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News

15. Februar 2006

Ägypten: Der Bio-Pionier

Die Geschichte von Abdel Wahab El-Rekabi ist eine echte Erfolgsgeschichte. Fast zu schön, um wahr zu sein. Sie folgt dem Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär”. Oder in Abdel Wahabs Fall: vom Kleinbauern zum Bio-Landwirtschaftsberater.

Ökologische Landwirtschaft: Skepsis
Abdel Wahab war immer ein bisschen anders als die anderen Bauernbuben. Wie sie hat er dem Vater bei der Feldarbeit geholfen, aber sonst hat er jede Minute genützt, um zu lesen und zu lernen. Er hat das Gymnasium abgeschlossen und sein Studium der Landwirtschaftskunde. Das Wissen über nachhaltige Landwirtschaft, das er sich dabei angeeignet hat, konnte Abdel Wahab lange Zeit nicht umsetzen. „Mir fehlte das Geld, um die neuen ökologischen Methoden auszuprobieren€, sagt er, „und die anderen Bauern waren sehr skeptisch. Aber ich hatte nicht die Möglichkeiten, sie zu überzeugen.€

Ägypten besteht aus 94 Prozent Wüste
Die Gelegenheit bekam er fünf Jahre nach seinem Uniabschluss. „2003 starteten wir ein Programm zur Implementierung ökologischer Landwirtschaftsmethoden€, erzählt CARE-Mitarbeiter Mohamed Nada, „nicht aus Ideologie, sondern weil es hier wirtschaftlich Sinn macht. Ägypten besteht zu 94 Prozent aus Wüste, die verbleibenden sechs Prozent müssen möglichst schonend und nachhaltig bewirtschaftet werden, damit sie ertragreich bleiben.€ Abdel Wahab war begeistert. „Ich hörte bei den Versammlungen große Worte wie Umweltfreundlichkeit, Bio-Landwirtschaft, Stärkung der Institutionen, gefährliche Pestizide€, erzählt er heute noch begeistert, „und ich wusste: Jetzt kann ich endlich meine Kenntnisse umsetzen und damit einen Beitrag dazu leisten, dass es uns allen langfristig besser geht.€

Wissen klug umgesetzt
Und das tat er auch. Abdel Wahab stellte nicht nur seine Landwirtschaft auf Bio um, er konnte auch die Bauern, die anfangs noch skeptisch waren, vom Nutzen der nachhaltigen Landwirtschaft überzeugen. Als Vorsitzender des neu gegründeten Bauernbundes CDA handelte er für seine Vereinsmitglieder etwa einen besonders günstigen Preis für ökologisch nachhaltiges Saatgut aus. In seinem Dorf hat er einen öffentlichen Komposthaufen angelegt und für den CDA ein Geschäft für die Produktion von Kompost an Land gezogen. Auftragsvolumen: 9200 Euro. Heute ist Abdel Wahab Partner und Berater bei einem der größten Produzenten von nachhaltigem Saatgut in der Region. Die Firma macht einen Umsatz von mehr als 65.000 Euro pro Landwirtschaftssaison. Und Abdel Wahab? Der macht seine Doktorarbeit. Beim Thema kennt er sich gut aus: nachhaltige Landwirtschaft.

Lesen Sie mehr zum CARE-Projekt SAFE – Ökologische Landwirtschaft für Bauern in Ägypten“

 

 

 

 

 

15. Februar 2006

Tschetschenien: Flüchtlinge ohne Chance

Kamal wartet auf ein besseres MorgenIn einem ehemaligen Kuhstall in Nasran in Inguschetien habe ich ihn getroffen. Den 16-jährigen Kamal, dessen rechte Gesichtshälfte durch Narben völlig entstellt war. Eine Mine hatte sein rechtes Auge und auch einen Teil seiner Zunge weggerissen. In dem Stall lebte er mit seiner Familie und zwanzig weiteren tschetschenischen Flüchtlingsfamilien. In mit Sperrholz abgeteilten kleinen Räumen wohnten sie – und warteten auf ein besseres Morgen.

