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News

7. November 2005

„Ohne starke Frauen funktioniert keine Gesellschaft“

Frauen sind von Krisen direkter betroffen
Ob internationale Krisensituation oder regionale Wirtschaftsflaute – Frauen sind meist diejenigen, die direkter, unmittelbarer, und intensiver betroffen sind. In Österreich wurden etwa Millionen für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen gestrichen und Frauen sind die Verliererinnen der neuen Pensionsbestimmungen.

Frauen in Krisensituationen unterstützen
Besonders dramatisch wird es, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. So ist es in Wien etwa mangels finanzieller Bundesmittel nicht mehr möglich, den Betrieb der so genannten Interventionsstellen – einem wesentlichen Instrument des „Wegweiserechtes“, das Frauen in ihren eigenen vier Wänden vor Gewalt ausübenden Partnern schützt – in der benötigten Weise aufrechtzuerhalten. „Die Interventionsstellen können in einigen Bezirken Wiens nicht arbeiten“, ist die Geschäftführerin der Wiener SP-Frauen, Martina Ludwig,empört, „was bedeutet, dass betroffene Frauen in einer schrecklichen Situation alleine gelassen werden.“ Gemeinsam mit der Geschäftsführerin von CARE Österreich ruft sie nun auf, Frauen vor allem in Krisensituationen intensiv mit professioneller Unterstützung zu versorgen.

Bedrohtes Geschlecht
Frauen sind weltweit kein geschütztes, sondern ein bedrohtes Geschlecht: Laut Schätzungen der UNO werden 700.000 bis zwei Millionen Frauen pro Jahr weltweit unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verschleppt und zur Prostitution gezwungen.

Armut, Krankheit und häusliche Gewalt
Eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen – 70 % davon sind Frauen. Zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind ebenfalls Frauen. Ungebildete Mädchen heiraten früh, bekommen mehr Kinder und sind wiederum anfälliger für Armut, Krankheit und häusliche Gewalt.

CARE: „Ohne starke Frauen funktioniert keine Gesellschaft“
Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist immer häufiger ein bewusst eingesetztes Instrument in Konfliktgebieten. Ob im Balkankonflikt, in Darfur oder in Burundi – Vergewaltigungen sind alltäglich. „Wir sehen in unserer täglichen Arbeit in den CARE-Projektländern, dass Frauen in den meisten Gesellschaften noch immer am Stärksten benachteiligt – ja, bedroht – sind“, sagt die Geschäftsführerin von CARE Österreich. Ziel von CARE sei es „dass Frauen wie Männer denselben Einfluss ausüben, denn ohne starke Frauen funktioniert keine Gesellschaft.“

7. November 2005

CARE-Hilfe in Tansania: Wald in Not

Ein einzigartiges Öko-System
Pemba hat alles, was eine Trauminsel braucht: Palmen am weißen Sandstrand, blitzblaues Meer, bunte Korallenriffe, in denen sich Meeresschildkröten und riesige Mantarochen tummeln, eine üppige Vegetation, die Pemba auch den arabischen Namen Al-huthera, die Grüne, eingebracht hat. Besonders grün ist der Nordzipfel der Insel, dort liegt der Ngezi-Vumawimbi-Nationalpark. Er ist Heimat für tausende einzigartige Pflanzen und Tiere, etwa den Pemba Flying Fox, eine Fledermausart, die es weltweit nur hier gibt. Pemba ist ein Paradies.

Vertreibung aus dem Paradies?
Doch Paradiese haben, wie man weiß, den Nachteil, dass schnell Schluss sein kann damit. In Pemba, beziehungsweise in Ngezi ist der Sündenfall kein Biss in den verbotenen Apfel, sondern Fischerei, Jagd, Holzungen und Anbau landwirtschaftlicher Produkte. Rund 11.000 Menschen leben rund um den Nationalpark, sie sind arm – und abhängig von dem, was der Wald hergibt.

