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23. August 2016

Nordirak – zwei Jahre nach dem Exodus

Im Nordirak brauchen 10 Mio Menschen dringend humanitäre Hilfe. Foto: CARE

Von Irene Dulz, CARE-Programmleiterin Nordirak

Die Bilder verfolgen mich bis heute. Tausende Männer, Frauen und Kinder; Temperaturen jenseits der 50 Grad Celsius; Menschenmengen, die sich im Grenzgebiet zwischen dem Irak und Syrien über Berge und quer durch Wüstenebenen fortschieben.

Es war vor genau zwei Jahren, Anfang August 2014, als die Weltöffentlichkeit auf die furchtbare Situation der Jesiden im Nordirak aufmerksam wurde. Die Bilder in den internationalen Medien sahen nach Mittelalter aus: Nirgends Straßen, keine Transportmittel, traditionell gekleidete Menschen, die nur mit dem, was sie am Leibe trugen, geflohen sind. Die Welt war angesichts der brutalen Angriffe, systematischen Vergewaltigungen, Versklavungen und Ermordungen schockiert, es gab laufend Schlagzeilen.

Mehr als eine Million Vertriebene

Die Mehrheit der Vertriebenen lebt auch heute noch in Flüchtlingslagern. Den Schlagzeilen ist das mittlerweile egal. Es gibt andere Krisen. Ich setze mich mittlerweile seit einem Jahrzehnt für die Menschen im Irak ein und bin den Frauen, Männern und Kindern, die ich getroffen habe, für ihr Vertrauen und ihre Gastfreundschaft sehr dankbar. Ihre Widerstandskraft beeindruckt mich. Die Regionalregierung von Kurdistan im Irak hat unglaubliche Menschlichkeit bewiesen, indem sie fast eine Million Vertriebene unterstützt und 250.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen hat. In Dohuk haben die Gastgemeinden großzügig ihre Türen und Herzen geöffnet.

„Wie kann ich die Kinder ernähren?“

Für meine Arbeit bei CARE treffe ich regelmäßig Familien – meist jene, die in einem Flüchtlingslager leben – um mit ihnen über ihre Situation zu sprechen. Eine Familie, die ich vor zwei Jahren getroffen habe, lief mir kürzlich wieder über den Weg. Mutter und Vater versuchen gerade, wieder eine Existenz aufzubauen. Das meiste dessen, was sie besaßen, mussten sie verkaufen. Der Ehemann bringt manchmal Geld nachhause, manchmal nicht. Jeden Morgen plagt die Mutter die Sorge, wie sie ihre vier Kinder ernähren kann. Schule? Längst abgebrochen.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende!

Mehr als 3 Millionen Menschen ohne Zuhause

Eine Geberkonferenz in Washington sicherte kürzlich 2 Milliarden US-Dollar für die humanitäre Hilfe im Nordirak zu. Das ist vielversprechend, wenn auch nicht ausreichend. Rund 3,3 Millionen Menschen haben hier kein Zuhause, 10 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe. Die Kämpfe dauern an, unzählige Dörfer wurden zerstört. Es wird Jahre dauern, hier wieder etwas aufzubauen. Währenddessen verschlechtert sich die Sicherheitslage in anderen Teilen der Welt, mit dem Risiko weiterer Flüchtlingsbewegungen. CARE und andere Organisationen versuchen, sich auch darauf vorzubereiten.

Unsere Hilfe reicht nicht

Als HelferInnen versuchen wir, unseren Job zu machen. Aber es ist nie genug. CARE arbeitet in einigen Flüchtlingslagern in Kurdistan im Müllmanagement und in der Wasserinfrastruktur. Zusätzlich statten wir neu angekommene Familien mit den wichtigsten Haushaltsutensilien und Kliniken im Bereich Müttergesundheit mit Equipment aus. Die Sterblichkeit von Müttern und Kindern ist ein großes Problem in dieser Region.

Wir werden uns auch weiterhin hier einsetzen und versuchen, finanzielle Mittel aufstellen, damit das Leben der Menschen hier erträglicher gemacht werden kann. Wir haben schlichtweg keine Alternative dazu.

Mein Wunsch: Frieden

Den jesidischen Familien wünsche ich, dass sie nach Hause zurückkehren und ihr Leben wieder aufbauen können. Ich wünsche den Müttern, dass ihre Neugeborenen in einem friedlichen Land aufwachsen können; dass Kinder zur Schule gehen können; dass alle für sich selbst sorgen können und vor allem: dass Frieden herrscht. Uns HelferInnen wünsche ich, dass es unsere Arbeit im Nordirak eines Tages nicht mehr braucht.

Bitte helfen Sie Menschen in Not! Jetzt mit Ihrer online Spende!

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