Kamal will Englisch lernen
Kamal hatte keine Hoffnungen und nur einen kleinen leicht zu erfüllenden Wunsch – er wollte Englisch lernen. Ich habe damals über Kamal berichtet und eine Welle von Reaktionen ausgelöst – und trotzdem konnte ihm nicht geholfen werden. Denn für die Operationen, die ihm sein Gesicht zurückgeben hätte können, war es zu spät. Kurze Zeit später ließ Moskau die Unterkünfte in Inguschetien zum Teil friedlich, zum Teil mit Gewalt räumen und die Menschen nach Tschetschenien zurückschicken.

Zurück in Grosny: Ohne Perspektive
Auch Kamal und seine Familie. In Grosny, wo die meisten Flüchtlinge herkamen, leben sie jetzt unter kaum besseren Bedingungen. In so genannten provisorischen Auffangzentren ohne fließendes Wasser und mit Toiletten auf dem Hof, oder in halbzerstörten Wohnhäusern. Arbeit gibt es keine, Hilfe auch nicht.

Berichterstatter kämpfen gegen das Vergessen
Der Krieg in Tschetschenien geht unter der Oberfläche weiter – und zurzeit gibt es kaum Hoffnung auf eine Beruhigung der Lage. Für uns Berichterstatter ist das eine offene Wunde. Jedes Mal, wenn wir in die Region reisen und mit den Betroffenen sprechen, hoffen wir, mit unseren Berichten etwas zu bewegen – die Lage dieser Menschen ohne Perspektive verbessern zu können. Und manchmal gelingt es auch. Sehr oft aber bleibt unser Wort ungehört – und wir fühlen uns schuldig, weil wir nicht direkt konkret helfen konnten. Trotzdem versuchen wir, gegen das Vergessen anzukämpfen. Manchmal mit großem, oft ohne jeden Erfolg. 
Susanne Scholl ist auch Autorin. Ihr neuestes Werk: „Nataschas Winter€

Tschetschenien: CARE gibt Hoffnung
Von den hunderttausenden Menschen, die in Tschetschenien auf der Flucht vor Gewalt, Elend und Armut sind, haben seit 2002 immerhin schon mehr als 15.000 eine Chance ergriffen. Mit der Unterstützung von ECHO, der Abteilung für Humanitäre Hilfe der Europäischn Union, bietet CARE Schul- und Berufsausbildungen für Jugendliche an. Auch Englischunterricht.

Zum CARE-Projekt

Tschetschenien: Zukunftsperspektiven für Jugendliche

15. Februar 2006

„Der Hauptgegner, das ist die Konzernlogik“

von Anna Katharina Laggner

Als Student war er entschiedener Anti-Kommunist. Doch ein zweijähriger Aufenthalt im Kongo und ein Treffen mit Che Guevara änderten Jean Zieglers Weltsicht. 1992 erschien „Die Schweiz wäscht weißer“, ein heiß diskutierter Band, in dem Ziegler der Schweiz vorwirft, mit Nazigold gehandelt zu haben. Heute ist Jean Ziegler UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Seine Aufklärungsschrift „Wie kommt der Hunger in die Welt“ ist in Frankreich Schullektüre. Zieglers aktuelles Buch „Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung“ fordert, wie seine anderen Bücher, eine gerechte Weltordnung.

