14. Februar 2017

Dürre am Horn von Afrika: Hungerkrise droht

„Eine erneute Hungersnot muss verhindert werden“: 15 Millionen Menschen in Kenia, Äthiopien und Somalia betroffen / 680.000 Schwangere und stillende Mütter benötigen Hilfe

Wien/Nairobi. 15 Millionen Menschen am Horn von Afrika sind von einer schweren Hungerskrise und in einigen Gebieten Somalias sogar einer Hungersnot bedroht, berichtet die Hilfsorganisation CARE. „Wir sehen ähnliche Warnsignale wie 2011, als mehr als 260.000 Menschen während der Hungersnot in Somalia starben. Auch damals haben wir immer wieder gewarnt. Es darf auf gar keinen Fall wieder darauf gewartet werden, bis Bilder sterbender Kinder auf den Bildschirmen flimmern“, so Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.

Die Dürren der letzten beiden Jahre waren aufgrund des Wetterphänomens El Niño besonders stark. Wegen ausbleibender Regenzeiten und Ernteausfällen haben mehr als 15 Millionen Menschen in Kenia, Somalia und Äthiopien nicht mehr ausreichend Nahrung. „Unsere Teams berichten, dass sich in Gegenden wie Sool und Sanaag in Somalia Tierkadaver auf den Straßen stapeln. Viele Familien essen nur noch eine Mahlzeit am Tag“, so Barschdorf-Hager. Informationen von CARE zeigen, dass Familien für ihr Vieh weniger als ein Viertel des üblichen Preises erhalten, während die Ausgaben für Wasser und Nahrungsmittel sich zum Teil verfünffacht haben. „Familien berichten uns, dass sie all ihr Vieh und Einkommen verloren haben. Mütter haben akute Angst, dass ihre unterernährten Kinder verhungern werden.“

CARE weist vor allem auch auf die Situation von 680.000 Schwangeren und stillenden Mütter hin. Mangelernährung während der Schwangerschaft und den ersten beiden Lebensjahren kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit und Entwicklung der Kinder haben: „Frauen sind von der Dürre und Nahrungskrise am stärksten betroffen. Sie essen häufig als letztes, um ihre Kinder oder ältere Menschen zu versorgen“, berichtet Barschdorf-Hager. Auch seien sie in Somalia diejenigen, die für das Hüten der Tiere und Wasserholen zuständig sind. Aufgrund der Dürre legen sie zur nächsten Wasserstelle immer weitere Distanzen zurück und sind dabei auch sexueller Gewalt ausgesetzt.“

In den letzten Jahren haben Regierungen und Hilfsorganisationen unter Hochdruck daran gearbeitet, Somalia auf immer wiederkehrende Naturkatastrophen vorzubereiten. „Die aktuelle Dürre ist die schwerste seit vielen Jahren. Sie macht viele Entwicklungserfolge zunichte. Wenn es in den kommenden Monaten nicht regnet, droht Somalia eine Hungersnot. Wir brauchen jetzt die Mittel und Möglichkeiten, um das zu verhindern“, warnt Barschdorf-Hager.

So hilft CARE:

CARE Somalia hat bisher 259.000 Menschen mit Nothilfe-Maßnahmen unterstützt: Sauberes Wasser, Bargeld- und Nahrungsmittelhilfe und Schutzmaßnahmen für Frauen und Mädchen. CARE wird in den kommenden Monaten weitere 350.000 Menschen aus Somalia mit humanitärer Hilfe unterstützen. In Äthiopien hat CARE über eine Million Menschen mit Hilfsmaßnahmen wie  Wasser, Nahrung, Saatgut und Bargeldhilfe erreicht.

  • Das Titelfoto zeigt eine Frau mit ihrem Baby während der Dürre in Äthiopien im Jahr 2016. Bei der abgebildeten Untersuchung wird der Grad an Mangelernährung festgestellt.

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