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23. Juni 2016

Libanon: Gute Nachbarschaft mit syrischen Flüchtlingen

Die Syrerin Taghreed hat mit ihrer Familie im Haus von Hanaa im Libanon Schutz gefunden. Foto: CARE

Im Libanon ist jede(r) Vierte syrischer Flüchtling. Das macht das Leben oft schwierig – aber Taghreed hat in Hanaa eine enge Freundin gefunden.

Die Beziehung zwischen Taghreed und ihrer Vermieterin Hanaa ist ungewöhnlich für eine syrische Geflüchtete und eine Libanesin. „Als ich Hanaa zum ersten Mal sah, war ich erleichtert. Ich wusste sofort, dass sie ein guter Mensch ist. Wir sind wie Schwestern”, so Taghreed.

Jeden Tag trinken die beiden gemeinsam Kaffee auf der Terrasse. Hanaa kommt Taghreed häufig in ihrer Wohnung besuchen, um Zeit mit der syrischen Familie zu verbringen. Hanaa setzt sich auch für das Wohlergehen von Taghreeds Kindern ein. „Wenn ich höre, dass sie auf der Straße von anderen Kindern geärgert werden, verteidige ich sie“, sagt Hanaa. „Reicht es nicht, dass die Familie ihre Heimat verlassen und dabei alles zurücklassen musste? Sollten wir ihnen nicht helfen, statt ihr Elend zu verschlimmern?“

CARE unterstützt „Eine Nachbarschaft“
Seit einem Jahr wohnt Taghreeds Familie im Haus von Hanaa. Die Miete bezahlt das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen. Hanaa und Taghreed werden zusätzlich von CARE und lokalen Partnerorganisationen unterstützt. Unter dem Motto „Eine Nachbarschaft“ soll das Verhältnis zwischen syrischen Flüchtlingen und libanesischen Familien verbessert werden. Sie werden mit Haushaltsgegenständen und Sanitäranlagen wie etwa Wasserhähnen und Heizkörpern ausgestattet.

Auch über Heirat und Familienplanung informiert CARE Frauen wie Taghreed und Hanaa. „Ich habe zwei Töchter im Alter von 14 und 15 Jahren, die beide schon einen Heiratsantrag bekommen haben“, berichtet Taghreed. „Ich bin absolut dagegen, dass meine Töchter so früh heiraten. Dank der Beratung von CARE habe ich nun die passenden Argumente, um meine Entscheidung durchzusetzen und meine Töchter vor einer frühzeitigen Ehe zu schützen. Sie sind noch zu jung, um zu verstehen, was es bedeutet, zu heiraten. Zuerst müssen sie ihre Ausbildung beenden, das ist im Moment das Wichtigste.“

Taghreed wohnt mit ihrem Mann, sieben Kindern und ihrer kranken Schwiegermutter zusammen. Die ältere Frau leidet, seit sie ihr mehrstöckiges Haus in Syrien zurücklassen musste. Sie hatte es selbst gebaut und dafür ihre gesamten Ersparnisse aufgewendet. Auch Taghreeds Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, seit sie aus Syrien geflüchtet ist.

Keine Arbeit, kein Geld
Hilfsorganisationen wie CARE unterstützen Familien im Libanon mit Bargeld, da es für Flüchtlinge schwierig ist Arbeit zu finden. „Mein Mann arbeitet manchmal, aber er bekommt dafür kein Geld, weil er ein Flüchtling ist. Er kann sich nicht beschweren und fühlt sich hilflos und niedergeschlagen deswegen. Ich erzähle ihm nichts von meinen gesundheitlichen Beschwerden, weil ich ihn nicht noch zusätzlich belasten will. Hanaa ist die einzige Person, der ich mich voll und ganz anvertraue. Sie kennt alle meine Geheimnisse. Abgesehen von Hanaa ist das Zusammenleben mit den Menschen hier schwierig. Doch als Geflüchtete ist es für uns normal, dass sich die Menschen in unserer Nähe unwohl fühlen. Das verstehe ich sogar, weil es im Libanon viele Probleme gibt. Ich versuche immer, sie sehr freundlich zu behandeln und bekomme dann im Gegenzug ihre Freundlichkeit zurück – das funktioniert ganz gut.“

Die berührende Freundschaft von Taghreed und Hanaa ist auch in diesem Video von CARE Syria Response zu sehen.

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