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News

7. November 2005

Nach der Flutkatastrophe: Seelenpflaster

Eine Leiter für Lalitha
Die Menschen in Batticaloa, einem Ort an der Ostküste von Sri Lanka, laufen immer noch vor der Welle davon, auch jetzt noch, Monate nach der Katastrophe. Auch Lalitha hat Angst. Sie ist acht Jahre alt. Ihren Vater und mehrere Verwandte hat das Wasser genauso weggeschwemmt wie das Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Um ihr die Angst zu nehmen, zumindest ein bisschen, haben Mutter und Tante eine Leiter für Lalitha gebaut. So kann sie schnell auf eine Palme klettern, wenn der Tsunami wieder kommt.

Sich wieder sicher fühlen
„Natürlich müssen erst einmal die physischen Grundbedürfnisse gedeckt sein,“ sagt CARE-Mitarbeiter Matthias Themel, „aber gleich nach Hunger, Durst und dem Bedürfnis nach Obdach kommt die Sicherheit.“ Denn solange die Menschen sich nicht sicher fühlen, dominiert die Angst und damit die Krise ihr Leben. Diesen Ausnahmezustand zu beenden ist das erste Ziel für Psychologen wie Matthias Themel. „Viele wissen nicht, woher der Tsunami kam und wie er entstanden ist, deshalb können sie die Gefahr nicht richtig einschätzen“, erzählt er. Mehr Sicherheit, das beginnt in Batticaloa – und nicht nur dort – also auch mit Information.

Zurück zur Normalität des Alltags
„Das nächste ist eine Normalisierung des Alltags – soweit möglich“, fährt der Psychologe fort, „es ist wichtig, dass die Kinder wieder in die Schule gehen, die Erwachsenen ihren gewohnten Alltagstätigkeiten nachgehen – auch wenn die Situation insgesamt natürlich alles andere als alltäglich ist.“

Psychosoziale Hilfe: Balance wieder herstellen
„Hier ist alles aus der Balance gekommen“, berichtet Matthias Themel, der im Jänner in Sri Lanka eine Strategie für psychosoziale Hilfsmaßnahmen ausgearbeitet hat, „und es gilt, die Balance wieder herzustellen.“ Dazu gehört vor allem eines: Respekt. Respekt vor den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen, vor ihrer Trauer, ihrer ganz persönlichen Art, mit dem Schock umzugehen. „Ich habe nirgends vollkommene Verzweiflung erlebt“, sagt Matthias Themel, „es ist überraschend, wie gefasst die Menschen sind. Doch dass sie lächeln, heißt nicht, dass sie nicht traurig sind.“ Andere Völker, andere Sitten, auch – und gerade – was den Umgang mit starken Gefühlen anbelangt. „Es gilt als sicher, dass Reden in traumatischen Situationen gut tut, weil es einem das Herz erleichtert“, so Themel, „aber es ist nicht in allen Kulturen üblich. Deshalb müssen wir sensibel sein und abwarten, bis die Menschen von alleine kommen.“

CARE: Betroffene um ihre Meinung fragen
Und Gesprächsbedingungen schaffen, in denen es eigentlich um anderes geht als um Gefühle. Den Wiederaufbau des Dorfes etwa. „Uns ist aufgefallen, dass jetzt überall Entscheidungen getroffen werden, von der Regierung, von Hilfsorganisationen und anderen – aber dass niemand die Betroffenen um ihre Meinung fragt“, erzählt der Psychologe. CARE geht da anders vor. „Wir beziehen die Leute sowohl in die Bedarfsanalyse ein als auch in den Entscheidungsprozess und in die Umsetzung“, sagt Themel, „und das ist das beste psychosoziale Projekt überhaupt, weil die Menschen damit wieder eine Perspektive für die Zukunft und Eigenverantwortung entwickeln.“