Schutz für Mensch und Wald
Nach dem Vorbild von Jozani, einem bereits abgeschlossenen CARE-Projekt auf Pembas Nachbarinsel Sansibar, läuft seit Anfang des Jahres in Ngezi ein Projekt, das den Anrainern alternative Einkommensquellen erschließen und so den Druck auf den Wald verringern soll. In Workshops haben die Bewohner gemeinsam mit Vertretern der Behörden und CARE ihre Bedürfnisse erhoben. Ideen gibt es viele: Für Brenn-und Bauholz werden etwa außerhalb des Waldes schnell wachsende Bäume gepflanzt. Pemba ist ein wichtiges Zentrum für traditionelle Medizin, also wird der Anbau von Heilkräutern forciert. Und auch ein Rinderzuchtprogramm werden die Bewohner gemeinsam mit CARE durchführen.

Sanfter Öko-Tourismus
Der größte Hoffnungsträger aber ist der Tourismus. Pemba ist schön, doch wegen der besseren Erreichbarkeit steigen Touristen eher auf der Nachbarinsel Sansibar ab. Im Auftrag von CARE hat Christian Baumgartner, Tourismusexperte vom Institut für integrativen Tourismus und Entwicklung, dazu nun eine Studie verfasst. Darin setzt er vor allem auf nachhaltigen Öko-Tourismus und schlägt für den Start eine Öko-Lodge vor, ein Gästehaus, das die Gesetze des Waldes und der Tiere in den Vordergrund stellt. Um nicht einzelne Familien oder Dörfer zu bevorzugen, soll die Lodge gemeinschaftlich geführt werden. CARE wird dabei Trainings für die Menschen anbieten.

7. November 2005

Erfolgreiche CARE Benefizauktion im Naturhistorischen Museum

Kunstwerke aller Art wurden versteigert
Professionelle KünstlerInnen und HobbykünstlerInnen haben Kunstwerke aller Art für diesen guten Zweck zur Verfügung gestellt: Keramik, Aquarelle, Fotografien und sogar ein Schachbrett gab es zu ersteigern. Die professionelle Abwicklung der Versteigerung wurde durch einen Auktionator des Wiener Dorotheums gewährleistet, unentgeltlich für CARE: „Es sind nicht nur viele schöne Stücke, sondern auch bekannte Namen dabei. Ein Ernst Fuchs oder eine Eva Haselsteiner werden auch im Dorotheum immer wieder versteigert.“

CARE-Projekt für psychosoziale Unterstützung in Indonesien
Die 3450 € werden an das CARE-Projekt für psychosoziale Unterstützung in Indonesiens Region Aceh gehen. Nach dem verheerenden Seebeben am 26. Dezember ist Indonesien das am schlimmsten betroffene Land: Über eine Million Menschen hat der Tsunami schwer getroffen, davon hat mehr als die Hälfte kein Dach mehr über dem Kopf. Verwüstung und Verluste haben tiefe Wunden in den Seelen vieler Menschen hinterlassen. Diese Wunden zu heilen, braucht nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch professionelle Unterstützung. CARE Österreich startet daher ein dreijähriges Programm, das die Menschen auf psychosozialer Ebene unterstützen wird. CARE wird sich dabei auf die Regionen Bandah Aceh, Aceh Besar und Simeulue konzentrieren.

