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31. August 2017

Wie wird die Kleidung hergestellt, die wir tragen?

Textifabrik in Bangladesch. Foto: CARE

Woher kommen unsere T-Shirts, wer verdient daran und wer übernimmt die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen von TextilarbeiterInnen?

Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit Elke Schüßler, Universitätsprofessorin für Betriebswirtschaft an der Johannes Kepler Universität in Linz, gesprochen, die sich in ihrer Forschung mit den Arbeitsbedingungen in Bangladesch auseinandersetzt.

„Die Produktionsketten sind immens komplex und verzweigt. Selbst die Handelsunternehmen am Ende der Kette haben oft keine volle Transparenz darüber, denn sie haben häufig nochmal Zwischenhändler im Einsatz,“ so die Forscherin.

Die Produktionskette, also der eigentliche Werdegang unserer Kleidung, erstreckt sich mitunter über den gesamten Erdball. Baumwolle, Knöpfe, Reißverschlüsse, sie alle werden in unterschiedlichen Ländern hergestellt, werden für die weiteren Bearbeitungsschritte weiterverschifft, bis sie in Fabriken in China oder Bangladesch, den zwei größten Textilproduzenten, verarbeitet werden, um schließlich in unseren Geschäften zu landen.

Am Ende dieser weit verzweigten Produktionskette, bei denen unterschiedliche Firmen, Händler und Zulieferbetriebe zugeschalten sind, steht das fünf Euro T-Shirt, das täglich über unsere Ladentische geht.

Laut der Clean Clothes Kampagne verdient an einem T-Shirt der Textilarbeiter oder die Textilarbeiterin etwa ein Prozent. „Wir versuchen auch in unserem Projekt Informationen darüber zu bekommen, wie Unternehmen die Preisgestaltung machen, doch auch das ist wenig transparent,“ so Schüßler.

Eines scheint jedoch klar zu werden, die Transportkosten sind durch die großen Mengen, die täglich verschifft werden, so gering geworden, dass diese kaum noch ins Gewicht fallen. Hinter einem T-Shirt um fünf Euro steckt eine sehr eng kalkulierte Gewinnspanne. Erst über den Massenverkauf entsteht ein Profit.

„Große Modelabels können gar nicht den Preis hochschrauben. 4,99€ sind bei T-Shirts wie eine magische Grenze, wenn sie diese überschreiten, geht die Menge der Einkäufe dieser Shirts extrem zurück. Das ist eine ganz feine Kalkulation, so dass aus Sicht der Unternehmen der eine Euro mehr, der an die ArbeiterInnen bezahlt wird, doch sehr stark ins Gewicht fällt, da diese Gewinnspannen so niedrig sind. Das ist Teil dieser ganzen Komplexität.“

Die finanzielle Situation vieler europäischer Haushalte und die mangelnde Informationslage auf Seiten der KonsumentInnen tragen ihrerseits zu der angesprochenen Komplexität bei. „Das hat auch damit zu tun, dass es auch in Europa oder den USA den Menschen zunehmend schlechter geht,“ so Schüßler. „Da stellen sich dann auch Fragen nach den Grenzen der internationalen Solidarität.“

All diesen Problemlagen zu Trotz wollten wir schließlich wissen, wer denn die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in Bangladesch übernehmen muss und ob es einen Ausweg aus dieser problematischen Gemengelage gibt.

Elke Schüßlers Antwort: „Es ist schwer, überhaupt von Schuld zu sprechen, auch wenn ich eher Anbieter in die Pflicht nehmen würde als die KonsumentInnen. Aus Sicht der Anbieter heißt es aber, der Markt ist so kompetitiv, wir können gar nicht anders. Dann ist man bei Systemfragen, dann ist der Kapitalismus schuld oder was auch immer! Trotzdem kann von den KonsumentInnen auch ein Impuls für Veränderung hervorgehen, das wissen wir auch aus der Erfahrung. Nachhaltig wäre es, weniger zu konsumieren, weniger Kleidung zu kaufen und dafür hochwertigere Kleidung! Doch auch da stellt sich die Frage, würden da nicht wieder Arbeitsplätze in Bangladesch wegfallen?“

Eines ist wohl offensichtlich: Information ist der Schlüssel für KonsumentInnen um Druck auf führende Handelsunternehmen ausüben zu können. Neben CAREs Projektarbeit in Bangladesch, in der TextilarbeiterInnen darin unterstützt werden, sich für ihre Rechte einzusetzen, ist Bewusstseinsbildung für CARE sehr wichtig.

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