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Äthiopien: „Ich habe die Beschneidung meiner Tochter verhindert!“

Gubal Jaro mit ihrer Tochter Galmo. Foto: Martha Tadesse/CARE

Gubal Jaro (35) ist in ihrer Gemeinde zum Vorbild geworden. „Ich habe die Beschneidung und Verheiratung meiner 15-jährigen Tochter verhindert“, erzählt sie stolz. „Jetzt versuche ich, die Frauen in meiner Community davon zu überzeugen, das auch zu tun.“ Gemeinsam mit anderen Frauen kämpft Gubal gegen Genitalbeschneidungen und klärt über deren schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen und Mädchen auf. Mit Erfolg: Schon jetzt lehnen immer mehr Familien Genitalbeschneidung für ihre Töchter ab.

Seit zwei Jahren macht Gubal beim CARE-Projekt RESET Plus mit, das sich für mehr Gleichberechtigung und Mitsprache von Frauen im Haushalt und Zugang zu Familienplanung einsetzt. Treffen der örtlichen Kleinspargruppen werden als Plattform genutzt, um mit den Frauen nicht nur über finanzielle Unabhängigkeit, sondern auch sensible Themen wie Familienplanung, Beschneidung oder Hygiene zu sprechen.

Nach und nach hat sich so im gesamten Dorf die Einstellung zu Frauen verändert. Männer haben begonnen, traditionell Frauen vorbehaltene Hausarbeiten wie das Sammeln von Feuerholz oder Holen von Wasser zu übernehmen. Die Meinung von Frauen wird ernst genommen und bei Entscheidungen berücksichtigt. Auch bei der Familienplanung: „Früher glaubten die Leute, dass Frauen drei Jahre nach der Geburt eines Kindes keinen Sex haben durften, weil sonst die Muttermilch verdirbt“, erinnert sich Gubal. „Heute wissen sie, dass es verschiedene Möglichkeiten für Verhütung gibt, die man während des Stillens verwenden kann – ohne Auswirkungen auf die Qualität der Milch. Viele Männer unterstützen jetzt ihre Frauen bei dieser Entscheidung.“

Gubal ist Mutter von sechs Kindern. Ihre Tochter Galmo (Foto) wird nicht früh verheiratet, sondern darf ihre Ausbildung fortsetzen. Sie möchte Ärztin werden.

Galmo Jaro möchte Ärztin werden. Foto: Martha Tadesse/CARE

Das Projekt hat neben der Verbesserung im sozialen Umfeld auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten für die Menschen in dieser Region im Süden Äthiopiens gebracht. Früher waren die meisten im Dorf ViehzüchterInnen. Jetzt ist z.B. Gubal auch als Landwirtin tätig. „Durch Kredite aus meiner Kleinspargruppe konnte ich investieren. Von den Gewinnen lege ich wöchentlich etwas auf die Seite, damit ich in der Trockenzeit Essen für meine Familie und die Tiere kaufen kann. Ich trage zum Familieneinkommen bei, und mein Mann respektiert meine Meinung.“

Gubal spart weiter. Sie wünscht sich ein modernes Haus für ihre Familie. In der Gruppe hat sie aber nicht nur gelernt, wie sie sich finanziell besser aufstellen kann. „Ich kann jetzt in Diskussionen deutlicher ausdrücken, was mir wichtig ist. Die Beziehung zu meinem Ehemann ist dadurch besser geworden.“

Das Projekt wird von der Europäischen Union (EU) gefördert. Lesen Sie hier mehr dazu.

Jetzt ist Viehzucht nicht mehr das einzige Einkommen von Gubal. Foto: Martha Tadesse/CARE