insider: Die gerechte Welt, die Sie beschreiben, ist sozialistisch. George Orwell hat gesagt, wer mit 16 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Churchill hat hinzugefügt, wer mit 40 noch immer Sozialist ist, der hat kein Hirn.
Jean Ziegler: Das Wort Sozialismus ist sehr belastet – von den Halunken im Kreml, aber die waren ja so sozialistisch und kommunistisch, wie ich buddhistisch bin. Mein Buch fängt mit der französischen Menschenrechtserklärung an, in der zum ersten Mal das gemeinsame Glück der Menschheit als Ziel formuliert wird. Damals gab es große Not, Tausende starben am Hunger, das Menschenrecht auf Glück war nicht umzusetzen. Heute haben sich die Produktionskräfte vervielfacht, der Planet ist reich, die Realisierung des gemeinsamen Glücks wäre materiell möglich. Aber stattdessen – und darin liegt die große Tragik unserer Zeit – findet eine Refeudalisierung statt. Die 500 größten Konzerne der Welt haben letztes Jahr 52 Prozent des Bruttoweltproduktes kontrolliert. Diese kalten Monster funktionieren nach einem einzigen Prinzip: Sie suchen nicht nach Glück für alle, sondern nach dem größtmöglichen individuellen Profit. Deswegen werden heute unglaubliche Reichtümer geschaffen, während zeitgleich die Armut steigt.

insider: Daher auch Ihre Forderung nach einer vollkommenen Entschuldung der Dritten Welt.
Jean Ziegler: Die beiden Massenvernichtungswaffen gegen die Völker der Dritten Welt lauten: Auslandsverschuldung und Hunger. Hoch verschuldete Länder können nicht in ihr Sozialsystem investieren, der Hunger steigt. Damit sinkt die Produktivität der Menschen und die Schulden können nicht abbezahlt werden. Dieser Teufelskreis erstickt die allermeisten Länder der Dritten Welt.

insider: Doch mit der Entschuldung sinken nicht automatisch Korruption und Despotismus. Sind nur weltweit agierende Konzerne für das Elend verantwortlich?
Jean Ziegler: Das System der multinationalen strukturellen Ausbeutung, Preisdumping der Agrar-Rohstoffe etwa, dieses System ist primär verantwortlich für die mörderische Weltordnung. Dann gibt es sekundäre Zusammenhänge, den Despotismus, den Nepotismus, die Korruption, das stimmt, aber es geht darum, seine Feinde einen nach dem anderen zu schlagen. Jetzt kämpfen wir den Kampf der aufgeklärten Menschen, die eine Zivilisation erhalten wollen, in der der Staat Gesetze erlässt, deren Einhaltung kontrolliert und zuwider laufende Tendenzen korrigiert – insbesondere da, wo es um Freiheitsrechte geht. Der Hauptgegner, das ist die Konzernlogik.

insider: Ihr Kampf für eine gerechte Weltordnung ist ungebrochen. Doch wenn Sie eines Tages als Gegenstimme der Globalisierung nicht mehr existieren, wer wird ihr Erbe sein?
Jean Ziegler: Daran hab ich nie gedacht. Ernst Bloch hat gesagt, jeder von uns bräuchte, wenn er stirbt, eigentlich noch viel mehr Leben, um mit dem Leben fertig zu werden. Es gibt eine Logik des Absterbens, physiologisch, aber das menschliche Bewusstsein hat ein Schicksal, in dem mehr zusammen kommt. Jeder Tag macht mich reicher, und der Tod ist die Unterbrechung dieses unendlichen Schicksals, darum glaub ich auch an die Wiederauferstehung. So kann€™s ja nicht enden. Wer wird die Unendlichkeit weiterführen, die in mir lebt? Das weiß ich nicht. Aber es sind sicher die Völker, die Menschen und deshalb soll man teilen, soll man alles tun, was man kann. Bei den Wolof im Senegal heißt es, der Mensch ist das Medikament des Menschen, der Mensch heilt den Menschen. Das ist sehr mysteriös, wir leben nur im Anderen, nur in der Beziehung, und wenn man die Welt nicht in Kategorien der möglichen Kehrtwende denkt, sondern in den Kategorien der Dominanz, der Ausbeutung, dann ist man schon tot, auch wenn man physiologisch noch am Leben ist.

2. Februar 2006

Ruanda benötigt vor allem eines: Zukunft!

