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24. Oktober 2018

CARE-Studie: Syrischen Flüchtlingen fehlt Geld für Nahrung und Medizin

Im achten Jahr des Syrienkrieges bedrohen Kürzungen der internationalen humanitären Hilfe das Überleben von syrischen Flüchtlingen in Jordanien

(Wien, 24. Oktober 2018) Die von der Hilfsorganisation CARE publizierte Studie „8 Years Into Exile“ untersucht die Lebensbedingungen von syrischen Flüchtlingen in Jordanien. Bereits seit 2012 erhebt CARE Zahlen zur Lage von Flüchtlingen im urbanen Raum. Im achten Kriegsjahr des Syrienkonflikts sind die Zahlen ernüchternd: 90 Prozent der Flüchtlinge sind verschuldet, ihnen fehlt selbst für Grundbedürfnisse wie Nahrung und Medizin das Geld: Link zur Studie

 

Einsparungen in der humanitären Hilfe bei steigenden Lebenskosten 

Unabhängig davon ob das Einkommen aus humanitärer Hilfe oder Arbeit stammt: Das durchschnittliche Familieneinkommen von syrischen Flüchtlingen beträgt 279 US-Dollar monatlich, die monatlichen Ausgaben – ein Großteil davon für die Miete – hingegen 328 US-Dollar. „Neunzig Prozent der syrischen Flüchtlinge sind deshalb verschuldet„, berichtet Salam Kanaan, Länderdirektorin von CARE Jordanien. „Kaum eine Familie kann sich noch genügend Nahrung und Medikamente leisten.“ Häufig sehen Familien keinen anderen Ausweg als ihre Töchter früh zu verheiraten oder ihre Kinder arbeiten zu schicken.

46 Prozent der syrischen Kinder in Jordanien besuchen keine Schule

Es sind schockierende Zahlen, die zeigen, wie groß die Krise ist. Jede zehnte Familie muss ihren Sohn oder ihre Tochter verheiraten, um selbst über die Runden zu kommen„, schildert Salam Kanaan die Lage. Lediglich 46 Prozent der syrischen Kinder besuchen eine Schule. Bei den Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahre sind es überhaupt nur 28 Prozent, die eine weiterführende Schule oder Universität besuchen.  Die Situation für syrische und irakische Flüchtlinge, aber auch bedürftige Jordanier müsse daher dringend verbessert werden, appelliert Kanaan – mithilfe der jordanischen Regierung, der internationalen Gemeinschaft und Hilfsorganisationen.

Weitere Ergebnisse der Studie:

Frauen/Reproduktive Gesundheit: Lediglich 14 Prozent der Schwangeren haben Zugang zu vorgeburtlichen Untersuchungen

Psychosoziales: Mehr als 50 Prozent der Flüchtlinge berichten über Hoffnungslosigkeit, unkontrollierbare Angst, Verlust von Lebenswillen

Arbeit: 70 Prozent des Haushaltseinkommens haben syrische Flüchtlinge durch Arbeit verdient (40 Prozent im Vorjahr)

Ältere Menschen: Nur 4,5 Prozent der älteren Flüchtlinge erhalten Unterstützung

Rückkehr nach Syrien: Nur rund 19 Prozent möchten lieber dauerhaft zurück in die Heimat, anstatt in Jordanien zu bleiben oder zu emigrieren.

Zur Studie „8 Years Into Exile“: Die Daten wurden im April 2018 mittels Interviews und Fokusdiskussionen unter syrischen und irakischen Flüchtlingen sowie Jordaniern erhoben. Ziel der Studie ist es, die Grundbedürfnisse der genannten Bevölkerungsgruppen in Hinsicht auf Bildung, Arbeit, Einkommen, psychosoziale Hilfe und Familienplanung zu eruieren. Für die Studie wurden mehr als 1.500 syrische Flüchtlinge befragt.

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