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9. November 2015

Westjordanland: Schafe statt Waffen

Jeden Tag liest man neue Meldungen über die aufflammende Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Begonnen hat sie diesmal Anfang Oktober im Westjordanland, wo auch CARE arbeitet. Ein Teil des Westjordanlands (gehört neben dem Gazastreifen zu den sogenannten palästinensischen Autonomiegebieten.

Vorweg: Es ist kompliziert. 1995 in drei Zonen aufgeteilt, ist das Westjordanland flächenmäßig gerade einmal halb so groß wie Niederösterreich. In diesen drei Zonen –  A, B und C – haben die palästinensische Autonomiebehörde und das israelische Militär jeweils unterschiedliche Befugnisse, was sich auch auf das Leben der Bevölkerung auswirkt. Was man sich merken sollte: Die Zone C ist die größte im Westjordanland, sie untersteht direkt dem israelischen Militär. Auch die Infrastruktur in der Zone C wird von Israel kontrolliert.

Hilfe für die Beduinen

Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Bereich der palästinensischen Wirtschaft. Etwa zwei Drittel des fruchtbaren Landes befinden sich in der Zone C. Besonders Viehhirten, viele davon sind Beduinen, sind durch die Zugangsbeschränkungen stark in ihrem Leben eingeschränkt. Denn in dieser Zone darf – ohne Zustimmung Israels, die aber selten erteilt wird – keine Infrastruktur gebaut oder erneuert werden, das Land nicht ausreichend bewässert und für produktive Landwirtschaft genutzt werden; Wasser für Viehzucht wird vorwiegend zu hohen Preisen am Markt gekauft. Der Zugang zu Märkten ist durch militärische Sperranlagen stark eingeschränkt bis verhindert.

Konkret heißt das Folgendes: Häuser, die von Palästinensern ohne Erlaubnis repariert, vergrößert oder gar neu gebaut werden, können von der Armee wieder abgerissen werden. Im Jahr 2014 ist das 601mal passiert. Die Folge davon: Viele junge Palästinenser müssen die Zone C verlassen, da es ihnen schlichtweg am Wohnraum mangelt.

Damit die Beduinen dennoch ein Aus- und Einkommen haben, soll ihre landwirtschaftlichen Produktion verbessert werden. CARE unterstützt das: etwa den Zugang zu Wasser, Weideland und eine effizientere Futterproduktion; die Verbesserung der Tiergesundheit und – ebenfalls sehr wichtig – die optimale Vermarktung der Produkte.

 

„Wir kämpfen mit Schafen“

„Wir kämpfen für unser Land und unsere Rechte. Aber nicht mit Waffen, wir haben unsere Schafe“, sagt Fawaz Dawas, der eine landwirtschaftliche Kooperative mit 100 Mitgliedern leitet. Ihre 200 Schafe sollen den Bauern und ihren Familien eine bessere Zukunft ermöglichen.  

Gemeinsam mit beiden Partner-Organisationen PARC und dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut ICARDA werden auch die lokalen Interessensvertretungen der Viehhirten unterstützt. Dass die Arbeit unter schwierigen Rahmenbedingungen stattfindet, versteht sich von selbst: Wassertanks werden oft nicht genehmigt, der Bau von Ställen ebenso wenig.

Dennoch gibt es Erfolgsbeispiele: In Jenin etwa haben vier Frauen gemeinsam ein Unternehmen namens Al Thimar gegründet – das erste Unternehmen in ausschließlich weiblicher Hand im Westjordanland. Das Unternehmen verarbeitet und vermarktet die Produkte der Kooperativen: Oliven, Kräuter, Käse uvm. Die Frauen sind stolz auf ihre erfolgreiche Firma. Sie haben schon den nächsten Schritt geplant: den Export ihrer Produkte!

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