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22. Dezember 2016

Serbien: Kalte Weihnachten für Flüchtlinge

In Serbien hat es minus 10 Grad. Foto: Sabine Wilke/CARE

Beitrag von Sabine Wilke, Pressesprecherin CARE Deutschland

Vor kurzem habe ich mir einen neuen Wintermantel gekauft und die eher teure Anschaffung nicht mit modischen, sondern praktischen Argumenten gerechtfertigt: Ich würde damit nie wieder frieren.

Zu frieren, ist für mich das Schlimmste. Und wie mir geht es sicher vielen.

An einem Tag Mitte Dezember stehe ich mit meinem neuen Mantel in Sjenica im Südwesten Serbiens. Die Stadt liegt auf einem Hochplateau, der Wind fegt erbarmungslos bei Temperaturen von minus 10 Grad Celsius.

Ich sehe Kinder, die im Schnee spielen. Das könnte idyllisch sein, ist es aber nicht: Einige der Kinder tragen nur leichte Pullover, andere sind stark erkältet. Und manche sehen mich mit einem Blick an, der davon erzählt, welchen Horror sie miterleben mussten. Diese Kinder sind aus dem Irak oder Afghanistan, aus Syrien und anderen Ländern geflohen, wo Gewalt und Krieg den Alltag beherrschen.

Seit im Frühjahr 2016 die Grenzen geschlossen wurden, stecken tausende Flüchtende auf dem Balkan fest. In Serbien kommen jedoch immer noch 200 bis 250 Menschen pro Tag an. Sie werden in offiziellen Camps – meistens ehemalige Hotels, Fabriken und Tankstellen – untergebracht.

Ihre Verzweiflung ist greifbar, als ich durch das Hotelgebäude hier in Sjenica laufe. 15 bis 20 Menschen leben in einem kleinen Raum. Sie haben Decken an ihren Hochbetten aufgehängt, um wenigstens etwas Privatsphäre zu haben, müssen für die Toilette anstehen und warten auf Informationen, auf einen Hoffnungsschimmer.

Sie können Asyl in Serbien oder eine Familienzusammenführung beantragen, falls einer ihrer Verwandten bereits in einem EU-Land wohnt. Aber die Verfahren sind langwierig und die Regelungen werden restriktiver, je stärker in Europa der Druck von rechts zu spüren ist.

Hier in Sjenica verteilt CARE warme Winterkleidung. Helfen Sie mit! Ein CARE-Winter-Paket um 35 Euro sichert einem Menschen warme Kleidung und Decken. 

Ich freue mich, einige der Kinder wiederzusehen, die vorhin im Schnee gespielt haben. Jetzt stehen sie mit ihren Eltern in der Schlange.

Die Freiwilligen, die die Verteilung organisiert haben, nehmen sich Zeit, um für jedes Kind die passenden Stiefel, Mützen und Handschuhe in der passenden Größe für kleine Händchen herauszusuchen. Die Erwachsenen erhalten Decken, Hygiene-Sets und Bettlaken.

Ja, diese Hilfsgüter sind nicht viel. Sie sind kein Visum, um die Grenze überqueren zu können. Sie sind nicht die Zukunft, für die diese Menschen ihr Leben riskiert haben. Doch sie geben den Geflohenen etwas Wärme während dieser kalten, kalten Weihnachtszeit.

Die Gesichter, in die ich blicke, wollen nicht abhängig von der Hilfe anderer sein, sie haben sich das nicht ausgesucht. Sie sind vor Krieg und Verfolgung geflohen, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu retten. Wären wir vor diese Wahl gestellt, wir wir würden uns genauso entscheiden.

Dieser Tage feiern wir Weihnachten. Ich werde den gleichen Beitrag, den ich für Weihnachtsgeschenke ausgegeben habe, auch spenden.

Meine Weihnachtsspende geht an CARE. Das ist die Organisation, die ich kenne und der ich vertraue. Ich weiß aus erster Hand, wie sorgfältig und effizient das Geld weltweit in Projekte wie das in Serbien fließt. Ich habe in vielen Ländern erleben können, wie besonders Frauen und Mädchen gestärkt werden in unserer Projektarbeit.

Ich wünsche mir, dass wir uns nicht von den Schreckensmeldungen dieses Jahres lähmen lassen. Ja, es gibt Krieg und Leid weltweit. Und ja, manchmal möchte man einfach die Tür hinter sich zu ziehen und nichts mehr davon hören.

Doch das hilft den Kindern in Serbien, die dort einen Schneemann bauen, kein bisschen. Und es macht die Welt auch nicht zu einem besseren und gerechteren Ort.

Deshalb meine Bitte: Spenden Sie!

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