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17. August 2017

Niger: Eine Helferin im Einsatz für Frauen und Mädchen

Fatouma Zara Soumana, CARE-Genderbeauftragte (Foto: Frederic Courbet/CARE)

Zum Welttag der humanitären Hilfe am 19. August schildern CARE-NothelferInnen ihren Alltag in den Krisengebieten

Als Spezialistin des sogenannten „Rapid Response Teams“ (Soforteinsatz-Team) von CARE ist Fatouma Zara für Frauen in Not zuständig. Das bedeutet, dass sie die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen in Krisensituationen berücksichtigt. In ihrer Funktion besuchte Fatouma bereits zahlreiche Länder, darunter Kambodscha, Mosambik, Äthiopien und die Türkei.

Zurzeit arbeitet sie in Diffa im Südosten ihres Heimatlandes Niger. Hier sind 340.000 Menschen in Flüchtlingscamps untergebracht. Viel mehr, nämlich 2.4 Millionen Menschen, sind in der Gegend des Tschadbeckens aus ihrer Heimat vertrieben worden. Gewalttätige Konflikte, extreme Armut und die Folgen des Klimawandels sind die Gründe für die Krise am Ländereck zwischen Niger, Tschad, Kamerun und Nigeria.

CARE unterstützt über 300.000 geflüchtete Menschen in der Region um Diffa. Dabei arbeitet CARE mit lokalen Partnern zusammen, um Hygieneartikel und Unterkünfte bereitzustellen sowie Brunnen und Toiletten zu errichten. Außerdem werden Geld, Essen, Saatgut, landwirtschaftliches Equipment und Nutztiere wie Ziegen und Schafe unter den Flüchtlingen verteilt.

CARE stellt sicher, dass die örtlichen Gemeinschaften bei den Hilfsmaßnahmen mitbestimmen können. Fatouma leitet ein Team, das mit den Menschen über ihre jeweiligen Bedürfnisse spricht.

Fatouma Zara bei der Arbeit (Foto: CARE)

3:30 Es ist Ramadan, also beginnt mein Tag um 3:30 morgens, während es draußen noch dunkel ist. Ich frühstücke kurz – bloß Milch und Kaffee – und halte dann mein Morgengebet. Bevor die Arbeit beginnt, rufe ich zuhause bei meiner Familie an. Ich reise viel und es ist nicht leicht, so weit weg von zuhause zu sein. Wenn ich unterwegs bin, ist mein Mann gleichzeitig Mutter und Vater für unsere drei Kinder.

8:00 Im Büro treffe ich das Logistikteam. Wir wollen sichergehen, dass wir heute erfolgreich zu unserem Ziel kommen. Wir sind drei Teams und jedes fährt zu einem anderen Ort, es ist also eine große logistische Herausforderung. Unser Team besteht aus MitarbeiterInnen von CARE und KollegInnen von lokalen Hilfsorganisationen und Regierungsorganisationen. Diese Krise hier ist gigantisch und es ist wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten.
Heute fahren wir nach Garim Wazam, das ist ein Dorf nordöstlich von Diffa. Vor einigen Jahren lebten hier rund 700 Menschen, heute sind es mehr als 21.000. Die meisten sind Flüchtlinge aus dem Niger oder aus Nigeria.

10:00 Die Fahrt dauert 50 Minuten. Am Weg sehen wir überall die Notunterkünfte der Geflüchteten. Sie wurden mit dem gebaut, was zu finden war: Äste, Büschel aus Zweigen und Planen.

12:00 Wir führen viele Befragungen durch und sammeln wertvolle Informationen, die unsere Hilfsmaßnahmen weiterentwickeln. Viele Leute hier, vor allem Frauen, erzählen uns, dass sie nicht genug Unterstützung erhalten. Der Bedarf ist groß, aber unsere Ressourcen sind begrenzt. Wir bei CARE geben unser Bestes, aber die Menschen hier brauchen mehr.

Eine Mutter aus Nigeria mit ihrem Sohn. (Foto: Frederic Courbet/CARE)

15:00  Wir führen noch die letzten Interviews, bevor wir den Ort wieder verlassen. Während des Tages versuche ich, mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Die Geschichte einer Frau, die ich heute traf, berührte mich sehr. Aufständische Kämpfer kamen in ihr Dorf und töteten fast alle männlichen Bewohner. Mit ihrem Sohn gelang ihr die Flucht, doch die Aufständischen holten die beiden ein. Doch indem die Frau ihrem Sohn zuvor Frauenkleider angezogen hatte, rettete sie sein Leben. Solche Geschichten sind herzzerreißend – und leider hören wir viele davon.

17:00 Ich schaue kurz im Büro vorbei, um mich für den nächsten Tag vorzubereiten und um sicherzugehen, dass auch alle Teams von ihren Einsätzen zurückgekehrt sind. Danach checke ich meine Mails und stehe so ständig im Kontakt mit dem Team hier im Niger und internationalen KollegInnen von CARE.

Zum Iftar, dem Abendessen im Ramadan, bringen mir KollegInnen Essen vorbei. Es ist wichtig, während des Ramadans miteinander Essen zu teilen, aber wegen der Ausgangssperre in Iftar dürfen wir nachts nicht raus gehen. Also kommen sie vor Sonnenuntergang vorbei und bringen mir alles Mögliche – von einfachem Brei bis Kopto, meiner Leibspeise. Das ist Grüner Salat mit Nusspaste, Zwiebel, Salz und einem Schuss Zitrone.

20:00 Auch am Ende des Tages gibt es noch Arbeit zu erledigen. Die ruhige Zeit am Abend eignet sich am Besten, um Kleinigkeiten zu erledigen und sich für den nächsten Tag vorzubereiten.

Ich denke auch über die Menschen nach, die heute traf. Mit ihrer Stärke und Kraft motivieren sie mich jeden Tag aufs Neue, vor allem die Frauen und Mädchen. Viele von ihnen haben Gewalt erlebt und sind traumatisiert, doch wenn ich mit ihnen spreche, können sie trotzdem lächeln. Sie haben alles verloren, aber sie bleiben stark. Sie geben mir die Kraft, die ich brauche, um ihnen zu helfen.

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