Beitrag der internationalen Gemeinschaft unabdinglich
„Das Ignorieren des Völkermords in Ruanda war eines der größten Versäumnisse der internationalen Gemeinschaft im vergangenen Jahrhundert. Daher dürfen wir heute nicht wieder die Augen verschließen und müssen der lokalen Bevölkerung helfen, ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern“, so die Geschäftsführerin von CARE Österreich.

Zukunftsperspektiven durch psychosoziale Betreuung
Eine dauerhafte Versöhnung in Ruanda ist auf Zukunftsperspektiven angewiesen: „Wir ermöglichen psychosoziale Betreuung für die Menschen – vor allem die Kinder – vor Ort, damit sie sich ihren traumatischen Erlebnissen stellen und diese besser verarbeiten können. Dies ist eine der wichtigsten Grundlagen für eine nachhaltige Versöhnung“, so CARE weiter.

 


Ruanda, höchste Waisenrate der Welt
Der Bürgerkrieg sowie die rasche Ausbreitung von HIV/AIDS sind die Hauptgründe dafür, dass Ruanda heute eine der höchsten Waisenraten der Welt aufweist: Nach verschiedenen Schätzungen wachsen dort etwa 425.000 Kinder ohne Eltern auf. Viele dieser Kinder sind durch den Völkermord nicht nur schwer traumatisiert, sondern tragen auch alleine die Verantwortung für mehrere jüngere Geschwister. CARE Österreich führt ein Projekt zur psychosozialen Betreuung dieser jugendlichen Haushaltsvorstände durch.

„Nkundabana“: Hilfe für traumatisierte Waisenkinder in Ruanda
„Nkundabana“, übersetzt etwa „die, die Kinder lieben“: In der Region Gitarama baut werden engagierte Dorfmitglieder zu MentorInnen der Kinder ausgebildet. 600 dieser „Nkundabana“ helfen den rund 3.000 jugendlichen Haushaltsvorständen dieser Region bei der Bewältigung des familiären Alltags, z.B. bei Fragen zur familiären Budgetplanung, Krankheitsvorbeugung etc. 750 dieser Haushaltsvorstände wird eine Berufsausbildung ermöglicht, um ihnen und ihren Geschwistern die Chance auf eine bessere Zukunft zu geben.

 

 

 

 

 

2. Februar 2006

Ruanda: Bäume und Bewusstsein pflanzen

In Ruanda wird ein CARE-Projekt von der Regierung auf das ganze Land ausgeweitet. 140.000 Kinder lernen nun in der Schule Forst- und Agrarwirtschaft. Eine Erfolgsgeschichte.

Abholzung durch hohe Bevölkerungsdichte und Flüchtlinge
Ruanda hat die höchste Bevölkerungsdichte in Afrika, sie liegt im Durchschnitt bei 329 Menschen pro km2. Die Auswirkungen auf die Natur und auf das zwischenmenschliche Miteinander sind verheerend. Die Ackerböden sind ausgelaugt, und die Abholzung ist weit fortgeschritten – eine Folge der hunderttausenden umherziehenden Flüchtlinge während des Genozids vor zehn Jahren. Und auch heute brauchen die Menschen Holz. Sie kochen, bauen Möbel und Häuser oder veredeln das Holz zu Holzkohle. Deshalb werden Bäume oft gedankenlos geschlägert. Über Aufforstung zerbrechen sich hier nicht viele den Kopf.