Bedürfnis nach Sicherheit
Die ersten Schritte des Projektes erklärt die Geschäftsführerin CARE Österreich, den Zuhörern folgendermaßen: „Hunger und Durst sind jetzt weitgehend gestillt, die meisten haben – zumindest vorübergehend – wieder ein Dach über dem Kopf. Aber damit ist es nicht getan. Gleich danach kommt das Bedürfnis nach Sicherheit. Solange die Menschen sich nicht sicher fühlen, dominiert Angst ihr Leben. Sie haben Angst vor einer neuen Flutwelle, sie haben Angst in ihre Häuser zurückzukehren und sie haben oft Angst über das Erlebte zu sprechen. Das erste Ziel in dem CARE-Projekt für psychosoziale Unterstützung, ist diesen Ausnahmezustand zu beenden.“

Engagierte Organisatorinnen
Die beiden engagierten Organisatorinnen des Versteigerungsabend im Wiener Naturhistorischen Museum, Jutta Devenish und Victoria Grögl, sind mit dem gelungenen Abend glücklich: „Wir haben sehr viel Zeit und Energie in diese Veranstaltung gesteckt. Und das alles neben unserem Mutter- bzw. Job-Dasein. Natürlich ist man zuvor immer unsicher, wie viel Leute tatsächlich kommen werden. Mit über 100 Gästen und € 3450 sind wir mehr als zufrieden“, so Devenish.

CARE bedankt sich herzlich bei den KünstlerInnen, dem Wiener Dorotheum, den Sponsoren (ie Putzerei, Dürnberg, Contor, db) und den OrganisatorInnen für die, großartige Aktion.

7. November 2005

Kinderrechte sind virtuell

Sie hat sich selbst einmal als „sanfte Revoluzzerin“ bezeichnet. Weil sie im Bürokratie-Dschungel mitunter auch unausgetretene Wege einschlägt. Dabei hat Monika Pinterits immer nur eines im Sinn: Als Leiterin der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft kämpft die 52-Jährige seit 1999 für die Rechte von Minderjährigen, hilft und vermittelt bei Gewalt in der Familie, sexuellem Missbrauch, Pflegschaftsstreitigkeiten oder sonstigen Problemen mit den Eltern.

CARE: Was bedeutet der Begriff Kinderrechte?
Pinterits: Kinderrechte sind die Grundlage für eine kindergerechte Gesellschaft. Kinder und Jugendliche haben natürlich Menschenrechte, so wie alle, aber bestimmte Rechte, die uns Erwachsenen selbstverständlich sind, werden ihnen vorenthalten, zum Beispiel das Wahlrecht. Kinder haben oft Recht, aber sie haben viel zu wenig Rechte.

CARE: Im Österreich-Konvent wurde auch über Kinderrechte diskutiert und darüber, diese einklagbar zu machen. Werden Kinder in Zukunft zu Gericht ziehen?
Pinterits: Nein. Aber einklagbare Verfassungsgesetze sind ein verpflichtender Mindeststandard. Der Gesetzgeber könnte dann keine Gesetze mehr erlassen, die gegen diesen Mindeststandard verstoßen. Oder muss bestehende Gesetze entsprechend anpassen. Derzeit haben Kinderrechte ja so etwas wie eine virtuelle Realität. Sie sind zwar da, aber sie haben keine Auswirkungen. Dass Kinder ein Recht darauf haben, ihre Umwelt mitzugestalten, sickert nur sehr langsam in die Köpfe der Erwachsenen.

CARE: Womit sind Sie hier in der Kinder- und Jugendanwaltschaft am häufigsten konfrontiert?
Pinterits: Zum einen mit Gewalt und sexuellem Missbrauch, zum anderen mit dem Thema Trennung, Scheidung, Besuchsrecht, Alimente €¦ Immer öfter hören wir auch: „Ich halte es zuhause nicht mehr aus.“ Wir beobachten, dass die Ressourcen in den Familien weniger werden, damit meine ich gemeinsame Zeit, Kommunikation, echtes, aufmerksames Zuhören und aufeinander Eingehen. Wichtig ist auch der Umgang mit Konflikten, da gibt es wenig eigene Lösungen. Generell gilt: Die Eltern sind unter Druck und geben den an die Kinder weiter.