Psychosoziale Angebote
Die Palette der geplanten Maßnahmen ist weit gefächert. Zum Beispiel klärt CARE die Leute über traumatische Symptome auf, damit sie „komisch“ anmutendes Verhalten ihrer Mitmenschen verstehen. Wichtig ist auch Prävention: Drogen- und Alkoholmissbrauch, Depression und häusliche Gewalt etwa kommen in Folge von großen Krisen und Katastrophen häufig vor. Es werden Anlässe geschaffen, zu denen Menschen zusammenkommen und – ganz nebenbei, wenn es sich ergibt – über das sprechen können, was sie durchgemacht haben. So können die seelischen Wunden langsam heilen. Auch bei Lalitha. Und irgendwann wird sie hoffentlich ihre Leiter beruhigt ins Eck stellen können.

6. November 2005

Kembang Seroja: Hoffnung und Stärke nach der Flut

Symbol der Hoffnung nach der ZerstörungIn Saree ist die Seroja ein Symbol für Hoffnung und Stärke einer kleinen Gruppe von Überlebenden, die sich zusammen geschlossen haben, um das wieder aufzubauen, was der Tsunami im vergangenen Jahr in Indonesiens Provinz Aceh zerstörte. Der Tsunami verwüstete ihre Dörfer vollständig, manche stehen heute noch unter Wasser, eine Rückkehr ist unmöglich.

Aufbau einer neuen Gemeinschaft
Während manche Überlebende nach Hause zurückkehren konnten, um ihre Häuser wieder aufzubauen, beginnen die Menschen in Saree ein neues Leben auf der Insel, hunderte Kilometer weit weg von ihrem zu Hause. Mehr als 50 Familien haben sich hier niedergelassen.

Husna leitet die neu gegründete Frauengruppe
„Ich vermisse mein zu Hause, aber ich bin froh hier zu sein“, sagte Husna, eine der Leiterinnen der neu gegründeten Kembang Seroja Frauengruppe. Sie kam im Jänner nach Saree, mit ihrem Mann und ihrer 7-jährigen Tochter, und zeigt auf ihren Armen die schmerzhaften Narben ihres Entkommens aus den tödlichen Wellen. „Unser Dorf wurde komplett zerstört. Wir können nicht zurückgehen. Hier müssen wir bleiben und in die Zukunft blicken.“

Das neue Zuhause wird geschmückt
Derzeit leben Husna und die anderen Familien in kleinen Holzhütten. Viele Frauen pflanzen Blumen vor ihren Hütten an, und Singvögel hängen in handgemachten Käfigen vor jeder Haustür. Die neue Frauengruppe will Geschichten, Gesundheitsinformationen über ihre Kinder, Fähigkeiten und Ideen für den Aufbau einer neuen Gemeinschaft austauschen.

CARE schafft ein neues Dorf
Saree ist eines der vielen Dörfer in Aceh, das von Grund auf neu wachsen muss. Das Land war bewachsen wie ein Dschungel, doch die CARE MitarbeiterInnen bahnten sich Wege durch das Gewirr von Bäumen und Pflanzen, um neue Straßen, Häuser und Wassersysteme zu bauen. Für viele der hier angesiedelten Menschen wird es das erste Mal sein, dass sie eine eigene Wohnung besitzen. Manche Fischer, deren Existenz zerstört wurde, erlernen hier die Grundlagen der Landwirtschaft.

Der Tsunami zerstörte auch die Gemeinschaft
„Der Tsunami hat nicht nur die Häuser zerstört. Er zerstörte auch die Traditionen, Hoffnungen und die Aktivitäten, die eine Gemeinschaft ausmachen“, sagte Liny Edyawati, CAREs Projektmanagerin des Psychosozialen Programms. „Traditionell formen die Frauen Gruppen und machten €šarisan‘ – eine Form von kommunalen Schulden. Sie vertrauen einander. Aber hier kennen sie sich untereinander nicht, also ist es schwer dieses Vertrauen aufzubauen. Doch sie müssen, da sie alle ein neues Leben beginnen möchten.“

CARE: Wiederaufbau und psychosoziale Hilfe
Während CAREs Bauteam weiter am Aufbau der Häuser arbeitet, versucht das psychosoziale Team, den Familien dabei zu helfen durch berufliche Fortbildung, Gemeinschaftsfeste, Sport und die die Gemeinschaftsaktivitäten wiederherzustellen.