 

Den Wert von Bäumen erkennen
Doch das ändert sich. Im Jahr 2001 startete CARE Österreich ein agrarökologisches Projekt, in das unter anderem zehn Volksschulen – die unseren Pflichtschulen entsprechen – einbezogen waren. Am Gelände dieser Schulen wurden Baumschulen errichtet, in denen die Kinder während des Unterrichts die Pflanzen betreuen mussten. So konnten sie den Lebenszyklus von Setzlingen beobachten und lernten, wie man Bäume setzt, pflegt und schützt, vor Weidetieren etwa. Sie studierten verschiedene Obstbaumarten und welche Bäume für Brenn- beziehungsweise für Bauholz geeignet sind. „Und das Allerwichtigste“, sagt Jean Claude Gasana, CARE-Programmdirektor vor Ort, „sie haben den Wert von Bäumen erkannt. Die Kinder haben durch die Arbeit in den Baumschulen begriffen, dass es wichtig ist, wieder aufzuforsten und warum.“

Überwältigender Erfolg des CARE-Projektes
Davon zeugen auch die Schulhöfe und Gärten rund um die Hütten und Häuser der Kinder. Überall stehen Bäume, die mit viel Liebe und Begeisterung gehegt und gepflegt werden. Größere Mengen an Setzlingen konnten an internationale Organisationen verkauft werden, der Erlös kam den Schulen zugute. Der Erfolg des Projektes, das im Juni 2004 ausgelaufen ist, war überwältigend. Die Kinder haben nicht nur viel gelernt, sie hatten auch Spaß an der Sache und dienten, indem sie ihr Wissen an Eltern und Geschwister weitergaben, außerdem als Multiplikatoren. „Die Eltern waren so begeistert“, erzählt Projektleiter Kögler, „dass sie ihre Kinder extra für die Baumschulen angemeldet haben.“

 

Landesweites Projekt: 47.500 Kinder profitieren
Begeistert waren auch die ruandesischen Behörden. Sie wollen das Projekt nun auf 27 Schulen in neun weiteren Bezirken ausweiten, Baumschulen errichten und Forst- und Agrarwirtschaft in den Lehrplan aufnehmen. 47.500 Kinder werden davon profitieren. „Achtzig Prozent dieser Kinder werden später in der Landwirtschaft tätig sein. Aber bisher hat noch niemand daran gedacht, ihnen in der Schule etwas darüber beizubringen“, sagt Jean Claude Gasana. Die künftige Generation wird besser vorbereitet in ihr Berufsleben gehen und hat damit von vornherein bessere Chancen.
 

 

 

 

 

 

 

2. Februar 2006

Westjordanland: Frisches Wasser für Ya’bad

CARE hilft die Wasser-Situation in Westbank/ Gaza zu verbessern. Können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, ohne frisches Wasser zu leben?

 

Einweihung der Pumpstation
In Ya’bad, einem Dorf nahe Jenin im nördlichen Teil des Westjordanlandes, wurde kürzlich eine neue Wasserpumpe eingeweiht. Das hört sich unspektakulär an, doch wird das Pumpwerk ganz Ya’bad und die umliegenden Dörfer mit frischem Wasser versorgen. Für Shamseh Mohammed Asa’d Al-Abbadi ist das durchaus spektakulär. Durch ihre starken Rückenschmerzen konnte sie nicht jeden Tag zur Quelle marschieren und von dort frisches Wasser in schweren Kübeln nach Hause tragen.

Seit mehr als 10 Jahren ohne Wasser
Aber wie sollte sie für ihre Familie kochen ohne sauberes Wasser? Auch einfache Dinge des täglichen Lebens waren sehr kompliziert. Shamseh verwendete dasselbe bisschen Wasser, um Geschirr abzuwaschen, den Boden zu wischen und ihre Pflanzen zu gießen. Dieselbe mühselige Prozedur seit mehr als 10 Jahren.

