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27. Januar 2015

Malawi: Große Verwüstung nach Überschwemmungen

Überschwemmungen sind für viele BewohnerInnen von Nsanje schon zu einem alljährlichen Ereignis geworden. Die Ausmaße des diesjährigen Hochwassers haben jedoch neue Höhen erreicht. Wenn man von der malawischen Handelsstadt Blantyre nach Nsanje an die südliche Spitze Malawis fährt, sieht man den schrecklichen Anblick der zerstörten Häuser, Hektare von Ackerland, deren gesamte Ernte weggespült wurde. Männer, Frauen und Kinder brauchen dringend Grundausrüstung für die verschiedenen Evakuationszentren. Dies sind alles Folgen des Hochwassers, durch das mehr als 50 Menschen, darunter auch zahlreiche Kinder, in diesem Bezirk gestorben sind.

Im Regierungsbezirk Mlolo wurden alle öffentlichen Versorgungsbetriebe gesperrt. Gesundheitszentren und Schulen wurden von den Wassermaßen überschwemmt. Da dieses Gebiet nur mit Helikoptern und Booten zugänglich ist, ist es schwierig, die zerstörten Häuser zu erreichen. Wenn man den betroffenen Menschen und insbesondere den Frauen zuhört, wird klar, dass sie diese Tragödie nie vergessen werden.

Ein schmerzhafter Verlust

Grace Lawrence ist 20 Jahre alte, schwanger und im Evakuationszentrum in Nyachilenda untergebracht. Sie wird sich immer an diese Tragödie erinnern, bei der sie ihre Tochter verlor. Graces zweitgeborene Tochter, die dreijährige Marita, konnte zum Zeitpunkt der Bergungsaktion der malawischen Armee nicht aufgespürt werden. Offensichtlich fiel sie vom Dach und starb; doch was genau geschah, weiß Grace nicht.

„Von alle den Verlusten, welche die Fluten mit sich brachten, war der Verlust meiner Tochter der schmerzhafteste“, klagt Grace. „Dass ich meine Tochter nie wieder sehen werde, ist für mich unvorstellbar. Ich wünsche ich könnte sie sehen, zumindest ihren Leichnam.“ Sie fügte hinzu: „Wir verloren alles, was im Haus war. Wir verloren Essen, Kleidung, Küchengegenstände und einfach alles. Wir konnten nichts aus dem Haus retten.“ Graces ganze Geschichte lesen Sie hier.

Der ganze Erfolg ausradiert

Für Mathews Damiano aus dem Dorf Brighton wird das Leben nie wieder so sein wie früher. Das Hochwasser kam gerade, als sein Geschäft zu wachsen begann. Von den bescheidenen Anfängen an wurde sein Obst- und Gemüsegeschäft langsam zu einer verlässlichen Einnahmequelle. Heute ist die damals selbstständige Familie mittellos im Evakuationszentrum in Bangula.

Das Haus, das er gemeinsam mit seiner Frau Elube mühsam aufgebaut hat, liegt nach diesem Hochwasser auch in Trümmern. Er verlor sein ganzes Eigentum, darunter sein Lagerhaus, das 50 Meter von seinem Haus entfernt stand. Zum Zeitpunkt der Zerstörung befanden sich Waren im Wert von 50.000 Kwacha (uro) in diesem Lagerhaus.

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Es wird lange dauern, bis wir uns von dem Schaden erholt haben. Es brauchte jahrelange harte Arbeit, um unser Haus und das Lagerhaus aufzubauen. Wir wissen nicht, was wir jetzt machen sollen“, erzählt Mathews Damiano. Mathews´ ganze Geschichte lesen Sie hier.

Von der Schule zum Evakuationszentrum

In manchen Teilen von Nsanje wurden wichtige öffentliche Einrichtungen geschlossen. Schulen, die von tausenden SchülerInnen besucht werden, wurden zerstört. Durch die Überschwemmungen können die Kinder nicht mehr in die Schulen gehen, da einige durch das Hochwasser zerstört und andere zu Evakuationszentren umfunktioniert wurden. Diese Unterbrechungen im Schulalltag treffen vor allem diejenigen SchülerInnen hart, die sich gerade für die Abschlussprüfungen im Mai vorbereiten.

Marita Samuel, eine ältere Frau Mitte 80, die wir auf dem Zeltplatz in Marka an der malawischen-mosambikanischen Grenze trafen, sagte, dass sie nie zuvor eine solch verheerende Flut gesehen hatte.

„Wir haben schon einige Überschwemmungen erlebt, es ist kein außergewöhnliches Ereignis. Ich erinnere mich, dass wir 1986 eine großflächige Flut hatten, die sehr zerstörerisch war. Aber dieses Hochwasser ist schlimmer als alle anderen. Ich bin sprachlos“, sagt Marita.

Die vertriebenen Menschen benötigen vieles. Wie es ein Beamter formulierte: „Die Realität ist, dass das Leben im Lager nicht dasselbe wie zu Hause sein kann.“ Schwangere Frauen, stillende Mütter und Frauen mit Kindern unter fünf Jahren leben in diesen Lagern. Sie benötigen eine ausgewogene Ernährung, aber die Vorräte sind knapp.

Missachtete Warnungen

Auch wenn es einige Wochen vor den Überschwemmungen Warnungen vor den schweren bevorstehenden Regenfällen gab, missachteten viele Menschen diese Warnungen. Das Bezirksamt in Nsaje befolgte die Empfehlung der meteorologischen Abteilung und ersuchte die Bevölkerung, sich in das Hochland zu begeben. Dieser Aufruf wurde in den letzten Jahren ständig gemacht. Wie auch schon bei ähnlichen Aufrufen in der Vergangenheit ignorierten viele Menschen diese Warnungen.

