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Äthiopien: Frauen durch Kleinspargruppen stärken

Elizabeth Brezovich, CARE Gender Advisor, besuchte im Juni 2014 den Bezirk Wemberoch in Äthiopien. Dort besichtigte sie eine Kleinspargruppe, die aus 17 Frauen und einem Mann besteht, ein eher außergewöhnliches Geschlechterverhältnis für solche Gruppen.

Die Kleinspargruppe vergibt Kredite an ihre Mitglieder. So können die Frauen kleine Geschäfte oder den Handel mit Waren aufbauen. Durch einen Kredit von 150 Birr (0€) kann etwa ein kleines Gemüsegeschäft aufgebaut, mit 100 Birr (40€) ein Handel mit Eiern ins Leben gerufen werden. Fast alle Mitglieder, haben schon einen Kredit erhalten, zwei wurden bereits zurückgezahlt. Der große Vorteil dieser Kleinspargruppen ist, dass sich die Mitglieder mit niedrigeren Zinsen als bei der Bank Geld ausleihen können und dass alle Zinsen und Rückzahlungen ihnen später wieder zur Verfügung stehen. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen. Durch diese regelmäßigen Treffen und der Tatsache, dass die Mitglieder für die Kredite gegenseitig bürgen, entstehen starke soziale Bindungen. Solche Kleinspargruppen wurden von CARE auch schon in Nepal und Uganda ins Leben gerufen.

Eine Teilnehmerin berichtet

Kasaya Getu ist 48 Jahre alt, geschieden und hat drei Kinder. Sie bekam 2007 zwar ein Stück Land vom Staat zugesprochen, doch dieses ist bergig und schwer zu bepflanzen. Daher verpachtet sie es und erhält im Gegenzug einen Teil der Ernte. Früher verkaufte Kasaya Tela (raditionelles alkoholisches Getränk), Brot und Tee. Nun verkauft sie Papier. “Bevor ich, ein Teil der Kleinspargruppe war, konnte ich das Papier immer nur in kleinen Mengen kaufen und so ging es mir oft aus. Durch den Kredit kann ich nun größere Pakete an Papier kaufen und verkaufe viel mehr, da es mir nicht mehr ausgeht.“

Um ihre älteste Tochter auf die Universität in Gondar schicken zu können, nähte sie zusätzlich traditionelle Kleider, insbesondere weiße Umhängetücher für Frauen. Denn für Kasaya ist Bildung sehr wichtig. „Ich ging als Kind zur Schule, aber ich wurde in der fünften Klasse rausgenommen, weil ich meiner Mutter helfen musste. Meine Mutter war sehr arm. Einige meiner SchulkollegInnen wurden später LehrerInnen oder Anwälte. Da ich nicht so viel Erfolg im Leben hatte, schämte ich mich oft. So beschloss ich alles in meiner Macht stehende zu tun, damit meine Kinder in der Schule bleiben können.“

Nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für die Frauen in der Kleinspargruppe setzt sie sich ein: „Ich wurde zur Vorsitzenden der Kleinspargruppe gewählt und es ist mein Ziel, diesen Frauen mehr über einkommensfördernde Maßnahmen beizubringen. Sie sollen ermutigt und selbstbewusster werden, vor allem diejenigen, die einen Haushalt führen. Für mich war die Spargruppe eine großartige Möglichkeit. Seither hab ich mehr Selbstvertrauen und ein höheres Selbstwertgefühl. Außerdem weiß ich nun, dass ich in der Zukunft mein Geschäft durch einen größeren Kredit wirklich steigern kann.“

Viel Engagement für Frauen

Kasaya engagiert sich zudem sehr für Frauenthemen. „Ich spreche auch Frauenthemen bei den Treffen an. Die Männer in der Umgebung kennen mich schon als diejenige, die immer wieder über sowas spricht. Viele Frauen, die vorher nur zu Hause waren, nehmen nun regelmäßig an den Treffen der Kleinspargruppe teil. Daher beschloss ich auch, mich mehr zu engagieren. Denn wenn Frauen zusammenkommen und sich bei solchen Treffen für ihre Rechte einsetzen, können die Dinge auch besser werden. Die Menschen hören mir zu, wenn ich rede, aber die meisten Männer hören den Frauen nicht zu. Für mich ist das größte Frauenrechtsproblem, dass Frauen am Gemeindeleben nicht teilnehmen können. Sie sind nicht bei den Dorftreffen und Ortsräten dabei. Auch andere Möglichkeiten, sich einzubringen werden nicht wahrgenommen. Ich möchte das Projekt noch verbessern, denn wir brauchen Ausbildungen nur für Frauen, damit sie lernen, in der Öffentlichkeit zu reden. Damit die Frauen beginnen über ihre Probleme zu sprechen. Denn Männer reden überall. Frauen nicht.

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