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5. August 2019

Jemen: 32.000 Tote wegen Flughafen-Schließung

Jemen: Flughafen Sana‘a seit drei Jahren geschlossen / Für tausende Kranke ein Todesurteil

  • Seit 2016 sind bereits 32.000 Menschen gestorben: Sie konnten nicht aus dem Jemen ausreisen, um überlebenswichtige Behandlungen zu erhalten
  • ACHTUNG REDAKTIONEN: CARE-Helferin Jennifer Bose ist gerade aus dem Jemen zurückgekehrt, wo sie in den vergangenen Wochen die Nothilfe unterstützte. Gerne steht sie für Interviews zur Verfügung. 

(Sana’a/Wien, 5. August 2019). Seit dem 9. August 2016 ist der Flughafen von Sana‘a für Geschäfts- und Zivilflüge geschlossen. Die Beschränkung des jemenitischen Luftraums – beschlossen durch die von Saudi-Arabien geführte Koalition – hindert tausende kranke Zivilisten daran, für überlebensnotwendige medizinische Behandlungen das Land zu verlassen. Darauf verweisen heute die internationalen Hilfsorganisationen CARE und NRC (Norwegian Refugee Council). Schätzungen zufolge sind laut dem Gesundheitsministerium in Sana‘a bereits 32.000 Menschen gestorben, weil sie nicht ausreisen konnten, um die notwendige medizinische Behandlung zu erhalten.

„Menschen sterben, weil ihnen medizinische Behandlungen verwehrt bleiben“, erklärt Jennifer Bose, CARE-Nothelferin, die gerade aus dem Jemen zurückgekehrt ist. „Die Schließung des Flughafens Sana‘a ist zum Symbol geworden für ein Land, das nicht mehr funktionsfähig ist. Millionen Frauen, Männer und Kinder leiden. Dinge, die wir in den meisten anderen Ländern als absolut selbstverständlich ansehen, sind hier unerschwinglicher Luxus. Das muss ein Ende haben. Alle Häfen müssen uneingeschränkt geöffnet bleiben.“

CARE und NRC fordern die Kriegsparteien deshalb erneut dazu auf, eine Vereinbarung über die Wiedereröffnung des Flughafens Sana‘a für Geschäfts- und Zivilflüge zu treffen. Insbesondere Großbritannien, die USA und Frankreich müssen Druck auf beide Seiten des Konfliktes ausüben, um das humanitäre Leid zu verringern.

Medikamente sind unbezahlbarer Luxus geworden

Vier Jahre Krieg haben das Gesundheitssystem im Jemen stark geschwächt. Nur knapp die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen ist voll funktionsfähig. Nach Angaben des jemenitischen Gesundheitsministeriums ist ein Großteil der medizinischen Geräte im Land veraltet und muss dringend ersetzt werden. Ein fast vollständiger Stopp der kommerziellen Lieferungen und Medikamente über den Flughafen Sana‘a, verbunden mit den Einfuhrbeschränkungen über den Hafen von Hodeidah, hat die Preise mehr als verdoppelt. Damit sind Medikamente für den Großteil der Bevölkerung unbezahlbar geworden. Besonders schwer trifft dies Menschen mit chronischen Herzproblemen, Blutkrankheiten oder Krebs. Vor dem Krieg seien rund 7.000 Jemeniten jährlich vom Flughafen in Sana‘a für medizinische Behandlungen ins Ausland flogen, berichtet das Gesundheitsministerium.

„Gewehre, Bomben und Cholera kosten schon mehr als genug Menschenleben. Die Schließung des Flughafens verurteilt Tausende weitere zum Tode“, sagt Mohammed Abdi, Länderdirektor des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC) im Jemen. „Es gibt keine Rechtfertigung dafür, kranken Zivilisten die Ausreise zu verweigern, wo sie doch lebensrettende medizinische Behandlungen in Anspruch nehmen müssten.“

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