14. März 2017

„Wenn ich die Augen schließe, sehe ich verletzte und verängstigte Kinder“

In Flüchtlingslagern ist die Versorgung oft nur unzureichend. Foto: CARE

Von Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin CARE Österreich

Ich liege im Krankenhaus und schaue an die Decke. Ein größerer Eingriff am Bein, trotz aller Unannehmlichkeiten Routine, gepaart mir modernster Medizin und bestens ausgebildeten Ärzten und Ärztinnen und Pflegern und Pflegerinnen. 

Während ich das schreibe, jährt sich der Krieg in Syrien zum sechsten Mal. Es kommt mir immer wieder in den Sinn, wie viele medizinische Einrichtungen in Syrien gezielt angegriffen wurden. Ich denke an die unzähligen Menschen, die völlig sinnlos in den Kampfhandlungen ihr Leben verloren haben. 

Mein Respekt gilt den medizinischen HelferInnen, die unter ständigem Einsatz ihres eigenen Lebens eine Basisversorgung aufrecht erhalten, Menschenleben retten und genau wissen: Wenn das letzte Schmerzmittel verbraucht ist, ist Nachschub unwahrscheinlich. 

Ich denke an die vielen humanitären HelferInnen von CARE, die die Zivilbevölkerung mit dem Nötigsten versorgen, damit diese in dem täglichen Kriegswahnsinn irgendwie mit dem Nötigsten überleben kann. Mir fallen Gespräche mit MitarbeiterInnen von CAREs Partnerorganisationen ein, die von den unbeschreiblich gefährlichen Arbeitsbedingungen in Syrien erzählten.

Schwer verängstigte und verletzte Kinder

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich die schuttbedeckten Gesichter schwer verängstigter und verletzter Kinder, die nach einem Angriff orientierungslos nach ihren meist toten Familien suchen. Ich sehe die tausenden Kinder, die auf der Flucht in den Nachbarländern Syriens gestrandet sind. Viele traumatisiert, chronisch krank oder mit nicht ordentlich behandelten Verletzungen kämpfend. In ausgetretenen Plastikschuhen und in Lumpen.

Bitte helfen Sie! Unterstützen Sie die Nothilfe für Menschen in Syrien und syrische Flüchtlinge!

Schule, Spiel und unbeschwertes Lachen kennen die meisten syrischen Kinder nur aus der Vergangenheit. Ihre Kindheit ist während der letzten sechs Kriegsjahre nach und nach verloren gegangen. Unzählige Bilder gingen rund um die Welt. Diese Kinder werden als die „verlorene Generation“ bezeichnet, meiner Meinung nach blanker Zynismus.

In diesem Video lesen Kinder Zitate aus mehr als 20 UN-Resolutionen zu dem blutigen Konflikt. Genug der leeren Worte! #MakeWordsMatter

Bilder von sechs Jahren Bürgerkrieg in Syrien. Grausam, menschenverachtend und genährt von den internationalen Rüstungsunternehmen, wird eine ehemals blühende Region dem Erdboden gleich gemacht. Dazu wiederholt gescheiterte Friedensverhandlungen und die scheinbare Resignation der Weltpolitik.

Syrien ist ein Krieg auf dem Rücken der Zivilbevölkerung, für die es immer weniger sichere Anlaufstellen gibt. Die syrischen Nachbarländer sehen sich von den Millionen Flüchtlingen überrollt und überfordert. Die europäische Diskussion dazu ist bekannt. Selbst die europäische Union scheint in dieser Frage an ihre Grenzen zu kommen. 

CARE und seine Partner sowie andere Hilfsorganisationen arbeiten unermüdlich daran, dass Menschen in Syrien und den Nachbarländern mit dem Notwendigsten versorgt werden. Doch wir sind sehr besorgt. Denn viele Menschen verlieren die Hoffnung. Millionen Menschen aus Syrien fehlt die reale Perspektive auf Frieden und die Rückkehr in ein „normales“ Leben für sich und ihre Kinder. 

Bitte nehmen sie den traurigen sechsten Jahrestag des Syrienkrieges zum Anlass, die überlebenswichtige Arbeit von CARE zu unterstützen! Bedenken Sie bitte, wir können den Krieg leider nicht beenden, aber wir können gemeinsam Leben retten und reale Perspektiven schaffen.

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