CARE: Trotzdem kann man doch sagen, dass es Kinder und Jugendliche hierzulande weit besser haben als woanders.
Pinterits: Sicher, im Vergleich zu anderen Staaten steht Österreich gut da. Geschätzte 1,2 Millionen Kinder sind weltweit Opfer von Menschenhandel, rund zwei Millionen werden zur Prostitution gezwungen. Dennoch sind Kinderrechte auch bei uns ein wichtiges Thema und noch lange nicht zur Zufriedenheit erledigt. Österreich muss regelmäßig einen Bericht zur Situation der Kinderrechte an den UNO-Kinderrechtsausschuss in Genf abliefern. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft erstellt derweil gemeinsam mit anderen nichtstaatlichen Organisationen – den Pfadfindern etwa, den Kinderfreunden und anderen – einen so genannten „Schattenbericht“. Und da kommt es schon immer wieder zu Diskrepanzen, etwa bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die bei uns immer noch in Schubhaft landen. Im offiziellen Bericht liest man darüber nichts.

CARE: Woran liegt es, dass Kinderrechte immer noch so häufig missachtet werden?
Pinterits: Das hat mit Achtung und Wertschätzung zu tun. Wenn ich Kinder als gleichberechtigte Individuen wahrnehme, dann haue ich auch nicht so leicht hin. Es geht um ein anderes Bild im Kopf der Menschen.

7. November 2005

Mali: Verheißungsvolles Leben in der Stadt?

Dazu war Djenebas Realität zu hart.
Jeden Tag stand sie vor Sonnenaufgang auf, um noch vor der Schule die Gemüsefelder zu gießen. Das Wasser dazu holte sie Kübel für Kübel von einem Teich. Dann ging sie und holte Trinkwasser für den ganzen Tag. Sie half ihrer Mutter bei der Zubereitung von Frühstück und Abendessen für die Familie. Nach der Schule goss sie noch einmal die Felder, putzte das Haus und wusch Wäsche.

Djeneba wollte ein leichteres Leben.
Sie wollte nach Bamako. Sie stieg ins Buschtaxi und fuhr 450 km weit von ihrem Heimatdorf Sangha in die Hauptsstadt von Mali. „Alle meinten, es wäre eine gute Idee“, sagt Djeneba, „aber als ich dort ankam, war es nicht so, wie wir gedacht hatten.“ Mit Hilfe ihres Cousins fand sie einen Job als Dienstmädchen. Ein leichteres Leben hatte Djeneba dort nicht, im Gegenteil, die Arbeit war noch härter und in die Schule ging sie nun gar nicht mehr.

Nach zwei Monaten wollte sie zurück in ihr altes Leben nach Sangha.
Der Cousin hatte Verständnis, er gab ihr Geld für die Rückreise und die Schulgebühren. Jetzt, zwei Jahre später, besucht Djeneba die siebente Schulstufe und hofft, eines Tages Ärztin zu werden. Ihre Familie hat ihr tägliches Arbeitspensum verringert, damit sie mehr Zeit zum Studieren hat.

Djeneba hatte Glück.
Sie konnte ihre Schulausbildung wieder aufnehmen, sie war gesund und weder Opfer von Menschenhandel noch schwanger. Hunderte andere Kinder haben nicht so viel Glück, wenn sie vom Land in die Hauptstadt Bamako gehen. Gesprochen wird über die Gefahren und Schwierigkeiten nicht. In die Stadt zu gehen, hat enormes Prestige und wer zugibt, dass er es dort nicht geschafft hat, dass es gefährlich ist und eigentlich gar nicht so toll, verliert sein Gesicht.

Verkaufte Kinder.
Und sie hat nichts Falsches gehört. Exakte Zahlen gibt es freilich keine, aber Schätzungen zufolge sollen schon bis zu 20.000 Kinder in die benachbarte Elfenbeinküste verkauft worden sein. Kinder, die freiwillig ihre Dörfer und Familien verlassen haben, die in der Hauptstadt aus Not aber zu leichten Opfern für die Menschenhändler wurden. Die Regierung von Mali hat mit der Elfenbeinküste ein Abkommen unterschrieben, das die Rückkehr der Opfer erleichtert, das gesetzliche Mindestalter für Arbeiten jeder Art liegt bei 14 Jahren, Schulpflicht herrscht – zumindest theoretisch – bis zur neunten Schulstufe. Doch bei allen guten Absichten fehlt es am üblichen: dem Geld und an der notwendigen Infrastruktur.

