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20. Juli 2017

Wasser! So helfen CARE und die EU im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia

Hado arbeitet als Wasserbeauftragte im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia. Foto: Sven Torfinn

Wasserholen ist in Dadaab Frauensache. Aber dass Frauen Verantwortung für ganze Wasseranlagen übernehmen, ist neu.
Hado Abdi Gedi stößt auf viel Gegenwind in ihrer Gemeinde. Manchmal wird sie sogar beschimpft. Der Grund: Hado arbeitet. Und zwar in einem Job, der eigentlich von Männern dominiert wird. Sie ist eine von drei weiblichen Wasserbeauftragten in Dadaab, dem ehemals größten Flüchtlingscamp der Welt in Kenia.

Wasserholen ist Frauensache. Hado kennt das. Denn auch sie übernahm diese Aufgabe, bevor sie 1997 aus Somalia nach Dadaab flüchten musste. In Dadaab erhält ihre Familie wie alle anderen Bewohner täglich mehrere Kanister mit etwa 33 Litern Wasser pro Person.

Doch Hado ist nicht mehr zuständig für das Schleppen von Wasserkanistern, sie ist Teil einer Männerdomäne. Die 28-Jährige ist nicht nur für die Sicherheit eines Wassertanks zuständig, sie kümmert sich auch darum, dass Frauen zweimal pro Tag sauberes Wasser in ihre gelben Kanister abfüllen können. „Ich bin stolz darauf, zu arbeiten. Es ist wichtig für mich, Verantwortung zu tragen – nicht nur für meine Familie, sondern auch für meine Landsleute“, erzählt die junge Frau lächelnd.

Förderung von Frauen und Mädchen
Hado kümmert sich um ein Wasserversorgungssystem, das mehr als 160.000 Flüchtlinge – etwa die Hälfte der Bewohner von Dadaab – mit sauberem Wasser versorgt. Finanziert durch die Organisation der Europäischen Kommission für Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) stehen so fast sechs Millionen Liter Wasser am Tag zur Verfügung. Etwa 1.600 Flüchtlinge wie Hado unterstützen CARE und ECHO, bei der Wartung des Wassersystems, bei Essensverteilungen und Hygieneschulungen im Camp.

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet CARE nicht nur für, sondern vor allem mit Flüchtlingen in Dadaab. Unter den Flüchtlingen, die ehrenamtlich für CARE tätig sind, sind immer mehr Frauen. „Eines unserer Hauptanliegen ist die Förderung und Stärkung von Frauen und Mädchen“, sagt Nixon Otieno, Programmleiter in Dadaab. Hado ging nie zur Schule und dennoch hat sie eine Arbeit gefunden. „In Somalia durfte ich früher nie das Haus verlassen. Doch seit ich in Dadaab lebe, hat sich mein Leben komplett geändert“, sagt die 28-Jährige.

Der andauernde Bürgerkrieg und die Folgen der schweren Dürre in Somalia zwangen Hado und tausende weitere Familien aus ihrem Heimatland zu flüchten. In Dadaab angekommen, heiratete sie und bekam kurz darauf Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie die Funktion als Familienoberhaupt.

„Nachdem mein Mann starb, brauchten wir dringend Geld, um zu überleben“, erklärt Hado. Deshalb wandte sie sich an CARE. „Zunächst nahm ich an einer Fortbildung als Hygienehelferin teil, anschließend arbeitete ich für eines der CARE-Wasserkomitees, bis ich mich für die Bewachung der Wassertanks bewarb.“

Kampf um Anerkennung
Zu Beginn ihres Jobs musste sie um Anerkennung kämpfen. Aber mittlerweile hat die Gemeinde akzeptiert, dass sie sich als Frau um das Wassersystem kümmert. „Männer kamen zu mir und beschwerten sich. Aber ich habe ihnen einfach nicht zugehört. Ich bin meiner Arbeit nachgegangen“, sagt Hado. „Jetzt weiß die Gemeinde, dass ich meinen Job ernst nehme und immer pünktlich Wasser liefere. Mittlerweile glauben alle an meine Fähigkeiten – sogar die Männer.“

Mit der Aufwandsentschädigung, die Hado von CARE erhält, kauft sie hauptsächlich Schulmaterialien für ihre Kinder. Sie möchte, dass ihre Kinder in Zukunft die Chance haben, sich selbst zu versorgen – ohne auf monatliche Essensrationen von Hilfsorganisationen angewiesen zu sein. Und sie wünscht sich, dass Frauen höheres Ansehen in der somalischen Gesellschaft erreichen. „Manchmal müssen wir die Männer herausfordern. Verantwortung zu übernehmen, hat mich selbstbewusster gemacht. Ich hoffe, dass mehr Frauen die Gelegenheit bekommen, ihr Leben in die Hand zu nehmen“, sagt Hado.

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