Ein zweites Kind in der neuen Heimat
„Wir planen schon, was wir gerne machen würden. Wir wollen anfangen Kuchen zu backen und ihn am Markt verkaufen“, sagte Husna, als sie ihre Ideen mit den Fingern aufzählt und lächelt breit. „Wir hoffen, dass das Leben besser wird als letztes Jahr.“ Husna ist wieder schwanger und wird im Februar ihr Baby bekommen. Ihr zweites Kind wird in der neuen Heimat aufwachsen.

4. November 2005

„Angst war nicht Teil des Plans “

Man nennt sie „Mama Miti „,die Mutter der Bäume: Über 30 Millionen Bäume hat Wangari Maathai mit tausenden Mitstreiterinnen in ihrer Heimat Kenia gepflanzt, Bäume, die den Menschen im ganzen Land Lebensraum und Lebensgrundlage zurückgegeben haben. Dafür wurde Wangari Maathai im letzten Oktober mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – als erste Afrikanerin überhaupt. Erste war sie in ihrem Leben immer wieder: erste promovierte Frau in Ostafrika, erste Dekanin der Universität in Nairobi, Vorsitzende des National Council of Women in Kenia. 1977 gründet sie ihr Lebenswerk, das Green Belt Movement, von 1994 bis 2001 unterstützte CARE Österreich die Umwelt-und Frauenbewegung. Seit 2002 ist Wangari Maathai, die für ihr Engagement in den Neunzigern mehrmals hinter Gittern landete, Parlamentsabgeordnete der Grünen Partei, seit 2003 Vize-Umweltministerin.

insider: Warum bekommt eine Umweltaktivistin den Friedensnobelpreis?
Wangari Maathai: Die Frage ist berechtigt, denn das norwegische Nobel Komitee hat dem Umweltschutz bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dass es da ein Umdenken gab, finde ich enorm wichtig, denn schauen wir uns doch an, worum die Menschen auf dieser Welt kämpfen. Sie kämpfen um Wasser, um Weideland, um Bodenschätze, kurz: um natürliche Ressourcen. Insofern ist das faire und nachhaltige Management dieser knappen Ressourcen ein sehr, sehr wichtiger Beitrag zur Friedenssicherung -auf lokaler Ebene und weltweit. Das hat das Nobel-Komitee mit dem Preis bestätigt.

 

insider: Ihr Kampf für die Umwelt war bald auch ein Kampf für Demokratie, Menschen- und Frauenrechte. Wie hängt das zusammen?
Wangari Maathai: Jeder Mensch hat das Recht auf eine gesunde Umwelt, sauberes Trinkwasser, Luft und Nahrung. Doch um diese Rechte durchzusetzen, braucht es zweierlei: zum einen eine Regierung, die diese und auch alle anderen Menschenrechte anerkennt. Zum anderen Bürgerinnen und Bürger, die ihre Rechte kennen, einfordern und dabei auch Eigenverantwortung zeigen. Die Menschen müssen verstehen, dass ihre täglichen Probleme -Mangel an Brennholz, Nahrung und sauberem Trinkwasser -direkt mit der zerstörten Natur zusammenhängen. Und mit einer Regierung, die diesen Zustand nicht nur duldet, sondern sogar fördert.