Zweifellos hat diese Überschwemmung katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerung von Nsanje. Es wird Zeit brauchen bis man sich von diesen Verlusten wieder erholt hat, und vom Verlust der Verstorbenen wird man sich vielleicht nie erholen können. Familien, Verwandte und FreundInnen wurde getrennt, in manchen Fällen für immer. Diese Überschwemmung wird als die schlimmste Katastrophe in die Geschichte der tiefgelegenen Shire Gegend eingehen.

Die Begegnung mit einer Frau, die ihr Kind verlor

Auf dem Zeltplatz in Nyachilenda trafen wir auf Grace Lawrence, einer 20 Jahre alte Frau aus dem Dorf Nyachikanda in Nsanje. Sie und ihre Familie wurden durch die Überschwemmungen vertrieben, wie auch viele andere in dem Bezirk Nsanje. Sie ist im achten Monat schwanger.

Als das Hochwasser kann, war ihr Mann in Mosambik auf einer Dienstreise. Sie blieb mit den zwei Kindern, Manesi und Marita, zu Hause. Als sie ungeduldig auf die Rückkehr ihres Mannes wartete, versucht sie sich an das Leben ohne ihre 3-jährige Tochter zu gewöhnen. Marita ist seit der Rettung vermisst. Grace erzählt ihre Geschichte.

„Es war mitten in der Nacht, als wir tosendes Wasser hörten. Wir bemerkten rasch, dass sich das Haus mit Wasser zu füllen begann.

In kürzester Zeit standen wir knietief im Wasser und ich beschloss sofort, mit meinen zwei Kindern, Manesi und Marita, auf das Dach des Hauses zu steigen. Ich hörte Menschen in der Nachbarschaft schreien. Manche kletterten auf Bäume, aber wir kletterten auf das Dach unseres mit Gras bedeckten Hauses.

Die Rettungskräfte kamen mit den Booten. Es war eine sehr schnelle Rettungsaktion. Jeder drängelte, um ins Boot zu gelangen. Als ich mich später umschaute, merkte ich, dass Marita fehlte. Ich war mir sicher, dass sie gestorben ist. Wenn mein Mann da gewesen wäre, hätten wir Marita sicher nicht verloren.

Ich werde mich an dieses Erlebnis mein ganzes Leben lang erinnern. Wir haben schon Überschwemmungen erlebt hier, aber nicht in diesem Ausmaß. Wir verloren alle wertvollen Gegenstände in unserem Haus. Wir hatten keine Zeit etwas mitzunehmen. Wir verloren unser Essen, unsere Kleidung, die Küchengegenstände, einfach alles.

Von all diesen Verlusten nach dieser Überschwemmung ist der Verlust meiner Tochter der schmerzhafteste für mich. Ich kann nicht glauben, dass ich meine Tochter nie wieder sehen werde. Ich wünschte ich könnte sie sehen, auch wenn es nur ihr Leichnam wäre.“

Ein Mann zählt die Verluste der Flutkatastrophe

Mathews Damiano stammt aus dem Dorf Brighton in Nsanje. Die verheerenden Folgen der Überschwemmungen, welche den Bezirk Nsanje trafen, verschonten auch ihn und seine Familie nicht. Das Haus, welches er mit großer Mühe aufbaute, ist nun nur mehr ein Trümmerhaufen. Es ist nicht einmal mehr zu erkennen, welches die Vorder- und welches die Hintertür war.

„Wir brauchten viel Zeit, dieses Haus umzubauen. Seit zwei Jahren legten wir dafür Geld von den Einnahmen unseres kleinen Geschäftes auf die Seite. Wir kauften das Baumaterial in kleinen Mengen, bis wir genug beisammen hatten, um mit dem Bau zu beginnen. Das ist ein schwerer Schicksalsschlag für uns“, erzählte Mathews, während er vor seinem zerstörten Haus neben seiner Frau und seinen Kindern stand.

Mathews ist zweifellos ein fleißiger Arbeiter. Er reiste zur malawisch-mosambikanischen Grenze, um Waren für den Verkauf in Bangula, einem der belebtesten Handelszentren in Nsanje, zu kaufen. Als das Lebensmittelgeschäft wuchs, erbaute er ein Lagerhaus 50 Meter von seinem Wohnhaus entfernt. Aber auch wie sein Haus, ist das Lagerhaus nur mehr ein Trümmerhaufen. So ist auch die Lebengrundlage der Familie in Gefahr. Zum Zeitpunkt der Zerstörung waren Handelsgüter wie Bananen, Mangos, Orangen und Kakao im Wert von 50.000 Kwacha (in dem Lagerhause.

<,p>Der Wiederaufbau seines Zuhauses und seines Geschäfts wird viel Aufwand und Zeit kosten. Damiano wird für einen Moment das Leben, das sie sie vor den Überschwemmungen gewohnt waren, vergessen müssen.

Es wird lange dauern, bis wir uns von diesem Schaden erholt haben. Es kostete uns jahrelange Arbeit, um unser Haus und das Lagerhaus aufzubauen. Wir wissen nicht, was wir jetzt machen sollen“, sagt Mathews Damiano.

Drei seiner fünf Kinder besuchen die Grundschule in Bangula. Seit Wochen haben sie nichts mehr gelernt, da ihre Schule in ein Flüchtlingslager umfunktioniert wurde. Ihr Klassenzimmer wurde zu ihrem neuen Schlafzimmer. Sie hätten niemals gedacht, dass sie eines Tages von ihrem Zuhause, in das ihre Eltern so viel investiert haben, vertrieben würden. Aber die Überschwemmungskatastrophe machte es zur schmerzlichen Wirklichkeit.

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