„Die Kinder können nun einfach duschen!“
Shamseh lebt mit den Familien und Kindern ihrer Brüder Adel and Tawfic und ihrem schon etwas älteren Onkel in einem kleinen Haus. Manchmal sind bis zu 20 Personen da. Bereits nach wenigen Wochen mit der neuen Wasserpumpe kann sich Shamseh nicht mehr vorstellen, wie sie so lange Zeit ohne frisches Wasser kochen und den Haushalt führen konnte. „Die Kinder können nun einfach duschen, während wir früher nie wussten, wie wir sie alle waschen sollten.“

Wasser kaufen ohne Einkommen
In manchen Monaten hat die Familie Asa’d Al-Abbadi mehr als 50 Euro für frisches Wasser ausgegeben, den Großteil davon für den Transport. Dies war eine riesige Belastung für die Familie, die nur über ein sehrgeringes Einkommen verfügt. Shamsehs Bruder, Tawfic, hatte als Landwirt eine Anstellung, doch – wie so viele andere im Westjordanland – konnte er nicht mehr bezahlt werden. Die Familie lebt fast ausschließlich von einigen Olivenbäumen und einem kleinen Weizenfeld.

„Tatsächlich kommt immer frisches Wasser“
Shamseh freut sich sehr über das frische Wasser aus dem Wasserhahn. „Ich denke jedes Mal an CARE, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe und tatsächlich immer frisches Wasser kommt!“

26. Januar 2006

Westjordanland „Es ist schwer, die Hoffnung nicht aufzugeben“

Israel baut eine Mauer. Quer durch palästinensische Dörfer, Felder und sogar Häuser. Was das für die Menschen bedeutet und warum das eine Katastrophe ist, erklärt Liz Sime, Leiterin des CARE-Länderbüros in den palästinensischen Autonomiegebieten.

Seit Jahrzehnten hört und liest man nahezu täglich vom Palästinenserkonflikt. Die Krise ist fast zum Normalzustand geworden. Worin besteht diese Katastrophe eigentlich?

Liz Sime: Natürlich ist es keine Katastrophe wie etwa der Tsunami, ein Erdbeben oder Hurrikan. Die Katastrophe hier ist viel komplexer. Seit dem Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000 hat sich der Alltag enorm verändert. Die Bewegungsfreiheit der Menschen ist drastisch eingeschränkt, sie können nicht ins Spital gehen, nicht auf den Markt, auf die Felder oder in die Arbeit. Damit haben viele Familien ihre Lebensgrundlage verloren. Sie verarmen.

Wie reagiert CARE darauf?
Liz Sime: Wir bieten den Menschen alternative Einkommensquellen, damit sich ihre Ernährungssituation verbessert, errichten Schulen und Krankenstationen. Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich ist die Wasserversorgung. Grundsätzlich gibt es genug Wasser, aber ein großer Teil davon fließt direkt nach Israel, während der Rest durch rostige Wasserleitungen oder Abwässer verschmutzt wird oder mangels Leitungen erst gar nicht bei den Menschen ankommt.

Viele CARE-Projekte in Westbank-Gaza richten sich in erster Linie an Frauen. Warum?
Liz Sime: Sie sind schlimmer betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie früher heiraten, früher die Schule verlassen und keine Jobs bekommen, ist gestiegen. Das ist unserer Meinung nach eine direkte Folge der Armut und des fehlenden staatlichen Sozialnetzes. Der Punkt ist auch: Die Menschen werden immer ärmer, sie verlieren zusehends die Hoffnung auf Frieden und Sicherheit. Das führt dazu, dass sie sich dem Glauben zuwenden, einem immer konservativeren Glauben – und damit einem immer konservativeren Rollenverständnis, was die Frauen anbelangt. Das war nicht immer so. Traditionell ist die palästinensische Gesellschaft liberal, und die derzeitige Entwicklung beunruhigt viele hier.

Verliert man da manchmal die Hoffnung?
Liz Sime: Es gehört zu meinem Job, die Hoffnung zu bewahren, und ich bin eine Optimistin. Ich glaube, dass Israel gerade jetzt den Mut fassen könnte, sich auf eine echte Partnerschaft mit den Palästinensern einzulassen und sie bei der Bewältigung von deren wirtschaftlichen, politischen und Identitätsproblemen zu unterstützen. Das Problem lässt sich nur gemeinsam lösen.