insider: Sie hatten unter der Regierung von Daniel Arap Moi kein leichtes Leben. Wieso hat er Sie verfolgt?
Wangari Maathai: Wir haben die Menschen nicht nur über Umweltschutz, sondern auch über Bürgerrechte informiert. Dadurch haben sie verstanden, dass sie eine diktatorische, verantwortungslose Regierung haben, eine Regierung, die ihre Wälder privatisiert, ihre Umwelt zerstört, Steuergelder hinterzieht. Natürlich war diese Aufklärungsarbeit nicht im Sinne der Regierung. Außerdem haben wir immer wieder in bedrohten Wäldern gegen kommerzielle Abholzung protestiert, da kam es dann auch zu physischer Gewalt gegen uns.

insider: Hatten Sie keine Angst?
Wangari Maathai: Ich kann es am besten so erklären: Angst war nicht Teil des Plans. Wenn wir uns die Frage stellen, was passieren könnte wenn €¦, dann kann da natürlich auch Angst sein, etwa davor zu sterben, Privilegien oder den Job zu verlieren. Aber diese Ängste hindern uns am Fortkommen. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Ziele richten, dann schreiten wir mutig voran. Es ist nicht so, dass ich besonders tapfer wäre oder mich vor den Auswirkungen meiner Handlungen drücke – ich lasse mich nur nicht davon einnehmen.

 

 

 

 

 

4. November 2005

Bäume pflanzen, Frauen stärken

Green Belt Movement
Das Green Belt Movement (dt.: Grüner Gürtel-Bewegung) ist eine klassische Bürgerinitiative. Etwa 600, Frauengruppen im ganzen Land betreuen 6000 Baumschulen. Dort werden Setzlinge gezogen und verkauft, die Frauen verfügen über ein regelmäßiges Einkommen. Über 30 Millionen Bäume sind seit der Gründung des GBM im Jahr 1977 schon gepflanzt worden, in privaten Gärten und in öffentlichen Parks, in Schulhöfen und auf Kirchenplätzen, vor kulturellen Sehenswürdigkeiten und in Nationalparks, in der Stadt und am Land.

Bäume sind nur der Anfang
Die Vision der GBM-Gründerin Wangari Maathai ist eine mündige und eigenverantwortliche Zivilgesellschaft. Das GBM bietet seinen Mitgliedern deshalb Schulungen an, die sie über Umweltschutz genauso aufklären wie über Bürgerrechte. Dabei wird den Frauen klar, wie sie durch den Schutz der Umwelt ihre eigene Lebensgrundlage verbessern können und auch, dass sie ein Recht auf diese Lebensgrundlage haben, ein Recht, das sie auch einfordern können.

Bäume in ganz Afrika.
Die Bewegung ist – trotz jahrelanger Unterdrückung durch den 2002 entmachteten Präsidenten Daniel Arap Moi -so erfolgreich, dass die UNO Wangari Maathai ermutigte, ein länderübergreifendes Netzwerk aufzubauen. So entstand 1986 das Pan African Green Belt Network, das sich über 15 afrikanische Länder erstreckt und nicht nur dem Erfahrungsaustausch dient, sondern auch der Weiterbildung.

4. November 2005

Endlich kann Bakhnazera ihr eigenes Geschäft eröffnen

„Alles beginnt mit einem einzigen Gedanken.“ sagt Bakhnazera, eine der ersten weiblichen Geschäftsbesitzerinnen Kabuls. „Vor neun Jahren unter dem Taliban-Regime, habe ich von einer Boutique geträumt und davon, neue Kleidung für afghanische Frauen zu entwerfen. Jetzt kann ich diesen Traum verwirklichen.“

 

Leidenschaft Mode und Schmuckdesign
Als das Taliban-Regime gestürzt wurde, begann Bakhnazera Niazi wieder als Sprachlehrerin in einer Schule in Kabul zu unterrichten. Aber ihre große Leidenschaft war nach wie vor Mode und Schmuckdesign. Also kreierte sie weiter Kleider, perlenbestickte Gürtel, Halsketten und Halstücher, die sie an Freundinnen und Nachbarinnen verkaufte.
 

