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5. Mai 2017

Nordirak: Rückkehr in ein Leben in Trümmern

Katharina Katzer, Pressesprecherin von CARE Österreich. Foto: Emily Kinskey/CARE

Katharina Katzer, Pressesprecherin von CARE Österreich, berichtet aus dem Nordirak

Jahrelanger Bürgerkrieg hat den Nordirak beinahe völlig zerstört. Millionen von Menschen leben umgeben von Trümmern. Vor Ort haben der Aufbau von Wasserversorgung und Elektrizität nun höchste Priorität. Einzelne Schulbücher inmitten von Ruinen erinnern an ehemals lebendigen Schulunterricht. Familien stehen vor dem Nichts, sie haben alles verloren.

So sieht die Situation für RückkehrerInnen aus, Menschen, die sich nach jahrelanger Flucht entschieden haben wieder nach Hause zu kommen. Obwohl ihr Zuhause nicht annähernd so aussieht, wie sie es verlassen hatten, sind manche Familien nach der Befreiung ihrer Heimatorte in den Nordirak zurückgekehrt.

Für sie ist das Leben in teilweise stark zerstörten Ortschaften eine große Herausforderung. Die Bedürfnisse der Menschen hier sind enorm. Ihnen fehlt es an Wasser, Arbeitsplätzen und der Unterstützung beim Wiederaufbau. In Dörfern wie Bashiqa, das etwa zwölf Kilometer von Mosul entfernt liegt, wird es lange dauern, die Infrastruktur – wie etwa ein funktionierendes Wasser- und Stromnetz – wieder aufzubauen.

Doch für rund 1,3 Millionen Binnenflüchtlinge im Nordirak ist die Situation noch schlimmer, der Gedanke an eine Rückkehr in ihre Heimatorte liegt in weiter Ferne. Besonders Jesiden, eine religiöse Minderheit, die 2014 über das Sinjar-Gebirge flüchten mussten, sind betroffen. Seit Beginn des Konfliktes in 2014 harren sie in notdürftigen Unterkünften und temporären Camps aus. Sie sind Unsicherheit und Wasserknappheit hilflos ausgeliefert.

Vor etwa zwei Wochen war ich im Nordirak, um mir selbst ein Bild von der Situation zu machen. Die Menschen sind verzweifelt, die Lage ist schrecklich. Was nicht zerstört wurde, wurde geplündert.

So erging es zum Beispiel der 45-jährigen Fatima, die mit ihrer gesamten Familie aus der Sinjar-Region vertrieben wurde. Die Familie konnte damals nur mit dem Notwendigsten fliehen, all ihr Hab und Gut mussten sie zurücklassen. Seit 2014 lebt die Familie in einem Flüchtlingscamp im Norden der Autonomen Region Kurdistan. Fatimas größter Traum ist es, eines Tages wieder in ihrer Heimat zu leben, doch die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr ist gering. Die Region ist und bleibt zu unsicher für Jesiden.

Seit dem Beginn der Krise leistet CARE Hilfe für Vertriebene im Nordirak. Zu den Hilfsmaßnahmen zählen unter anderem Wasserversorgung, Notunterkünfte, Hygieneartikel und die Verteilung von Hilfspaketen. Doch dies alleine ist nicht genug.

Mehr als elf Millionen Menschen im Irak sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, acht Millionen von ihnen benötigen dringend sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen. Doch am meisten wünschen sich Fatima und viele andere Vertriebene einen normalen Alltag.

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