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28. Februar 2018

Kosovo: „Sei ein Mann – wechsle die Windeln!“

CARE unterstützt im Kosovo junge Väter dabei, sich in der Erziehung ihrer Kinder zu engagieren.

CARE im Kosovo – von humanitärer Hilfe zu veränderten Geschlechterrollen

Vor 20 Jahren, im Februar 1998, begann der Krieg im Kosovo. Nach einem Jahr war die Hälfte der zwei Millionen Einwohner auf der Flucht: 600.000 flüchteten nach Albanien und Mazedonien, 400.000 waren zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden. CARE, seit dem Bosnien-Krieg 1992 vor Ort, leistete humanitäre Hilfe in Form von Essen, Notunterkünften und medizinischer Hilfe.

Wieder bei Null beginnen
Als der Konflikt im Sommer 1999 endete, kehrten 850.000 Menschen in ihre zerstörten Häuser zurück. Ein großes Problem waren Landminen, die in der gesamten Region gelegt worden waren. Notunterkünfte wurden gebaut – rund ein Fünftel mit Unterstützung von CARE. Die Menschen benötigten Holz zum Heizen, Baumaterialien, landwirtschaftliche Geräte, Saatgut – Unterstützung, um sich wieder eine Existenz aufbauen zu können. CARE war auch bei der Räumung von Landminen und Blindgängern im Einsatz.

Viele Familien leben noch heute als Flüchtlinge in den Nachbarländern des Kosovo. Jene, die zurückgekehrt sind, kommen kaum über die Runden. Spannungen zwischen Albanern und Serben, die beide den Kosovo für sich beanspruchen, bestehen nach wie vor. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch immer präsent, und die wirtschaftliche Entwicklung schreitet nur langsam voran. Der Kosovo ist eine junge Nation: 40 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 25 – Arbeitsplätze sind jedoch spärlich gesät. Die meisten wollen weg – z.B. in die Europäische Union, die viele MigrantInnen aus dem Kosovo anzieht. Rücküberweisungen von Auslands-Kosovaren belaufen sich auf fast 15 Prozent des Bruttonationaleinkommens.

CARE ist nach wie vor im Kosovo aktiv: heute unterstützen wir Bauern und landwirtschaftliche Produktionsbetriebe dabei, die Qualität und Vermarktung ihrer Produkte zu verbessern. Seit 2007 ist CARE zusammen mit seinen Partnern in der Region im Bereich Gewaltprävention unter Jugendlichen tätig. Vor allem junge Männer sollen lernen, wie sie Konflikte gewaltfrei lösen können. Und was es heißt, in diesem Post-Konflikt-Setting ein moderner Mann zu sein.

„Sei ein Mann – wechsle die Windeln!“
Mithilfe von Workshops, einer öffentlichen Kampagne, positiven männlichen Vorbildern und Jugend-Klubs versucht die „Young Men Initiative“ eine Alternative zum vorherrschenden traditionellen Männerbild zu etablieren. CAREs mehrfach ausgezeichnetes Programm wird derzeit in enger Zusammenarbeit mit Schulen, Universitäten und Ministerien in Pristina und Mitrovica umgesetzt. Ein von der Young Men Initiative entwickeltes Handbuch wurde vom Bildungsministerium offiziell akkreditiert und wird dazu verwendet, Lehrer auszubilden.

Ein weiterer wichtiger Eckpfeiler des Programms ist der öffentliche Diskurs und eine Veränderung von althergebrachten Denkweisen. 2016 wurde die Kampagne „Super Babai – Super tata – Super Dad“ gestartet. 2.500 Väter aus ärmeren Familien wurden angesprochen und ermutigt, eine aktivere Rolle in der Erziehung ihrer Kinder zu spielen. „Ich sage immer: Es gibt kein Gesetz, das dir vorschreibt, um 2 Uhr Früh aufzustehen, um dein schreiendes Kind zu beruhigen“, sagt Besnik Leka, Koordinator des Projekts. „Dir muss einfach klar sein, dass das dein Job ist.“

Hier geht’s zur Facebook-Seite der Young Men Initiative!

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