Bildung schützt.
CARE fördert Schulprojekte in den Regionen Ségou und Mopti, wo auch Djeneba lebt und wo viele Landflüchtige herkommen. Kinder, die in die Schule gehen, sind besser vor den Gefahren des Menschenhandels gewappnet. Es geht auch darum, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen und Perspektiven für die Jungen zu schaffen, die woanders liegen als in der verheißungsvollen Stadt. Bis 2007 will CARE mit seinen Projekten an die 16.000 SchulabbrecherInnen und rund 30.000 SchülerInnen erreichen. Ein ehrgeiziges Ziel? Sicher. Aber eines, für das es sich lohnt zu kämpfen.

7. November 2005

Darfur/Sudan: Die vergessene Katastrophe

Es ist der Zynismus unserer Mediengesellschaft: Sendeminuten sind knapp, genauso wie die Spalten und Zeilen in Zeitungen und Zeitschriften. Da haben nur die aktuellsten Meldungen Platz, alles andere fliegt raus. Der Sudan zum Beispiel.

Asaan ist 18 Monate alt. Sie ist zu schwach, um den Kopf zu heben, sechs Monate Flucht haben ihrem kleinen Körper schwer zugesetzt, dazu akute Unterernährung, Fieber und Infektionen.

Samia ist 5 Jahre alt. Sie ist Asaans Schwester und spricht nicht mehr. Das Mädchen musste mit ansehen, wie ihr Vater erschossen und die Mutter von Fremden vergewaltigt wurde.

Achmet ist zwölf Jahre alt. Er spricht ein bisschen Englisch. Als er vor einigen Wochen nach der Schule nach Hause kam, stand sein Dorf in Flammen – verlassen. Eine Gruppe vorbeiziehender Flüchtlinge brachte ihn mit in das Lager. Sein größter Stolz ist sein Schulheft – das hat keiner hier. Jede Seite im Heft zeigt Omnibusse. Nur mit dem Bus könne er sich auf die Suche nach seiner Familie machen – wenn sie noch lebt, fügt er leise hinzu.

Fatma ist 15 Jahre alt. Sie wurde stundenlang von Mitgliedern der Janjaweed-Milizen vergewaltigt, doch sie findet kein Mitleid, im Gegenteil. Als sie schwanger wurde, wollte ihr Vater sie aus dem Haus werfen, nur mit Mühe konnte sie bleiben. Jetzt reden die Nachbarn schlecht über sie, sagen, sie sei ein schlechtes Mädchen, weil sie dieses Janjaweed-Kind hat. Fatma schämt sich.

Asaan, Samia, Achmet und Fatma sind nur vier von über einer Million Menschen, die in Darfur auf der Flucht sind. 450.000 von ihnen suchen Schutz in nicht betroffenen Dörfern und größeren Städten. Der Rest ist in Flüchtlingslagern untergebracht oder noch unterwegs.

• CARE versorgt monatlich 400.000 Menschen mit Lebensmitteln, Decken, Seifen, Wasserkanistern und anderen überlebensnotwendigen Hilfsgütern.
• Im Flüchtlingslager El Sharif in Nyala werden 10.000 Menschen medizinisch betreut. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gesundheitssicherung von schwangeren Frauen, HIV/AIDS-Kranken und auf dem Thema Familienplanung.
• Zwei mobile Kliniken aus Österreich versorgen rund um Nyala etwa 800 Menschen pro Woche.
• CARE betreibt in Nyala ein therapeutisches Ernährungszentrum für mehr als 100 unterernährte Kinder pro Tag.
• CARE versorgt 265.000 Flüchtlinge in fünf Flüchtlingslagern mit Trinkwasser, Sanitäreinrichtungen und Hygieneartikeln.
• Im benachbarten Tschad leitet CARE vier von zwölf Flüchtlingslagern und betreut dort 47 Prozent (75) aller Flüchtlinge.

