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10 Jahre im Einsatz für CARE: Interview mit Andrea Barschdorf-Hager

Andrea Barschdorf-Hager ist seit Ende 2009 Geschäftsführerin von CARE Österreich. Sie hat viel erreicht und für CARE Österreich noch viel vor. Welche Krise sie besonders berührt hat, was bei einem Noteinsatz immer dabei sein muss und warum sie sich in der humanitären Hilfe nicht von Hoffnung leiten lässt, erfahren Sie im Interview „10 Jahre 10 Fragen“. (Text in einem Dokument lesen oder als PDF downloaden)

Frage 1: Frau Dr. Barschdorf-Hager, was war Ihr erster Einsatz bei CARE?

Das war in Haiti nach dem Erdbeben Anfang 2010. Unmittelbar ein paar Tage, nachdem das passiert ist, war ich vor Ort. Überall Schutt und Asche. Alles komplett zerstört. Es war eine extreme Situation, weil es so viele Tote gab. Ich habe damals Bilder und Gerüche mitgenommen, die ich mein Leben nicht vergessen werde.

Frage 2: Was ist für Sie das Besondere an der Arbeit von CARE?

Das Besondere und zugleich das Beste ist, zu sehen, dass man in seiner Arbeit Positives für Hunderte oder oft Tausende Menschen bewirken kann. Ich sage gerne: „Was CARE macht, das brauchen Sie nicht glauben. Da können Sie hingehen und sich das anschauen.“

Frage 3: Welche Krise hat Sie besonders berührt?

Jede Krise berührt mich. Egal, ob es ein Erdbeben ist oder eine Überschwemmung oder das Leid von Flüchtlingen. Was mich besonders beschäftigt, sind Katastrophen, die von Krieg oder Konflikt ausgelöst sind.
Es gibt ein besonders markantes Erlebnis, als ich vor zwei Jahren am Gedenktag des Massakers von Srebrenica ebendort in Bosnien war. Da suchen Angehörige nach Knochen, um Familienmitglieder zu identifizieren. Das hat mich sehr betroffen gemacht – vielleicht auch, weil meine Großeltern im Zweiten Weltkrieg als deutsche Minderheit aus Serbien geflohen sind.

Frage 4: Was gibt Ihnen in humanitären Krisen Hoffnung?

Von der Hoffnung allein wird es nicht besser. Ich bin eine große Anhängerin des konkreten Tuns. Mein Antrieb ist, ich mache etwas. Wir alle machen gemeinsam etwas. CARE hilft weltweit in allen Krisengebieten fast 70 Millionen Menschen. Wir erreichen mehr Menschen mit Hilfe als z.B. Frankreich Einwohner und Einwohnerinnen hat.

Frage 5: Welches Gebiet sollte in der humanitären Hilfe mehr Beachtung finden?

Alle Konfliktgebiete müssen im Fokus bleiben. Ich war vor kurzem in Ramallah in Palästina. Da fragen sich die Bewohner und Bewohnerinnen: „Sind wir auch Menschen? Warum werden wir dann nicht so behandelt?“ Die zweite Frage ist: „Hat uns die Welt vergessen?“ Die stellen sich die Menschen allerorts. Das fragen sich die Kurden, die Palästinenser und die Flüchtlinge in vielen Ländern.

Andrea Barschdorf-Hager in Haiti. Foto: CARE
Andrea Barschdorf-Hager in Haiti. Foto: CARE

Frage 6: Was würden Sie Studierenden raten, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden wollen?

Gebraucht wird ein professioneller Zugang. Wenn man jung ist, hat man jede Menge Idealismus. Das ist auch gut. Nur sollte man sich klar darüber sein, dass der Idealismus nicht weiterhilft. Wichtig ist, sich die Frage zu stellen, was gebraucht wird. Und das ist in erster Linie Fachwissen in Logistik und Finanzen.

Frage 7: Was haben Sie auf einer Reise in ein Notgebiet immer dabei?

Eine Taschenlampe und einen dünnen Schlafsack. Und Fotos von meinem Mann.

Frage 8: Gibt es ein Ereignis, an das Sie besonders gerne zurückdenken?

Da gibt es viele. Ich habe Glücksgefühle, wenn etwas gelingt. Wenn CARE ein Projekt umsetzt, wenn wir eine große Spende bekommen oder auch eine kleine Spende. Das macht mich glücklich. Die Menschen, die für CARE spenden, tun das aus dem Verständnis und Wissen heraus, dass wir professionell helfen und für diese Hilfe jeden Euro brauchen.

Frage 9: Was sagen Sie, wenn jemand meint, dass Spenden den Menschen in Not nichts bringen?

Keine Hilfsorganisation der Welt kann die Armut völlig beenden. Es wäre blauäugig, das zu glauben. In den Ländern, wo CARE arbeitet, gibt es jedoch viele Erfolge. Ich denke z.B. an Bildungsprojekte für Mädchen, die sonst nicht die Chance hätten, in die Schule zu gehen.

Frage 10: Wovon möchten Sie in den nächsten Jahren bei CARE mehr machen?

Ich möchte mehr große Hilfsprojekte in mehr Ländern umsetzen. Ich möchte in Zukunft mehr den außereuropäischen Blick einbringen. Da passiert viel Neues, wenn man Dinge einmal anders als aus dem europäischen Blickpunkt betrachtet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Stephan Huger/CARE (ausgenommen Foto aus Haiti)

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