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8. Januar 2018

Kinderarbeit in Jordanien: „Mein Sohn war so erschöpft“

Reda mit ihrem jüngsten Kind. Hamad (15) ist nicht im Bild. Er ist wieder in der Schule. Foto: Katharina Katzer/CARE

Katharina Katzer, Pressesprecherin von CARE Österreich, berichtet aus Azraq in Jordanien

„Mein Sohn Hamad musste im Einkaufszentrum arbeiten, damit wir überleben können. Jeden Tag, zwölf Stunden lang“, berichtet Reda, die Mutter des 15jährigen Hamad.

Wir treffen Reda in ihrer kargen und kalten Wohnung, die lediglich mit ein paar Matratzen ausgestattet ist. Körperlich blieb die tägliche harte Arbeit für den Jungen nicht ohne Folgen: „Er kam irgendwann immer mit Nasenbluten heim. Er war abends so erschöpft, dass er nicht einmal mehr essen konnte.“ Sein knapper Lohn: Fünf jordanische Dinar, umgerechnet sechs Euro.

Das leidvolle Schicksal von Hamad ist kein Einzelfall: Rund 100.000 syrische Flüchtlingskinder in Jordanien besuchen keine Schule. Die Gründe sind vielfältig. Oft ist es „nur“ der Transport zur Schule und das nötige Schulmaterial, das für die Familien nicht leistbar ist.

Fast immer geht es um die Frage des Familieneinkommens und entsprechende negativen Mechanismen, um zu überleben: Mädchen werden sehr jung verheiratet, um eine Esserin weniger in der Familie zu haben. Jungen müssen Geld herbeischaffen, wenn in Familien der Vater fehlt oder etwa durch Krankheit arbeitsunfähig ist.

Besonders die Kosten für die Miete – die meisten syrischen Flüchtlinge wohnen in Jordanien gemieteten Unterkünften – können sich viele kaum leisten.

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„Ich habe mich immer panisch gefürchtet, wenn mein Sohn arbeiten gegangen ist“, erzählt Reda. „Er war dann oft bis in die Nacht im Einkaufszentrum, war immer müde und ausgelaugt. Es war für uns alle extrem belastend“.

MitarbeiterInnen von CARE entdeckten Hamad eines Tages im Supermarkt in Azraq. Sie sind regelmäßig unterwegs, um arbeitende Kinder ausfindig zu machen. Sie kontaktierten Hamads Mutter, um sie über das „Cash for Education“ Projekt von CARE zu informieren. Familien, die daran teilnehmen erhalten Geld, dass es ihnen ermöglicht, ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Europäischen Union.

Heute kann Hamad seine Schulbildung fortsetzen und macht gute Fortschritte beim Lernen. Er ist froh, die harte Zeit im Supermarkt hinter sich zu haben.

CARE zahlt der Familie rund 100 jordanische Dinar (rund 120 Euro) pro Monat dafür, dass Hamad in die Schule gehen kann. Hamads körperliche Probleme haben sich massiv reduziert – und auch seine Mutter Reda ist viel entspannter, wie sie uns berichtet. „Ich bin CARE sehr dankbar für die Möglichkeit, dass mein Sohn wieder zur Schule gehen kann. Ich habe jetzt keine Panik mehr.“

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