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7. November 2005

Burundi: Missbraucht und verstoßen

Sexuelle Gewalt an Frauen ist nicht nur im ostafrikanischen Burundi ein Tabuthema. Doch gerade in einer Gesellschaft, in der missbrauchte Frauen von ihren Familien und Ehepartnern verstoßen werden, ist Aufklärungsarbeit und die medizinische und psychosoziale Betreuung vergewaltigter Frauen dringend von Nöten.

 

Vergewaltigung vor den Augen der Kinder
Für die 36jährige Christine Nahimana wurde ein Alptraum Realität. Eines Abends als sie gerade ihre drei Kinder ins Bett gebracht hatte und sich zu ihrem Mann ins Wohnzimmer setzen wollte, drangen mehrere bewaffnete Männer in ihr Haus ein. Ihr Mann wurde gefesselt, ihre Kinder geweckt, die ganze Familie wurde dazu gezwungen zuzusehen wie Christine wieder und wieder vergewaltigt wurde.

Sexuelle Gewalt: Tabu und Angst
Doch das ist erst der Anfang von Christines Leidensweg. In dem kleinen Ort Mutimbuzi im zentralafrikanischen Land Burundi, ist sexuelle Gewalt ein absolutes Tabuthema. Frauen erleiden ein psychisches wie physisches Trauma, während Männer die Konsequenzen fürchten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Frau mit HIV infiziert wurde? Was, wenn sie vom Vergewaltiger schwanger wird? Angst und Scham treiben viele Männer dazu, ihre Frauen aus dem Haus zu werfen.
 

 

CARE: Medizinische und psychologische Betreuung
Christine hatte Glück und wurde von Nachbarn aufgenommen. Und diese Nachbarn hatten an einem von CARE organisierten Training teilgenommen. Folglich kannten sie die richtigen AnsprechpartnerInnen und Christine wurde sofort medizinisch und psychologisch betreut. Die von CARE nominierten Gemeindeführer organisierten ein Treffen mit Christines Ehemann, in dem sie ihn an ihrem Wissen teilhaben ließen. Dass seine Frau innerhalb von 72 Stunden getestet und behandelt wurde, dass sie weder HIV-infiziert noch schwanger sei.
 

 

Für die Zukunft unserer Kinder
Durch das Gespräch der Gemeindeführer konnte Christine nach Hause zurückkehren. Ihr Mann entschuldigte sich für seine Reaktion und setzt sich mittlerweile dafür ein, dass die CARE-Hilfe in Burundi noch bekannter wird. „Dieses Frauenprojekt hat Männer anfangs nicht interessiert.“ bestätigt er. „Mittlerweile haben wir aber verstanden, dass sexuelle Gewalt keine Frauenangelegenheit ist, sondern uns alle angeht. Für die Zukunft unserer Kinder.“

 

 

 

 

 

7. November 2005

Nach der Flutkatastrophe: Seelenpflaster

Eine Leiter für Lalitha
Die Menschen in Batticaloa, einem Ort an der Ostküste von Sri Lanka, laufen immer noch vor der Welle davon, auch jetzt noch, Monate nach der Katastrophe. Auch Lalitha hat Angst. Sie ist acht Jahre alt. Ihren Vater und mehrere Verwandte hat das Wasser genauso weggeschwemmt wie das Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Um ihr die Angst zu nehmen, zumindest ein bisschen, haben Mutter und Tante eine Leiter für Lalitha gebaut. So kann sie schnell auf eine Palme klettern, wenn der Tsunami wieder kommt.

