen entsprechend abgeändert werden. Erst wenn die Konvention verabschiedet ist, werden die Länder damit beginnen, ihren Inhalt auf die jeweiligen nationalen Kontexte umzulegen.

Eine erfolgreiche ILO-Konvention würde dazu führen, dass die Regierungen klare Verantwortungen für öffentliche und private Arbeitgeber, ArbeiterInnen und Organisationen definieren. Der erste Schritt in diese Richtung ist, sich in konstruktivem Dialog auf einen Konventionstext zu einigen, sodass die Konvention angenommen und dann ratifiziert werden kann. Am 21. Juni 2019, nach 10 Tagen intensiver Verhandlungen, könnte mit einer globalen Konvention zum Schutz von ArbeiterInnen vor Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz Geschichte geschrieben werden. So sie denn verabschiedet wird.

Alle Fotos: CARE