8. November 2017

Syrien: Ist der Krieg jetzt wirklich zu Ende?

Basheer arbeitet für CARE in Deutschland. Foto: Marie Pieper/CARE

Von Basheer Alzalaan, Mitarbeiter von CARE Deutschland

Der Krieg in Syrien ist vorbei. Das sagen zumindest die Medien. Die Bilder und Videos, die mir mein Freund Mohammed und andere schicken, sprechen aber eine ganz andere Sprache.

Luftangriffe und Bombenanschläge haben nicht aufgehört, sondern finden jetzt tagtäglich statt. Der einzige Ausweg sind Schmuggler. Das ist weder ungefährlich noch umsonst. Rund 2.000€ verlangt ein Schmuggler, um dich an Grenzen und bewaffneten Gruppen vorbei zu schleusen.

Mein Freund Mohammed sitzt nach wie vor im Kriegsgebiet fest, weil er wie die meisten anderen zu arm ist, um zu fliehen. Zu bleiben, bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit den Tod. Ständig werden Menschen erhängt oder lebendig begraben. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele der Menschen. die ich kenne, ermordet wurden.

Meine Familie und ich konnten nur knapp entkommen. Meine Mutter wollte dagegen nicht fort. Wir alle haben versucht, sie zu überreden, aber sie ist mit meiner kleinen Schwester dort geblieben. Unser Dorf ist alles, was sie je kannte. Ich habe vor kurzem das letzte Mal von ihr gehört, als Soldaten sie vertrieben haben und sie jetzt ebenfalls irgendwo in der Wüste auf der Flucht ist.

Ein neuer Anfang

Ich bin einer von mehr als 5 Millionen Bürgern aus Syrien, die seit dem Beginn des Konflikts vor mehr als sechseinhalb Jahren aus ihrer Heimat fliehen mussten. Dabei bin ich noch einer der Glücklicheren. Meine Familie und ich haben es noch geschafft, bevor die Grenzen geschlossen wurden. Meine Freunde und meine Familie in Syrien wissen nicht, wohin sie gehen sollen.

Jetzt bin ich hier in Deutschland. Meine Familie ist in Sicherheit und ich habe eine Arbeit bei CARE, in der ich minderjährigen Flüchtlingen helfen kann. Und trotzdem schaue ich in jeder Minute auf Whatsapp, in der Hoffnung etwas von Freunden oder Familie in Syrien zu hören. Für sie ist der Krieg nicht vorbei, er ist schlimmer denn je. Ich hoffe so sehr auf Frieden und darauf, dass es meiner Mutter und meinem Freund Mohammed und seiner Familie gut geht und dass sie es aus dem Kriegsgebiet geschafft haben.

Die Arbeit von CARE in Syrien
 
CARE arbeitet seit Oktober 2013 landesweit in Syrien – auch in belagerten und schwer zugänglichen Gebieten durch schnelle Notfallmaßnahmen und die Verteilung von Hilfsgütern.
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Basheer mit seiner Familie in Deutschland. Foto: CARE

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