 

Sechs Jahre ohne Bildung und Arbeit
Ein eigenes Geschäft zu eröffnen, ist für eine Frau in Kabul sehr schwierig, nur Besitzerinnen von Schönheitssalons werden einigermaßen akzeptiert. Das Taliban-Regime hatte Frauen sechs Jahre lang jede Bildung und öffentliche Arbeit untersagt. Noch immer ist das Selbstbewusstsein, der Glauben in ihre eigenen Fähigkeiten in den meisten afghanischen Frauen tief erschüttert.
 

 

CARE sucht Leiterin
Als CARE den Posten der Leiterin einer Kleiderboutique ausschrieb, meldete sich Bakhnazera, die mittlerweile 27 Jahre alt und Mutter vierer kleiner Kinder ist, und war überglücklich als beste Bewerberin das Rennen gemacht zu haben.

30 Witwen als Näherinnen
„Vielleicht lachen mich manche Männer aus, weil alle meine Kleider handgemacht sind, aber ich bin stolz darauf, alles selbst herzustellen und dabei noch anderen Frauen, die weniger Glück hatten als ich, helfen zu können.“ So konnten 30 Witwen, die von CARE ausgebildet wurden, als Näherinnen angestellt werden.

 

Die Näherinnen in Bakhnazeras Geschäft
Die Situation von Witwen in Afghanistan ist nach wie vor äußerst prekär. Viele wurden vom Tod ihres Mannes im Krieg schwer getroffen, hohe Schulden und der Ausschluss aus der Gesellschaft sind nur zwei der zahlreichen gravierenden Folgen. Viele Witwen müssen ihre Kinder auf die Straße schicken und verschulden sich dennoch immer weiter.

 

Einkommenssicherung und psychosoziale Beratung
CARE stellte vor Beginn des Projektes fest, dass 75% der Witwen von weniger als 16 Euro pro Monat leben müssen, 45% davon von weniger als der Hälfte. Aber neben Arbeit und Ausbildung bietet CARE den Frauen auch psychosoziale Beratung an, die in hohem Maße in Anspruch genommen wird.

Zargona näht in Bakhnazeras Geschäft
Eine der Näherinnen in Bakhnazeras Geschäft, Zargona, verlor ihren Mann vor 14 Jahren. Sie hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Durch das Projekt lernte sie nähen und macht mittlerweile sehr schöne Kleider. „Früher habe ich Wäsche gewaschen, damit konnte ich jeden Tag etwa 80 Cent verdienen, mein 14-jähriger Sohn verkaufte Plastikfolien auf der Straße, was höchstens 35 Cents einbrachte. Jetzt verdiene ich viel mehr, ich verkaufe meine Kleider auch an Verwandte und Nachbarinnen. Außerdem bin ich einem Sparverein beigetreten und ich konnte bereits 2000 Afa (uro) sparen!“

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„Endlich haben die Kinder genug zu essen!“
Parween ist eine weitere Näherin im Geschäft, sie ist seit 5 Jahren verwitwet und hat drei Kinder, einen siebenjährigen Buben und zwei Teenagerinnen. „Dieses Projekt hat mir in vielerlei Hinsicht geholfen. Früher konnte ich meinen Kindern nur zwei Mal täglich eine karge Mahlzeit bieten, jetzt müssen Sie nicht mehr hungrig vom Tisch aufstehen. Früher habe ich Decken geflickt, ich war in allen Geschäften hoch verschuldet, weil ich nie genug Geld für das wenige Essen hatte, das ich dringend brauchte. Die Schulden konnte ich inzwischen abbezahlen. Durch das CARE-Programm habe ich auch lesen und schreiben gelernt. Ich will unbedingt, dass mein Sohn die Schule abschließt, damit er einmal einen guten Arbeitsplatz finden kann.“

 
Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit für Frauen
Der zentrale Punkt dieses Projektes, das die Eigenständigkeit afghanischer Frauen fördert, ist das Stillen des Bedürfnisses nach positiven weiblichen Rollenmodellen.

