Diese Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen.
Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Alle Details finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

24. März 2016

Jemen: Zu durstig, um Fußball zu spielen

Von Theo Alexopoulos, stv. Sicherheitsdirektor bei CARE

Ein Jahr lang wütet der Krieg im Jemen jetzt schon. Er ist zu einem schwierigen Arbeitsplatz für die HelferInnen von Organisationen wie CARE geworden. Ich besuchte das Land vor Kurzem und sah mit eigenen Augen, wie verzweifelt die Situation für Millionen von Menschen ist. Im Norden traf ich viele kleine Kinder, die dringend Wasser benötigen. Sie hatten Durst. Diese Kinder können oft nicht zur Schule gehen. Stattdessen reihen sie sich in lange Warteschlangen für Wasser ein, das in ihre Dörfer gebracht wird.

Kinder stellen sich vor dem Wassertank an. Foto: CARE

Was wird auf die Kinder noch zukommen?
Ein kleiner Junge stand verloren abseits der Menschenmenge. Sein Name war Mohammad und er war krank. Aber warum? War es wegen des Wassermangels? Hatte er Hunger? Oder litt er unter einer anderen unbehandelten Krankheit? Es kann jeder dieser Gründe gewesen sein. Doch als ich mich hinkniete, um ihn zu begrüßen, schenkte er mir ein Lächeln. Ich konnte nicht anders als mich zu fragen, was auf ihn und die anderen Kinder im Jemen noch zukommen wird. Als Vater von zwei Mädchen traf mich die Not dieser Kinder schwer. Es macht mich sehr wütend, dass kein Ende des Konfliktes abzusehen ist und Erwachsene um Macht streiten, anstatt ihre wunderbaren Jungen und Mädchen zu beschützen.

CARE stellt Wassertanks bereit. Foto: CARE

Während ich mit den Kindern auf die Verteilung des Wassers wartete fragte ich sie, was ihr Lieblingsspiel ist. „Fußball“, war die Antwort. Eigentlich wollte ich die Kinder zum Fußballspielen ermutigen, aber dann stoppte mein jemenitischer Kollege mich: „Theo, als ich noch ein Kind war, gab es auch kein Wasser. Meine Trinkwasserration wurde streng von meiner Mutter überwacht. Ich bekam ein halbes Glas am Tag. Einem Ball bei dieser Hitze hinterher zu laufen macht zu durstig.“

Der Jemen ist ein Land, in dem Wasser immer schon eine knappe Ressource war. Doch seit dem Beginn des Konflikts haben mehr als 19 Millionen Menschen nicht ausreichend sauberes Wasser.

Ich werde nicht versuchen, mit den Kindern Fußball zu spielen.

Wassermangel: Nur ein Problem unter vielen im Jemen. Foto: CARE

Hilfe unter gefährlichen Bedingungen
Kämpfe toben im Jemen und man bekommt davon nur wenig mit. Unsere MitarbeiterInnen arbeiten trotz täglicher Bombenangriffe unter Hochdruck. Fenster gehen zu Bruch, Gebäude werden durch die Explosionen erschüttert. Dazu kommen Diebstähle, Plünderungen, Entführungen und Festnahmen. In dieser Situation ist es nicht nur eine große Herausforderung, unsere MitarbeiteInnen zu schützen. Das hindert uns auch daran, alle hilfsbedürftigen Menschen zu erreichen.

CARE arbeitet schon lange im Jemen und hat trotz des Konflikts die Hilfe fortgesetzt. Wir verbessern den Zugang zu sauberem Wasser, in dem wir Tanks bereitstellen. So müssen Frauen und Kinder nicht mehr weite Strecken laufen, um Wasser zu holen. Darüber hinaus unterstützt CARE die Menschen mit der Verteilung von Nahrungsmitteln.

Die Zahlen sind überwältigend
Über 21 Millionen Menschen benötigen lebensrettende Unterstützung – das sind mehr als 80 Prozent der gesamten Bevölkerung. Eines ist klar: Humanitäre Hilfe kann den Konflikt nicht beenden. Es muss eine politische Lösung gefunden werden, die der Gewalt im Jemen ein Ende setzt. Im Nahen Osten gibt es im Moment viele Konflikte mit ihren jeweils eigenen Herausforderungen. Ein Jahr nach Beginn des Konfliktes ist die Jemen aber zu einer Katastrophe mit epischen Ausmaßen geworden.

Die Kinder, die sich nach Wasser, Bildung und einer Zukunft sehnen, verdienen eine Chance.

zurück zur Übersicht