Sich wieder sicher fühlen
„Natürlich müssen erst einmal die physischen Grundbedürfnisse gedeckt sein,“ sagt CARE-Mitarbeiter Matthias Themel, „aber gleich nach Hunger, Durst und dem Bedürfnis nach Obdach kommt die Sicherheit.“ Denn solange die Menschen sich nicht sicher fühlen, dominiert die Angst und damit die Krise ihr Leben. Diesen Ausnahmezustand zu beenden ist das erste Ziel für Psychologen wie Matthias Themel. „Viele wissen nicht, woher der Tsunami kam und wie er entstanden ist, deshalb können sie die Gefahr nicht richtig einschätzen“, erzählt er. Mehr Sicherheit, das beginnt in Batticaloa – und nicht nur dort – also auch mit Information.

Zurück zur Normalität des Alltags
„Das nächste ist eine Normalisierung des Alltags – soweit möglich“, fährt der Psychologe fort, „es ist wichtig, dass die Kinder wieder in die Schule gehen, die Erwachsenen ihren gewohnten Alltagstätigkeiten nachgehen – auch wenn die Situation insgesamt natürlich alles andere als alltäglich ist.“

Psychosoziale Hilfe: Balance wieder herstellen
„Hier ist alles aus der Balance gekommen“, berichtet Matthias Themel, der im Jänner in Sri Lanka eine Strategie für psychosoziale Hilfsmaßnahmen ausgearbeitet hat, „und es gilt, die Balance wieder herzustellen.“ Dazu gehört vor allem eines: Respekt. Respekt vor den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen, vor ihrer Trauer, ihrer ganz persönlichen Art, mit dem Schock umzugehen. „Ich habe nirgends vollkommene Verzweiflung erlebt“, sagt Matthias Themel, „es ist überraschend, wie gefasst die Menschen sind. Doch dass sie lächeln, heißt nicht, dass sie nicht traurig sind.“ Andere Völker, andere Sitten, auch – und gerade – was den Umgang mit starken Gefühlen anbelangt. „Es gilt als sicher, dass Reden in traumatischen Situationen gut tut, weil es einem das Herz erleichtert“, so Themel, „aber es ist nicht in allen Kulturen üblich. Deshalb müssen wir sensibel sein und abwarten, bis die Menschen von alleine kommen.“

CARE: Betroffene um ihre Meinung fragen
Und Gesprächsbedingungen schaffen, in denen es eigentlich um anderes geht als um Gefühle. Den Wiederaufbau des Dorfes etwa. „Uns ist aufgefallen, dass jetzt überall Entscheidungen getroffen werden, von der Regierung, von Hilfsorganisationen und anderen – aber dass niemand die Betroffenen um ihre Meinung fragt“, erzählt der Psychologe. CARE geht da anders vor. „Wir beziehen die Leute sowohl in die Bedarfsanalyse ein als auch in den Entscheidungsprozess und in die Umsetzung“, sagt Themel, „und das ist das beste psychosoziale Projekt überhaupt, weil die Menschen damit wieder eine Perspektive für die Zukunft und Eigenverantwortung entwickeln.“

Psychosoziale Angebote
Die Palette der geplanten Maßnahmen ist weit gefächert. Zum Beispiel klärt CARE die Leute über traumatische Symptome auf, damit sie „komisch“ anmutendes Verhalten ihrer Mitmenschen verstehen. Wichtig ist auch Prävention: Drogen- und Alkoholmissbrauch, Depression und häusliche Gewalt etwa kommen in Folge von großen Krisen und Katastrophen häufig vor. Es werden Anlässe geschaffen, zu denen Menschen zusammenkommen und – ganz nebenbei, wenn es sich ergibt – über das sprechen können, was sie durchgemacht haben. So können die seelischen Wunden langsam heilen. Auch bei Lalitha. Und irgendwann wird sie hoffentlich ihre Leiter beruhigt ins Eck stellen können.