 

Selbstvertrauen schaffen
Als Bakhnazera die Leitung der Kleiderboutique übernommen hatte, wurde sie von CARE ausgebildet und unterstützt, um sicher zu gehen, dass sie die nötigen Voraussetzungen und das Selbstvertrauen für ein wachsendes Unternehmen hat. In wenigen Wochen hatte Bakhnazera das Geschäft renoviert, neu möbliert und arbeitete bereits sehr schwer am Erfolg des Geschäftes.

Mode als Form des Selbstausdrucks
Obwohl sich Bakhnazera der Wichtigkeit ihrer Rolle als Ausbilderin und Arbeitgeberin für Frauen wie Zargona und Parween bewusst ist, ist sie davon überzeugt, dass ihre Arbeit weitaus größere Auswirkungen hat. „Mode ist auch eine Form des Selbstausdrucks, gerade für Frauen. Dieses Recht hat man afghanischen Frauen sehr lange abgesprochen.“
 

 

CARE: Psychologische Beratung
Zwar haben Frauen in Afghanistan mittlerweile etwas mehr Freiheiten, doch ist die ökonomische Situation für sie nach wie vor extrem schwierig. Weitere Abhängigkeiten durch Schulden und Kinderarbeit sind die Folgen. Viele Witwen leiden auch unter posttraumatischen Stresssymptomen, weshalb CARE psychologische Beratungen anbietet, die in hohem Maße in Anspruch genommen werden.
 

Eine selbstbewusste und unabhängige Zukunft
Die Wirkung von positiven Rollenmodellen für Frauen hält mit Sicherheit lange an, doch die Hauptaufgabe von CARE besteht darin, die 10.000 Witwen, die an diesem Projekt teilhaben, auf eine selbstbewusste, unabhängige Zukunft vorzubereiten.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. November 2005

Gemeinsam stark: CARE und der WWF ziehen an einem Strang

Armut macht Zukunftsplanung unmöglich
Arme Menschen nutzen jede Ressource, die sie finden können, und zwar mangels Alternativen so viel davon, wie sie eben brauchen, um ihr Leben bestreiten zu können. Dass dieses Zuviel auf Kosten ihrer eigenen Zukunft geht, wissen sie nicht, denn dazu fehlt es oft an Bildung. Es fehlt aber auch an Motivation, denn oft gehört den Menschen das Land, auf dem sie leben, gar nicht. Wozu also in die Zukunft denken?

CARE und die Naturschutzorganisation WWF
Anlässlich des Umwelt-Weltgipfels in Johannesburg 2002 haben sich zwei weltweit anerkannte Organisationen zusammengeschlossen, um dieses Problem gemeinsam zu lösen: CARE und die Naturschutzorganisation WWF.

Landrechte klären
Sie verfolgen seitdem zwei Forderungen. Erstens: den Zugang der Armen zu natürlichen Ressourcen sichern und verbessern. Das bedeutet vor allem, Landrechte zu klären. Denn Menschen sind viel eher bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn es um Eigenes geht.

Motivation zur Sicherung der natürlichen Resourcen
Zweitens: jene Menschen fair entschädigen, die natürliche Ressourcen bewahren. Etwa wenn die Bewohner eines Hochlands Anstrengungen auf sich nehmen, um der Talbevölkerung sauberes Trinkwasser (erantwortungsvollen Umgang mit Wasserquellen) und Muren- oder Lawinenschutz (eine Bäume gerodet, werden) zu sichern.