Also können wir jetzt gemeinsam hoffen?
Liz Sime: Ja. Andererseits: Der Rückzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen hat wenig bewirkt, das Westjordanland ist immer noch eingezäunt. Und daran wird sich so schnell wohl auch nichts ändern. Vielleicht hilft das zu verstehen, wie schwierig es für die Menschen hier ist, die Hoffnung nicht aufzugeben. Und wie enorm wichtig und hilfreich es ist, dass CARE hier arbeitet und dass die Spender und Spenderinnen in Österreich uns dabei unterstützen.

Das CARE-Projekt wird von ECHO, der Abteilung für Humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission, finanziert.

 

 

 

 

 

 

 

25. Januar 2006

Nicaragua: Ein CARE-Projekt gegen AIDS und ungewollte Schwangerschaften

AIDS und junge Mütter
Die ersten Fälle von HIV/AIDS tauchten in Nicaragua viel später auf als in anderen lateinamerikanischen Ländern, nämlich erst 1987. Mittlerweile ist HIV/AIDS jedoch ein gewichtiges Thema: Kondome werden generell abgelehnt, vor allem junge Menschen, die gerade ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen, sind von einer Ansteckung massiv gefährdet.

Wirklich dramatisch ist die Situation bei Schwangerschaft im Jugendalter. Umfragen zufolge war fast jede dritte Nicaraguanerin zwischen 15 und 19 bereits einmal schwanger. Ein knappes Drittel davon ungewollt. Die Folgen sind verheerend: Die Mädchen sind mit ihrer Schwangerschaft und Mutterrolle meist völlig überfordert. Sie brechen die Schule ab und schwächen damit dramatisch ihre Zukunftsaussichten. Jugendliche Mütter werden oft ans Existenzminimum gedrängt, und diese Voraussetzungen verringern auch die Chancen der nächsten Generation. Ein Teufelskreislauf.

Junge schützen sich selbst
Das PROSAE-Projekt, das CARE Österreich gemeinsam mit CARE Nicaragua betreut, zielt darauf ab, Jugendliche in der Povinz Estelí über reproduktive Gesundheit aufzuklären. Dazu bildet CARE einzelne Mädchen und Burschen zu Promotoren aus, Leiter von Jugendgruppen, die dieses Wissen dann ihrerseits an Geschwister, FreundInnen, MitschülerInnen und andere Interessierte weitergeben.

Petrona leitet auch so eine Gruppe, den „Club de la Amistad“ – Club der Freundschaft. Alle zwei Wochen trifft sie sich dort mit 15 anderen Jugendlichen, sie spielen Basketball oder Fußball. Bei allem Spaß beschäftigen sie sich aber immer wieder auch mit dem Thema reproduktive Gesundheit, halten kleine Vorträge, organisieren Ausstellungen, diskutieren über Schwangerschaft, Verhütung und HIV/AIDS.

So ein Theater!
In San Francisco (stelí) kommt die Theatergruppe zur Probe zusammen. Das Stück haben die Jugendlichen selbst, geschrieben, es ist gespickt mit kleinen, lustig verpackten Gemeinheiten gegen die Gesellschaft, in der sie leben. Hauptthema in den Stücken der Theatergruppe sind Drogen und Teenager-Schwangerschaft. Die Vorstellungen sind regelmäßig ein voller Erfolg – bei Jung und Alt. „Nach der Aufführung“, erzählt Yazmina, die Leiterin der Theatertruppe, „wird über die Inhalte des Stückes diskutiert. Die Menschen denken darüber nach, was das ganz konkret auch für ihr Leben bedeutet.“

Jugendbereich in der Klinik von Condega
Es bedeutet zum Beispiel, mehr auf seine Gesundheit zu achten. Aber gerade beim Besuch einer Krankenstation haben Junge oft eine Hemmschwelle. In der Klinik von Condega wurde deshalb jetzt ein eigener Bereich geschaffen: Mit separatem Eingang, bunten Plakatwänden, Fernseher, altersgerechtem Info-Material und Gratis-Kondomen.