28. Juli 2017

Jemen: „Immer mehr Kinder sterben oder werden krank“

Statement von Wolfgang Jamann, Generalsekretär CARE International*  – Aktuell: Bericht im Kurier, 10. August 2017

Das letzte Mal, als ich im Jemen war, liegt zehn Jahre zurück. Auch wenn ich es als Privileg betrachte, wieder in dieses Land reisen zu können*, ist meine Rückkehr von großer Trauer geprägt.

Generalsekretär Wolfgang Jamann: hier in Hajjah/Nordjemen. Foto: CARE

Vor zehn Jahren war es möglich, durch Sana’as Straßen zu spazieren, sich in Kaffeehäuser zu setzen oder die schöne Landschaft zu bewundern – ohne ständige Angst vor Bomben und Schusswaffen. Heute ist diese Angst für all jene, die den Jemen ihr Zuhause nennen, tägliche Realität.

Die Menschen sind in einer komplexen Situation gefangen, in der sich nationale, regionale und internationale Interessen konkurrieren. Das Resultat ist Mord und Totschlag. Die JemenitInnen sind die Leidtragenden. Seit dem Ausbruch des Konfliktes kamen bereits tausende Menschen ums Leben. Millionen wurden vertrieben. Viele von ihnen sogar mehrmals, als sie den Kämpfen zu entfliehen versuchten.

Der Jemen war niemals ein reiches Land. Doch der Konflikt wirkt sich auf die lebenswichtige Grundversorgung – wie Nahrung, sauberes Wasser oder Gesundheitsversorgung –  dramatisch aus.

Nach drei Jahren haben bereits 60 Prozent der Bevölkerung zu wenig zu essen und etwa die Hälfte hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die am Boden liegende Wirtschaft und die grassierende Arbeitslosigkeit führten auch dazu, dass 80% der Familien im Jemen verschuldet sind und sich Geld ausleihen müssen, um ihre Kinder ernähren zu können.

Ein an Cholera erkranktes Kind in Amran, Jemen. Foto: CARE

Immer mehr Kinder sterben oder werden krank. Ihre Familien können sich adäquate Nahrung oder medizinische Versorgung nicht mehr leisten. Vielerorts ist der Jemen knapp an einer Hungersnot.

Die Vereinten Nationen haben kürzlich berichtet, dass jede Stunde ein Mensch an Cholera stirbt. Während die Welt auf den politischen Willen wartet die humanitäre Krise zu beenden, sind die Wasser- und Nahrungsmittelknappheit eng mit der Hunger- und Cholerakrise verbunden. Den Hunger und die Cholera in den Griff zu bekommen bedeutet, die Wasser- und Nahrungsmittel-knappheit zu bekämpfen.

Kampf gegen die Cholera in Amran / Jemen. Ein CARE-Helfer fügt Chlor einem Wassertank bei. Foto: CARE

Während die humanitären Bedürfnisse enorm sind, muss die Resilienz der Menschen langfristig gestärkt werden, um das Land nicht noch weiter in dieser Katastrophe versinken zu lassen.

Bis jetzt hat die internationale Gebergemeinschaft jedoch kläglich versagt. 1,2 Milliarden Dollar fehlen immer noch. Die internationale Gemeinschaft ist dazu aufgerufen, ihre Anstrengungen zu erhöhen um dieser Katastrophe entgegenwirken zu können. Schlussendlich, wenn wir über den Jemen lesen oder hören, ist dies allzu oft mit komplexen politischen Realitäten verbunden. Für viele ist diese Komplexität überfordernd, ein einfacheres Narrativ wird benötigt.

Die Situation, in der sich der Jemen im 21. Jahrhundert befindet, ist eine Schande für die Menschheit. Wie kann es sein, dass es ausreichend Waffen zu geben scheint, doch Ärzte und Lehrer können bereits seit Monaten nicht mehr bezahlt werden? Das Leiden im Jemen muss beendet werden. Als humanitäre Helfer, Ärzte, Politiker oder einfach nur als Menschen können wir es nicht länger zulassen.

  • Ihre SPENDE für die Katastrophenhilfe von CARE Österreich – vielen Dank!

*Wolfgang Jamann war Mitte Juli im Jemen

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