4. November 2005

Äthiopien: Das 1×1 des Naturschutzes

Wissen über Erosion schon in der Schule
Was Bodenerosion ist, weiß Meles längst. Schließlich hat er in der Schule aufgepasst, als die Lehrerin erklärte, dass Bäume den Boden vor Regen und Wind schützen. Und dass die trockene Erde, wenn es keine Bäume gibt, einfach weggeschwemmt oder verblasen wird. Meles hat die Auswirkungen von Bodenerosion aber auch schon oft gesehen. Immer wenn er für den Vater das Vieh hütet, findet er neue Erdgräben und Risse in den Wiesen.

Überlebenskampf kommt vor Vorsorge
Auch die Erwachsenen in Meles‘ Heimatort Debre Tabor kennen Erosion, die meisten von ihnen sind Bauern. Sie erleben, dass die Ernteerträge immer magerer werden, so wie die Rinder, die auf den Wiesen immer weniger Futter finden. Sie wissen, dass Bäume oder Dämme den Lauf des Wassers an den Berghängen abbremsen würden und dass damit Erosion zu vermeiden wäre. Theoretisch wissen sie das.

Dürre und Hunger
Praktisch waren andere Dinge dringender. Debre Tabor liegt in Süd-Gondar, einer besonders Hunger gefährdeten Region in Äthiopien. Regelmäßige, manchmal jahrelange Dürreperioden führen immer wieder zu Ernteverlusten und zu einem rapiden Rückgang des Viehbestandes – oft die wichtigste Wertanlage einer Familie. In Farta, einem der neun Bezirke in der Region Süd-Gondar, benötigten nach der letzten Dürrekatastrophe im Jahr 2000 etwa 100.000 Menschen Lebensmittelhilfe, das ist fast die Hälfte aller EinwohnerInnen. 23 Prozent der Bevölkerung litt an Unterernährung, 65 Prozent der Kinder waren akut oder chronisch unterernährt.

Teufelskreis führt in die Abhängigkeit
Und der Hunger blieb, selbst als sich die Natur zu erholen begann. Denn die Rinder waren verkauft oder geschlachtet worden. Damit fehlten die Zugtiere für den Pflug und anstatt das Saatgut auf den Feldern auszusäen, hatten sich die Menschen davon ernährt. Als endlich der Regen kam, gab es kein Saatgut mehr, das man aussäen hätte können. Die Abhängigkeit von der Lebensmittelhilfe wurde immer größer.

Straßen, Lager und Dämme
CARE betreibt seit 2002 ein Projekt im Bezirk Farta. Und nein: Lebensmittel werden dabei keine verteilt. Zumindest nicht einfach so. „Die Dürre ist keine Katastrophe“, sagt Andreas Zahner, der das Projekt bei CARE Österreich betreut, „zur Katastrophe wird sie erst, wenn der Mensch nicht damit umgehen kann.“ Und er sagt auch: „Die nächste Dürre kommt bestimmt. Die Frage ist: Wie kann die Bevölkerung sie besser überstehen, ohne hungrig zu sein und ohne dass die Umwelt leidet?“

CARE hilft weiter: Straßen und Lagerhäuser
Die Antwort auf diese Frage ist zunächst einmal logistischer Natur. Man hat Straßen gebaut, um im Fall der Fälle Hilfslieferungen auch in entlegene Dörfer transportieren zu können. Und Lagerhäuser, um die angelieferte Nahrung speichern zu können. Oder um Vorräte anlegen zu können, wenn die Erträge gut sind und die Rinder satt.

Dämme, Kanäle und Wasserreservoirs
Die Antwort ist in zweiter Linie ökologischer Natur. Man baut Dämme, Kanäle und Wasserreservoirs. Um die Erosion aufzuhalten und die Böden weniger anfällig für Extremdürre zu machen. Wo die Straßen, Lagerhäuser, Bewässerungssysteme und Dämme errichtet werden, haben die BewohnerInnen selbst entschieden. Auch an den Bauarbeiten sind nur ÄthiopierInnen beteiligt. Bezahlt werden die ArbeiterInnen Tag für Tag mit Lebensmitteln.

