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18. Dezember 2018

Ruanda: Weg von der Straße und raus aus der Armut

Clarisse Ishimwe (24 Jahre) will mehr: „Das reicht mir noch nicht. Ich möchte mehr erreichen!”

CARE-Helferin Sonja Tomandl berichtet aus Ruanda

Begonnen hat alles vor vier Jahren mit einer Ziege. Heute führt Clarisse Ishimwe (24) fünf Geschäfte. Ideen gehen der jungen Frau, die bereits mit 14 Jahren als Straßenverkäuferin zum Familieneinkommen beigetragen hat, nicht aus. Die zehn Jahre Geschäftserfahrung helfen ihr auch beim eben begonnen Studium „Buchhaltung“.

Jean, Anisiè, Odette, Yvonne, Ildephonse und Clémantine sind sechs von 27 Mitgliedern der „Cooperative KoraNawe“.

Sie alle haben am CARE-Projekt YEIS – Youth Employability in the Informal Sector oder an Kleinspargruppen teilgenommen.

Die Mitglieder der Kooperative fertigen Schuhe, Bilder und Kunstwerke. Die Nachfrage ist groß. Jean Népomucène (29) ist Sprecher der Gruppe, er hat große Ziele. Die Produkte decken bereits den lokalen Markt ab, als nächstes Ziel steht die Hauptstadt Kigali an, gefolgt vom nationalen Markt. Bestellungen gibt es bereits über die Bezirksgrenzen hinaus. Die Nachfrage ist vorhanden, der Erfolg gibt ihnen recht.

In Ruanda kostet die Schule zwar nichts, Uniform und Lernmaterial müssen aber gekauft werden. Das ist den Mitgliedern der Kooperative jetzt möglich. Sie können sich auch Arztbesuche leisten. Manche sparen auf ein Haus. Und die Frauen sind stolz darauf, zum Familieneinkommen beizutragen: Der Respekt ihrer Männer und der Nachbarschaft ist ihnen sicher.

Ähnlich ist das auch bei der „Cooperative Berwa Munyarwanda“, die eine Schneiderwerkstatt am Markt im Distrikt Nyarungenge betreibt. Madeleine Twagidumukiza (30), Präsidentin der Kooperative, und ihre Kollegin Henriette Mujawayezu (26) arbeiteten früher als Straßenverkäuferinnen. Heute schneidern sie begeistert und haben ihre Produkte bereits auf der nationalen Messe für Handel präsentiert.

Die Taschen, der Wandschmuck und die genähten Kunstwerke haben den Besucherinnen und Besuchern der Messe gefallen. Die Bestellungen werden laufend mehr. Henriette sichert durch ihre Arbeit das Familieneinkommen, weil ihr Mann einen schweren Motorradunfall hatte und für Monate nicht arbeiten konnte. Während sie arbeitet, kümmert er sich um die zwei Kinder (fünf und zwei Jahre). Das ist auch in Ruanda, einem Land mit über 60% Frauenanteil in der Regierung, nicht selbstverständlich.

 

Nach der körperlich schweren Arbeit als Lastenträger konnte Jonathan Mugemanyi (25) die Chance auf eine Schulung in der Motorrad-Werkstätte nutzen. Dort arbeitet er mit seinem Kollegen Daniel Nzwjimana (26), der davor Farradtaxifahrer war, zusammen. Beide haben ihr Einkommen in Fahrräder und Kühe investiert.

 

Daniel Nzwjimana (li) und Jonathan Mugemanyi (re) lieben ihren neuen Job.

Das sind Beispiel aus Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Wie überall auf der Welt bietet die Stadt mehr Möglichkeiten als das Landleben. Wie aber sieht es für die Menschen am Land aus?

Im Norden von Ruanda, im Distrikt Gakenke, lerne ich Ange Uwase, Jeanette Kuradusenge und Grâce Jnodukunda kennen. In ihrem Ubwiza Saloon werden Haare geschnitten und gefärbt. Angeboten wird auch Maniküre und Pediküre. Den Service des Salons würde ich gerne beanspruchen. Leider fehlt die Zeit dafür. Schade, ich wäre gespannt gewesen, welche Frisur mir Ange gemacht hätte.

Es sind fünf Frauen, die hier arbeiten. Davor waren sie Straßenverkäuferinnen oder arbeiteten in einer Bar. In ihrer früheren Arbeitssituationen hatten sie keine Rechte und waren Willkür und Gewalt ausgesetzt. Man könnte meinen, dass so ein Salon nicht lange überleben wird – aber das Gegenteil ist der Fall. Kunden und Kundinnen kommen aus der nahen Schule und der Polizeistation zusätzlich zu den DorfbewohnerInnen. Ausbildung, und Ausstattung wurden im Rahmen des Projekts von CARE zur Verfügung gestellt.

 

Ein paar Kilometer in das Tal hinein haben Bohnen das Leben von Vestine Mukamunyuzi, Josephine Imfurayabo und Josinae Kajitesa und vielen Frauen des Dorfes verändert.  Respekt, gesichertes Einkommen, ein Haus und Zukunft sind die großartigen Erfolge der Investition in Bohnen.

 

Bohnen haben das Leben der Frauen der landwirtschaftlichen Kooperative verändert. Josephine Imfurayabo (links), Vestine Mukamunyuzi (Mitte), die Präsidentin der Cooperative, und Josinae Kajitesa (rechts).

„Chez Jeanette“ soll das Restaurant von Jeannette Akimana in Kigali City einmal heißen. Das ist ihr Ziel. Jetzt betreibt sie ein Restaurant und einen Lebensmittelladen in Shyrongi im Distrikt Rulindo. Auf ihre drei Kinder passt ein Kindermädchen auf.

Janeti, wie sie auch von ihren Kundinnen und Kunden gerufen wird, will, dass ihre Kinder in die Schule gehen und später eine gute Ausbildung machen können. Angefangen hat sie mit einem Kohleofen, heute wird mit Gas gekocht. Die Kunden und Kundinnen für ihren Lebensmitteladen und ihr Restaurant, das fast jeden Tag geöffnet ist, kommen aus dem Dorf und von der nahegelegenen Mine.

Ein Kühlschrank wartet darauf, angeschlossen zu werden. Ein wenig wird sie sich noch gedulden müssen. Bis 2020 sollen 80% des Landes an das Stromnetz angeschlossen sein, so der Plan der Regierung. So lange wird Jeanette aber nicht warten müssen. Ihr Distrikt ist früher dran.

 

 

Jeannette Akimana träumt von ihrem Lokal „Chez Jeannette“ in Kigali City. Sie hat keine Angst vor Konkurrenz  in der Stadt. „Meine Küche überzeugt und meine Stärke liegt in der Beziehung zu meinen Kundinnen und Kunden!“

Copyright: Alle Fotos Sonja Tomandl/CARE

 

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