Training über nachhaltige Anbaumethoden
So wie Meles‘ großer Bruder Jateni, der damit wesentlich dazu beiträgt, dass alle in der Familie satt werden. Nebenbei absolviert er, gemeinsam mit dem Vater, auch noch ein Training über nachhaltige Anbaumethoden. Die Tage, an denen die beiden ihren Kurs besuchen, sind übrigens Meles‘ Lieblingstage. Denn das CARE-Büro liegt gleich neben seiner Schule, und während Meles das kleine Einmaleins büffelt, studieren sein großer Bruder und sein Vater im Nachbarhaus das Einmaleins der ökologischen Landwirtschaft.

4. November 2005

CARE Österreich präsentiert neue Fachpublikation zur Suchtprävention in Osteuropa

In Kürze wird die neue wissenschaftliche Fachpublikation „Empowering NGO’s in Drug Demand Reduction“, herausgegeben von Silvia Franke und Matej Sande, in Wien präsentiert. Sie bildet den Abschluss eines Gemeinschaftsprojektes von CARE Österreich, CARE Bulgarien und dem Verein österreichischer Drogenfachleute zum Thema Suchtprävention in Osteuropa. Fachartikel von 15 AutorInnen aus zehn verschiedenen Organisationen in sechs europäischen Ländern wurden dafür zusammengestellt.

Drogenproblematik in Osteuropa
Laut UNO nähert sich die Drogen-Verbreitung in Osteuropa rasant dem westeuropäischen Niveau an, obwohl sie noch in den 1990er-Jahren weit hinter Westeuropa lag. Neuere Präventionsansätze wurden bislang in osteuropäischen Ländern kaum praktiziert. Eine Kooperation zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen ist keine Selbstverständlichkeit, hat sich aber (sterreichischer Erfahrung) gerade im Bereich der Sucht- und Präventionsarbeit als unumgänglich herausgestellt.<,br />
Das CARE-Projekt
Ziel des CARE-Projektes war es daher, die fachliche Kompetenz der Organisationen in vier osteuropäischen Ländern – Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Slowenien – zu stärken, um lokale Maßnahmen zu primärer Suchtprävention und Frühintervention besser und effizienter managen zu können. Großer Wert wurde darauf gelegt, dass EU-ExpertInnen direkt mit osteuropäischen ExpertInnen arbeiten, die den lokalen Kontext in ihren Gemeinden bestens kennen. Diese 160 Personen wurden in internationalen „Train the Trainer“-Seminaren dazu befähigt, selbst nationale Trainings durchzuführen. Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit der ÖNB, dem Land Oberösterreich und CARE finanziert.

Neues Buch gibt gesammeltes Fachwissen weiter
Ziel der aus dem Projekt heraus entstandenen aktuellen (Publikation ist es nicht nur, die Nachhaltigkeit und Sichtbarkeit der Seminarinhalte und Projekterfahrungen, zu gewährleisten, sondern auch einen Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs im Bereich Suchtprävention zu leisten. Dadurch werden auch andere Organisationen ermutigt, an internationalen Trainingsprojekten teilzunehmen.

Kompetente HerausgeberInnen
Silvia Franke, die für Österreich als National Team Leader das Projekt begleitete, ist Suchtexpertin, Fortbildungsbeauftragte und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Österreichischen Vereins für Drogenfachleute. Von 1994 bis 2001 war sie Leiterin des Instituts für Suchtprävention der Stadt Wien, heute arbeitet sie als Psychotherapeutin und Trainerin. Matej Sande, Sozialpädagoge und Assistent an der Fakultät für Erziehung, Abteilung für Sozialpädagogik in Ljubljana (nahm ebenfalls als National Team Leader an dem Projekt teil. Er ist Präsident, der slowenischen Partnerorganisation DrogArt, die mit schadensminimierendem Ansatz speziell im Bereich von Partydrogen aktiv ist.